Tabea Kemme besuchte Fußball-Projekte in Ghana - Das "German Girl" in Ghana

Die ehemalige Profi-Fußballerin Tabea Kemme (Quelle: picture alliance / GES / Thomas Eisenhuth)
rbb UM6 | 16.03.2021 | Jonas Schützeberg | Bild: picture alliance / GES / Thomas Eisenhuth

Mit "Common Goal" geht mindestens ein Prozent des Profigehalts an soziale Projekte. Die ehemalige Turbine-Potsdam-Spielerin Tabea Kemme reiste nach Ghana und schaute sich an, was vor Ort in den Projekten umgesetzt wird.

Für Tabea Kemme ist der erste Tag zurück in Oranienburg ein bisschen wie “in einer kompletten Parallelwelt”. Die Probleme, mit denen sie auf der Arbeit konfrontiert werde, seien im Vergleich mit dem, was sie zuletzt gesehen hat, gar nicht da. Die vergangenen 14 Tage verbrachte Kemme in Ghana und besuchte verschiedene soziale Projekte, die von der Initiative "Common Goal" unterstützt werden.

Über "Common Goal" spenden zahlreiche Fußballprofis ein Prozent ihres Gehalts oder auch mehr. Das Geld geht an 138 verschiedene Projekte in 90 Ländern. Tabea Kemme spendete nicht nur ein Prozent ihres Gehalts, sondern versteigerte auch mehrere ihrer Länderspielmedaillen für diesen Zweck. Um zu sehen, was mit den Spenden passiert, reiste sie mit einer Freundin auf eigene Kosten nach Ghana.

Andere Probleme

Durch die Corona-Situation und ihre Arbeit als Polizistin war lange unklar, ob und wann sie reisen konnte. Das Unterfangen war nur mit regelmäßigen Schnelltests und strengen Hygiene-Vorschriften möglich. In Ghana sind die Infektionszahlen deutlich niedriger und "die großen Probleme sind Armut und Malaria", erzählt die 29-Jährige. Sie habe in der ghanaischen Hauptstadt Accra Kinder gesehen, die sich Masken aus Plastik und Bändern gebastelt hatten. Nur wenige Menschen trugen richtige Masken.

Unweit ihrer Unterkunft gab es eine riesige Müllhalde. Kemme und ihre Freundin fuhren hin: "Du siehst da ein kleines Kind, das barfuß über Schutt und Asche läuft und versucht mit zwei Steinen einen Steckdosenhalter aufzuschlagen und die Drähte rauszuholen. Das war krass." Länger als eine halbe Stunde hätten sie es nicht ausgehalten. "Danach hatten wir Kopfschmerzen und es waren emotional auch so viele Eindrücke", erzählt sie.

Vier Stunden von der Hauptstadt entfernt, besuchte Kemme die "Right to Dream"-Academy, einen Fußballstützpunkt, der vergleichbar mit der Sportschule ist, die Kemme früher selbst in Potsdam besuchte. Neben dem Fußballtraining gibt es Schulunterricht. Ein großer Fokus liegt auf der Vermittlung von Werten. An der Akademie gibt es auch eines der seltenen Mädchenteams: "An der Schule sind 16 Mädchen und die haben am meisten damit zu tun, die Eltern zu managen." Weil die Eltern keine Zukunft im Fußball für ihre Töchter sähen, müssten sie erst von der schulischen Ausbildung überzeugt werden, berichtet Kemme.

Die zwei "German Girls"

Bei "Play Soccer Ghana”" einer Art Jugendclub in Cape Coast, wurde die ehemalige Spielerin damit konfrontiert, was mit ihrem Geld passiert. Nach einer Hausaufgabenhilfe habe sie der Manager zur Seite genommen und gesagt: "Die Kinder, die du hier gerade gesehen hast, denen ermöglichst du das hier durch deine Spende zu 90 Prozent." Für Kemme war das "ein schöner Moment, den Austausch zu haben und das im Nachhinein zu erfahren."

Die Kommunikation lief über ein wenig Englisch und viel Gestik. "Die Kinder nehmen dich einfach mit und drücken dir dann die Schere in die Hand und zeigen dir, wie ich was zu schneiden habe", erzählt Kemme. So half sie dabei ein Netz für ein Fußballtor aus Mülltüten zu knüpfen. In den verschiedenen Orten seien sie schnell als die zwei "German Girls" oder "Arsenal Ladies" bekannt gewesen, weil zwei weiße Frauen, die Fußball spielen, so auffällig waren.

Engagement geht weiter

Neben der Gastfreundschaft erlebte Tabea Kemme aber auch Hilflosigkeit. Eine Schulleiterin zeigte ihr die kaputten Dächer und fehlenden Möbel in ihrer Schule. Kemme schaute es sich an, "aber in dem Moment konnten wir es nicht ändern. Diese pure Hilflosigkeit und dem nichts entgegensetzen zu können, war schwer". Das sei der Moment gewesen, in dem sie sich sehr eingenommen gefühlt habe.

Auch in Zukunft wird Tabea Kemme aus Überzeugung weiter ein Prozent ihres Gehalts als Polizistin spenden. Für sie war es wichtig, mit der Reise die Probleme auch sichtbar zu machen und nicht nur Geld zu geben.

Sendung: rbb UM6, 16.03.2021, 18 Uhr

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