Vor Olympia-Qualifikationsturnier der Handballer - Zwischen Horror und Hoffnung

Mi 10.03.21 | 20:29 Uhr
DHB-Vizepräsident Bob Hanning (imago images/Anke Waelischmiller)
Video: rbb24 | 11.03.2021 | Dennis Wiese | Bild: imago images/Anke Waelischmiller

Als Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning vor acht Jahren auch beim Deutschen Handball-Bund Verantwortung übernahm, war die Spiele von Tokio sein großes Ziel. Jetzt ist die Teilnahme in Gefahr. Und der Handballsport gleich mit. Von Ilja Behnisch

Vielleicht ist die Sache mit den auffälligen Outfits von Bob Hanning auch rein therapeutisch. Als müsste der Geschäftsführer der Füchse, der zugleich Vizepräsident des Deutschen Handballbundes ist, alle Egoismen in dieses eine Stück Stoff packen, um ansonsten vollständig hinter seinem eigentlichen Anliegen zu verschwinden: dem Wohlergehen des Handballs.

Und so nutzte der 53-Jährige eine am Mittwoch stattfindende Medienrunde im Vorfeld des Olympia-Qualifikationsturniers nicht etwa dazu, um über die eigentlichen Befindlichkeiten zu reden - obwohl es ja sein letzter Auftritt im Amt sein könnte: Schließlich legt Hanning sein Verbandsmandat im Herbst nieder. Doch anstatt über sich zu reden, nahm er einmal mehr das große Ganze in den Blick.

Hanning ist "guten Mutes"

"Dass das für uns ein elementar wichtiges Turnier ist und wir die Präsenz bei Olympia wollen, haben wir oft genug betont", sagte Hanning, und weiter: "Über sieben Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren können derzeit keinen Sport treiben. Die Wettbewerbe liegen seit einem Jahr brach. Die Ballsportarten brauchen die Präsenz bei den Sommerspielen, damit wir hinter dem Fußball keine Monokultur haben. Wir haben Mannschaften mit zehn, elf Kindern. Wenn da zwei, drei Kinder wegbleiben, wird es ein Mannschaftssterben geben, wie wir es im Handball noch nie erlebt haben.“

Es geht also um mehr als den sportlichen Erfolg, wenn das Team von Bundestrainer Alfred Gislason von Freitag bis Sonntag in Berlin gegen den WM-Zweiten Schweden, den EM-Vierten Slowenien und Algerien um die Olympia-Teilnahme kämpft. Für Olympia qualifizieren sich dabei lediglich der Erst- und Zweitplatzierte. Für Hanning keine leicht, aber dennoch eine machbare Aufgabe: "Wir können trotz der Verletzung von Paul Drux eine sehr gute Mannschaft auf die Beine stellen, die den sportlichen Erwartungen gerecht werden kann. Ich möchte mir keine Gedanken darüber machen, dass wir scheitern, sondern bin guten Mutes, dass wir es schaffen.“

Zwischen Kritik und Optimismus

Der "gute Mut" ist so etwas wie der stetige Begleiter in der Verbandsarbeit Hannings. Schließlich hat der gebürtige Essener schon bei seinem Amtsantritt 2013 als Ziel ausgegeben, bei den Olympischen Spielen von Tokio Gold zu holen. Und trotz des letztlich enttäuschenden Abschneidens bei der Weltmeisterschaft im Januar, bleibt Hanning optimistisch: "Ich wüsste nicht, warum man von dem Ziel abweichen sollte." Auch, weil er neben seinen schrillen Pullovern immer auch vom Gegenwind begleitet wird: "Kritik gab es schon (…) an fast jeder Aussage. Daran habe ich mich gewöhnt - und werde das auch noch bis November durchhalten."

Statt einzuknicken verbreitet Bob Hanning lieber Optimismus. Er gehe "fest davon aus, dass die Olympischen Spiele stattfinden. Das ist sportpolitisch so gewollt. Ich bin sogar zuversichtlich, dass wir die Olympischen Spiele auch vor Zuschauern sehen werden." Dass die Spiele mit einer guten Vorbereitung durchführbar seien, das habe auch die Weltmeisterschaft in Ägypten gezeigt.

Dass das Turnier Anfang Januar weltweit auch für Kritik gesorgt hatte, dass Deutschlands Gegner Kap Verde aufgrund mehrerer Corona-Fälle nicht antreten konnte oder Norwegens Weltklassespieler Sander Sagosen von einem "großen Witz" sprach, der ihn an den "Wilden Westen" erinnere - das erwähnte Hanning nicht. Man darf davon ausgehen, dass das einen speziellen Grund hat: das Wohlergehen des Handballs.

Sendung: rbb24, 10.03.2021, 22 Uhr

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