Unions Grischa Prömel gestikuliert (Quelle: imago images/Matthias Koch)
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Interview | Union-Spieler Grischa Prömel - "Man wird nicht Ewigkeiten mit dem gleichen Team spielen"

Seit fast vier Jahren trägt Grischa Prömel das Trikot von Union Berlin und erlebte mit den Eisernen 2019 den Bundesliga-Aufstieg. Im Interview spricht der Mittelfeldspieler über den Weggang alter Weggefährten und blickt auf das anstehende Spiel gegen Bielefeld.

rbb|24: Herr Prömel, Sie haben am Mittwoch individuell und nicht mit dem Team trainiert. Ist körperlich alles in Ordnung?

Grischa Prömel: Ja, das war nur eine Belastungssteuerung. Ich habe ein bisschen angepasster trainiert.

Also besteht keine Gefahr für Ihren Einsatz im Spiel gegen Bielefeld?

Nein, ich denke nicht.

Dann blicken wir mal auf diese Partie. Bielefeld hat gerade seinen Trainer Uwe Neuhaus entlassen. Was hat das für eine Auswirkung auf so ein Spiel?

Es wird, glaube ich, eine etwas andere Spielvorbereitung, weil der Trainer höchstwahrscheinlich mit einem neuen System und einer eigenen Spielidee kommt. Wir sind gut beraten, wenn wir uns auf uns fokussieren, das machen wir vor jedem anderen Spiel genauso. Wir entwickeln einen Matchplan, was für uns am besten passt. Da schauen wir gar nicht zu sehr auf das gegnerische Team.

Nichtsdestotrotz stecken die Bielefelder tief im Abstiegskampf. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Wenn ein neuer Trainer kommt, ist es immer so, dass alle wieder im Boot sind. Auch die, die beim alten Trainer vielleicht ein bisschen hintenanstanden, spüren jetzt neue Energie und können sich beweisen. Deswegen werden die heiß sein. Das ist sowieso so, denn wenn du da unten drinstehst, geht es ums Überleben. Deswegen wird es höchstwahrscheinlich ein Kampfspiel mit vielen Zweikämpfen und engen Duellen. Aber ich glaube, dass wir schon eine Mannschaft sind, die damit ganz gut umgehen kann.

Wenn man die Ausgangssituationen vergleicht: Bielefeld steckt tief im Abstiegskampf, bei Union sieht es relativ entspannt aus. Inwieweit kann man vielleicht auch befreiter aufspielen, weil man schon 34 Punkte auf dem Konto hat?

Natürlich gibt uns das ein gutes Gefühl und wir können einfach selbstbewusst auftreten, weil wir uns viel erarbeitet haben. Den Tabellenplatz, auf dem wir gerade stehen, den haben wir uns erarbeitet. Das war eine Menge Arbeit und wir können da selbstbewusst auftreten, weil wir auch wissen, dass es auch anders laufen kann. Letzte Saison war es gegen Ende schon noch spannend. Deshalb sind wir froh, dass wir schon so viele Punkte haben und wir hoffen, dass wir da weitermachen können.

Ihr Vertrag läuft noch ein Jahr, aber es wird im Sommer wieder Umbrüche geben. Christopher Lenz zum Beispiel wechselt nach Frankfurt. Von denjenigen, die die Aufstiegsmannschaft gebildet haben, werden es immer weniger. Ist das schade?

Ja, klar, aber das ist das Fußballgeschäft. Ich glaube, wir hätten uns alle gefreut, wenn der Lenz noch länger hiergeblieben wäre. Aber das ist immer eine individuelle Entscheidung. Dadurch, dass wir ein gutes Jahr und viele eine super Saison spielen, ist es klar, dass auch Interesse von anderen Vereinen kommt. Deshalb muss man damit leben. Man wird nicht Ewigkeiten mit dem gleichen Team spielen. Trotzdem ist es auf der einen Seite traurig, dass es immer weniger werden, mit denen man damals den Aufstieg geschafft hat. Aber wie gesagt: Gute Leistungen wecken Begehrlichkeiten.

Sie haben die Gerüchteküche angesprochen. Wenn man hört und liest, wer eventuell wohin wechseln soll: Beeinflusst das die Atmosphäre in der Kabine?

Nicht, dass ich wüsste. In der Kabine ist es kein großes Thema. Wir sind immer noch am 24. Spieltag und haben noch einiges vor. Wir wollen eine bis jetzt gute Saison vernünftig beenden. Was dann im weiteren Verlauf passiert, ist Zukunftsmusik. Ich denke, es wird jeden Spieler freuen, der mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht wird. Das ist natürlich ein Push für jeden, nochmal mehr Gas zu geben, weil man sieht, dass sich die Arbeit auszahlt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Uri Zahavi für den rbb Sport.

Sendung: rbb24, 03.03.2021, 22 Uhr

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