Eine Tierärztin bei einem Virus-Test (imago images/Dirk Caremans)
Video: rbb UM6 | 05.03.2021 | Uri Zahavi | Bild: imago images/Dirk Caremans

Virus-Ausbruch - Pferde-Herpes führt zu harten Maßnahmen im Reitsport

Die sogenannte EHV-1-Variante eines Herpes-Virus bedroht den weltweiten Reitsport. Ausgebrochen war sie im Februar bei einer Veranstaltung in Valencia. Auch in Berlin sind die Pferdebesitzer vorsichtig. Vorerst heißt es: Alles auf Stop. Von Ilja Behnisch

Als würde das Corona-Virus nicht schon genug Probleme mit sich bringen, wird der Reitsport mit einem Ausbruch der neu aufgetauchten Herpes-Virusvariante EHV-1 vor zusätzliche Herausforderungen gestellt.

Der Ausbruch sei "wahrscheinlich der schlimmste in Europa seit vielen Jahrzehnten", sagte Sabrina Ibanez, Generalsekretärin des Weltverbandes FEI gegenüber dem Sportinformationsdienst. Sieben Pferde sind bisher - Stand 4. März - weltweit an den Folgen der Infektion verstorben. Alle verstorbenen Tiere hatten mit über 700 weiteren Pferden im Februar an einer internationalen Turnierserie in Valencia teilgenommen. Dort war das Virus ausgebrochen. Wie die FEI am Mittwoch mitteilte, würden insgesamt noch 83 Vierbeiner Symptome zeigen, etliche Pferde befinden sich in der Tierklinik.

Maßnahmen vorerst bis zum 28. März

"Jedes Pferd, das daran verstirbt, ist eines zu viel", sagte Geschäftsführer Soenke Lauterbach von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) dem Sportinformationsdienst und ergänzte: "Es gibt noch keine pandemische Lage. Damit es aber nicht so weit kommt, haben wir harte Maßnahmen ergriffen."

Peter Fröhlich, Geschäftsführer des Landesverband Pferdesport Berlin-Brandenburg, sagt über das Gefährdungspotential der neue Virus-Variante gegenüber dem rbb: "Das wissen wir alle noch nicht so richtig. Auf jeden Fall ist bekannt, dass es eine sehr aggressive Variante ist, die da in Valencia entstanden ist." Vorbereitet sei man auf so etwas "im Grunde nie", so Fröhlich. Umso entscheidender sei die schnelle, bundeseinheitliche Verabredung gewesen, die nun getroffen worden sei. Neben der Absage sämtlicher Lehrgänge und Profi-Veranstaltungen, die trotz Corona noch möglich gewesen waren, sei demnach bis vorerst zum 28. März die oberste Prämisse: "Den Kontakt von Pferden aus unterschiedlichen Beständen, den müssen wir reduzieren, minimieren, möglichst verhindern im Moment."

Impfungen sind nur bedingt nützlich

Impfungen seien zwar möglich. Doch zum einen würden diese das Ansteckungspotential bereits infizierter Pferde zwar minimieren, nicht jedoch verhindern. Zudem gebe es über die Erkrankungen keine Melde- und Anzeigepflicht gegenüber den Veterinär-Ämtern. Umso wichtiger, so Fröhlich, dass die Verbände in ganz Deutschland so zügig und einheitlich gehandelt hätten.

Vorerst, so Fröhlich, heiße es abwarten. So seien Pferde, die in Valencia gewesen sind, in Deutschland angekommen. Diese befänden sich zwar in Quarantäne, dennoch wäre nun zu beobachten, ob es zu Ansteckungen gekommen ist und wie sich die Krankheitsverläufe der betroffenen Pferde darstellen. "Gerade mit dieser Variante ist es möglich, dass es neuronale Folgen haben kann", sagt Peter Fröhlich. In letzter Instanz bedeute das womöglich, dass so ein Pferd auch nicht mehr den Weg zurück in den Sport finde.

Immerhin eine gute Nachricht

Für Heike Fischer, Inhaberin des Ravensberghofs in Nuthetal, Ortsteil Bergholz-Rehbrücke, wiegt die Erkrankung und der mögliche Tod eines Pferdes doppelt schwer. So seien die Tiere auf der einen Seite eben nicht nur "Sportpartner, sondern auch Freunde" der Reiter und Reiterinnen. Zudem seien Turnier-Pferde, etwa vom Format der Stuten Quadira und Casta Lee, die in Valencia zugegen waren und in der Folge verstarben, nur "schwer" zu ersetzten. Das, so Fischer, "findet man in der Qualität auch nicht so leicht wieder."

Um zumindest die 60 Pferde auf ihrem Hof bestmöglich zu beschützen, habe sie sofort nach Erhalt der entsprechenden Informationen durch die Deutsche Reiterliche Vereinigung, "gleich mal hygienische Maßnahmen ergriffen" und via App sämtliche Besitzer in Kenntnis gesetzt. Immerhin gibt es auch eine gute Nachricht in Hinblick auf die EHV-1-Variante. Auf Menschen überträgt das Virus keine Krankheiten.

Sendung: rbb24, 05.03.2021, 22 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Großveranstaltung trotz Pandemie und die armen Pferde sind krank. Da hat es wohl die falschen erwischt.

  2. 1.

    "Auf Menschen überträgt das Virus keine Krankheiten."
    Na da haben die Pferde aber echt Schwein gehabt.
    Oder anders - den Aufschrei muss man sich vorstellen, wenn hier analog zu einer anderen Nutztierrasse verfahren worden wäre.

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