Surferin Valeska Schneider (imago images/Reuhl)
Video: rbbUM6 | 05.03.2021 | Uri Zahavi | Bild: imago images/Reuhl

Surferin Valeska Schneider während Corona - Die gute Welle

Sie zählt zu den Top-Surferinnen in Deutschland und trainiert eigentlich im Wellenwerk in Berlin Lichtenberg. Doch die Corona-Schließungen haben Valeska Schneider zum Umdenken gezwungen. Von Ilja Behnisch

Eines gilt für Valeska Schneider ebenso wie für ihre Konkurrenz: gearbeitet wird da, wo andere Urlaub machen. Ansonsten ist bei der Profi-Surferin mit Wohnsitz in Berlin allerdings einiges anders.

Das beginnt schon beim Zusatz "Profi", denn tatsächlich ist das Surfen nicht nur die Leidenschaft der 29-Jährigen, sondern ihr Beruf. Besonders bei den Frauen ist das noch immer eine Besonderheit. Ihre Einnahmen generiert sie durch Preisgelder, Sponsoren und durch Werbung auf ihrem Instagram-Profil [instagram.com/valeskaschneider]. Fast 28 Tausend Menschen folgen ihr dort und bekommen derzeit besondere Einblicke in den Alltag Costa Ricas.

Erst mit 20 auf das Brett

Dorthin hat es Schneider derzeit verschlagen, nachdem sie im November 2020 eigentlich nur für einen Monat intensiven Trainings in die Dominikanische Republik reisen wollte. Doch der zeitgleich einsetzende Lockdown in Deutschland machte alle Rückreiseplänen einen Strich durch die Rechnung. Das Wellenwerk in Berlin Lichtenberg, in dem Valeska Schneider seit ihrem Umzug aus München im vergangenen Sommer trainiert? Geschlossen. Fitness-Studios? Geschlossen. Valeska Schneider? Der Grundlagen ihres Berufs beraubt. Statt Heimkehr also Costa Rica. Hier sind die Bedingungen perfekt, die täglichen fünf Stunden im Wasser bei Temperaturen über 30 Grad und guten Windverhältnissen problemlos möglich. Und Training? Ist essentiell für Schneider.

Zwar war sie immer sportlich, wie sie im Gespräch mit dem rbb sagt, "Skifahren, Voltigieren, Sport Leistungskurs", doch Brettsport war nie Teil davon. Dabei war ihr Vater früher Windsurfer, sein "Surfbrett stand bei uns der Wohnung. Als kleines Kind habe ich es immer bewundert", so Schneider einmal gegenüber dem Tagesspiegel. Doch erst mit 20 und im Rahmen einer Weltreise stand sie erstmals auf dem Brett, das fortan ihre Welt bedeuten sollte. Direkt beim ersten Versuch erwischt sie eine Welle, erlebt "dieses Flow-Gefühl, dieses Adrenalin. Das ist fast schon ein unbeschreibliches Gefühl. Eines, das süchtig macht. Man will sofort wieder raus und die nächste Welle erwischen", so Schneider gegenüber dem rbb.

In Deutschland zählt sie zu den Besten

Seither hört sie immer wieder, wie gut sie wohl sein müsste, wenn sie doch nur schon früher mit dem Sport begonnen habe. Schneider ist sich da nicht so sicher. Vielleicht, so schreibt sie auf ihrer eigenen Homepage [valeskaschneider.com], "war genau das die nötige Motivation", um ihre Ziele zu erreichen. Denn, so Schneider im Tagesspiegel: "Aus dem Spaß heraus entwickelte ich Ehrgeiz."

Inzwischen ist sie zweifache Deutsche Meisterin im Longboard-Wettbewerb, Deutsche Vize-Meisterin im Rapid Surfen, dem Surfen auf stehenden oder künstlich laufenden Wellen. Keine schlechte Bilanz für gerade einmal neun Jahre Berufserfahrung und dem Umstand, dass es in ihrer bayrischen Heimat rund um Starnberg vermutlich so viele Wellen zu surfen gibt, wie nicht von der CSU geführte Regierungen.

Wo Berlin ein "Traum" ist

Statt Bayern oder Berlin heißt es derzeit also Bungalow in Costa Rica. Auf einem Hügel gelegen, zehn Minuten vom Meer. Dem Arbeitsplatz von Valeska Schneider. Sie sagt: "Beim Surfen ist es ganz speziell. Man muss so viel Zeit im Meer verbringen, um diese Wellenkenntnis zu erlangen. Welche Welle ist gut, welche schlecht. Das kann man an Land nicht trainieren. Das ist gar nicht ersetzbar." Das Strandleben sei gar nicht so ihr Ding, sagte sei einmal, "ich muss nicht ewig in der Sonne liegen. Ich habe mit dem Surfen ja auch des Surfens wegen angefangen." Und so bleiben sie in Costa Rica auch zumeist unter sich, sie und ihr Freund, der sie begleitet. Partys und größere Versammlungen seien auch in Costa Rica verboten derzeit, die Geschäfte und Restaurants hingegen haben geöffnet. Schneider sagt: "Wir haben super wenig Kontakt zu anderen Menschen. Wir gehen surfen."

Sie hat sich auf das Rapid Surfen fokussiert, sagt: "Es sind schon noch Wettkämpfe geplant dieses Jahr." Die Deutschen Meisterschaften sind ihr "Hauptfokus". Auch wenn sie sich zurück in der Heimat besonders auf Familie und Freunde freue. Und auf veganes Essen. Im Ausland "ist das schwierig", sagt Schneider, "da ist Berlin ein Traum."

Wann sie zurückkehrt, hängt von den Lockerungen ab, davon, wann ein Training im Wellenwerk in Berlin Lichtenberg wieder möglich ist. Ehe es für die Profi-Surferin Valeska Schneider mitten in der deutschen Hauptstadt heißt: gearbeitet wird da, wo andere Urlaub machen.

Sendung: rbb24, 04.03.2021, 22 Uhr

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