Tabea Kemme (Quelle: imago images/foto2press)
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Erste Präsidentin eines Frauen-Fußballvereins? - Tabea Kemme will Präsidentin von Turbine Potsdam werden

Tabea Kemme kandidiert für das Präsidentenamt beim 1. FFC Turbine Potsdam. Sie wäre damit die erste Präsidentin eines Frauen-Fußballvereins - und das mit gerade einmal 29 Jahren. Am 30. Mai soll auf der Mitgliederversammlung über das Amt abgestimmt werden.

14 Jahre lang trug Tabea Kemme das Trikot des 1. FFC Turbine Potsdam. Und das ziemlich erfolgreich: vier Mal Deutscher Meister, zwei Mal DFB-Pokal-Finale und 2010 der Sieg in der Champions-League. In Potsdam wurde sie außerdem Nationalspielerin und gewann mit der Deutschen Frauen-Nationalmannschaft 2016 Olympiagold in Rio.

Nun will Kemme ihre erfolgreiche Karriere neben dem Platz weiterführen. Die 29-Jährige tritt als Kandidatin für das Präsidentenamt bei Turbine an. Am 30. Mai soll auf der Mitgliederversammlung gewählt werden. Dann wird sich zeigen, ob sie einen Generationswechsel vollziehen kann und den aktuellen Präsidenten, Rolf Kutzmutz, ablösen wird.

"Ich bin nicht der Typ Trainerin"

Im Januar 2020 beendete Tabea Kemme ihre Karriere. Zuletzt war sie bei Arsenal London unter Vertrag, hatte aber immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Nach dem verfrühten Karrierenede steht für sie ziemlich schnell fest, dass sie dem Fußball etwas zurückgeben möchte: "Den Fußball, den ich hier 14 Jahre gelebt habe: Das ist in mir, das ist mein Blut. Das springt in meinem Herzen". Allerdings ist Kemme "nicht der Typ Trainerin", sagt sie über sich selbst.

Nach Ende ihrer Profikarriere ging sie in sich: "Wo sehe ich mich? Warum? Wie und Was? Diese Fragen habe ich mir gestellt". Anschließend entschied sie sich für die Kandidatur.

Struktur und Professionalisierung

Struktur und die weitere Professionalsierung des Vereins stehen ganz oben auf ihrer Agenda. Sie will Turbine wieder zur alte Leistungsfähigkeit zurückbringen. "2012 war der letzte Erfolg [Anm.d.Red.: Deutsche Meisterschaft]. Es sind mittlerweile einige Jahre vergangen. Ich bin der Meinung, es ist zu spät", so Kemme. "Die Bedingungen sind nicht mehr so, wie sie mal waren", führt sie weiter aus: "weil wir stagniert sind". Deshalb würden auch immer öfter Spielerinnen den Verein verlassen. Dabei ist nicht immer Geld das ausschlaggebende Argument: "Ich selber hatte auch einen Beweggrund ins Ausland zu gehen. Das war nicht wegen des Geldes", so Tabea Kemme weiter. Aber nicht nur im Ausland wächst die Konkurrenz, auch andere Bundesligavereine wie Leipzig durchlaufen laut Kemme eine ganz andere Professionalisierung.

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft sind aus ihrer Sicht vorhanden: "Wirtschaft, Mitglieder, alles da. Das Paket, was Turbine mit sich bringt, das sind die Grundbedingungen. Die stehen da, sie müssen professionalisiert werden."

Ob ich mit 29 Jahren schon genug Erfahrung habe?

Einer der ersten Wege nach ihrer Entscheidung führt sie zur Bernd Schröder, den sie liebevoll als "meinen Ziehpapa" bezeichnet. Er hat sie einstmals zu Turbine gelotst und sie als Trainer begleitet. Bernd Schröder äußert Zweifel. Er fragt, ob sie mit 29 Jahren schon genug Erfahrung habe, diesen Posten anzutreten.

Kemme ist sich sicher: "Ich würde es nicht immer an dieser Oberflächlichkeit festmachen wollen, dass das Alter ein Grund ist, gewisse Dinge nicht zu tun", sagt sie. "Es ist einfach mal Zeit. Unabhängig davon, wie alt ich bin, was für einen Erfahrungsschatz ich habe", so Kemme.

Um weiter an ihrem Führungsstil zu arbeiten, hat Kemme ein Studium begonnen: Football Analytics & Leadership. "Ich will stärkenorientiert arbeiten. Das ist meine Natur", beschreibt sie sich selbst. Außerdem hat sie bereits jetzt Unterstützung: "Ich kandidiere als Präsidentin, ich habe aber ein verdammt starkes Team hinter meinem Rücken. Ich bin eine geborene Teamsportlerin."

"Die Frage ist nur: sind die anderen bereit?"Ich bin eine geborene Teamsportlerin.

Football Analytics & Leadership Ich will stärkenorientiert arbeiten. Das ist meine Natur

"Die Frage ist nur: sind die anderen bereit?"Ich bin eine geborene Teamsportlerin.

Football Analytics & Leadership Ich will stärkenorientiert arbeiten. Das ist meine Natur

"Die Frage ist nur: sind die anderen bereit?"Ich bin eine geborene Teamsportlerin.

Football Analytics & Leadership Ich will stärkenorientiert arbeiten. Das ist meine Natur

"Die Frage ist nur: sind die anderen bereit?"Ich bin eine geborene Teamsportlerin.

Football Analytics & Leadership Ich will stärkenorientiert arbeiten. Das ist meine Natur

"Die Frage ist nur: sind die anderen bereit?"Ich bin eine geborene Teamsportlerin.

Ganz klare Zeilstellung

Tabea Kemme geht es "um die Sache". Sie will die maximale Leistungsausschöpfung der Athletinnen fördern und ganz klare Ziele definieren, sowohl sportlich als auch strukturell: "Ja, wir wollen in die Champions League. Was brauchen wir dazu? Was müssen wir tun, damit wir wieder Nachwuchs kriegen?". Dabei will sie auf ihre Erfahrungen als Spielerin zurückgreifen und das Umfeld sensibilisieren: "Hey springt mit aufs Boot. Wir wollen was bewirken".

Ob ihr Plan aufgeht, wird sich am 30. Mai zeigen.

Sendung: rbbUM6, 21.03.2021, 18 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Kemme ist das(!!!!) Gesicht von Turbine Potsdam. Neben ihrer Frische und ihrer Offenheit würde sie mit ihrer excellenten Fußballvergangenheit auch international auf die Landeshauptstadt hinweisen. Hoffentlich bekommt sie Ende Mai auch die notwendige Unterstützung.

  2. 1.

    ...das finde ich großartig und wünsche ihr viel Erfolg. Mit der Einstellung und der Turbine-Vergangenheit kann sie es schaffen und hat somit auch die viel beschworene DNA des Vereins. Toi, toi, toi!

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