Alba-Center Christ Koumadje setzt zum Wurf an (Quelle: Imago Images / CONTRAST)
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Alba-Center Christ Koumadje - Mehr als ein Zwischenstopp

Basketballer Christ Koumadje fällt vor allem wegen seiner Größe auf: 2,21 Meter. Der Center von Alba Berlin hat nicht nur einen Wachstumsschub mit 15 Jahren, sondern auch einen ungewöhnlichen Werdegang als Basketballer hinter sich. Von Lynn Kraemer

Als Alba Berlin die Neuverpflichtung von Center Christ Koumadje verkündete, wurde erstmal der Zollstock rausgeholt. Für den Basketballer aus Tschad ist das kein besonders überraschendes Begrüßungsritual. Mit 2,21 Metern fällt er auf, wo auch immer er aufschlägt. Alba Berlin ist sein bereits dritter Verein in dieser Saison. Doch es soll ein langfristiges Projekt werden. Koumadjes Vertrag geht bis 2023.

Eine kleine Weltreise

Am Handgelenk trägt Koumadje ein weißes Silikonarmband mit einer klaren Botschaft: "Never give up". Niemals aufgeben und den eigenen Weg gehen. Für die laufende Saison hat er ein klares Ziel: "Wir werden ganz sicher versuchen die Meisterschaft zu gewinnen." Das sagt er ohne zu zögern.

Im Alter von 16 Jahren verließ Koumadje sein Heimatland Tschad wegen politischen Unruhen und zog nach Senegal. Dort wurde er von Ibrahima N’Diaye, dem Gründer der Flyingstar Academy in Dakar, entdeckt. An der Schule sollen Basketball-Nachwuchstalente gefördert werden und sich gleichzeitig auf den Schulunterricht konzentrieren.

Kurz zuvor hatte Kumadje, der in seiner Kindheit viele Sportarten wie Fußball und Leichtathletik ausprobierte, einen Wachstumsschub. Er hatte den Fußball deswegen schon gelegentlich gegen Basketball ausgetauscht, war aber bei weitem kein routinierter Spieler. Doch weil er groß und beweglich war, bekam er eine Chance von Ibrahima N’Diaye. Ein halbes Jahr später erhielt er ein Stipendium für die renommierte Montverde Academy in Florida und zog in die USA.

Dort hatte er plötzlich Mitspieler wie Ben Simmons (Philadelphia 76ers) und D’Angelo Russell (Minnesota Timberwolves). Trotz seiner Unerfahrenheit schaffte er es sich durchzusetzen und ging an die Florida State University. In seinem letzten Collegejahr kam er im Schnitt auf 6,6 Punkte, 5,6 Rebounds, 1,4 Blocks und spielte 15,5 Minuten pro Spiel. Im NBA Draft 2019 wurde er übergangen und spielte in der anschließenden Saison in der NBA G-League für die Delaware Blue Coats (Farmteam der Philadelphia 76ers). Am Ende der Saison wurde er zum besten Verteidiger der Liga erklärt.

Der Defensivmann

Koumadje wurde nicht nach Berlin geholt, um zu punkten. Dafür gibt es andere Spieler. Er soll die Bälle rechtzeitig aus dem Korb fischen. "Ich bin dafür bekannt die Intensität in die Defensive zu bringen", sagt Christ Koumadje. In seinem ersten EuroLeague-Spiel mit Alba zeigte er aber, dass er auch das Punkten beherrscht. Als Barcelonas Nikola Mirotic direkt unterm Korb zum Wurf ansetzte, sprang Koumadje blitzschnell dazwischen und ließ den Ball am Brett abprallen. Dann lief er so gut wie ungehindert in die andere Hälfte zurück, bekam den Ball von Jayson Granger und vollendete den Spielzug per Alley-Oop.

Bei seinen zwei vorherigen Clubs, dem spanischen Erstligisten Estudiantes Madrid und dem russischen Club Awtodor Saratow, bekam der 24-Jährige nur wenig Spielzeit. Viel Raum für die Weiterentwicklung als Spieler gab es nicht. Das soll sich in Berlin ändern. Obwohl er auch in der Hauptstadt erstmal ein paar Wochen auf seinen ersten Einsatz warten musste und nur mittrainieren konnte. "Es ist der einzige Weg, dass er ein Gefühl für das Zusammenspiel mit dem Team entwickelt", sagte Sportdirektor Himar Ojeda nach dem Bundesliga-Debüt des Centers gegen Frankfurt. Er mahnte zu Geduld, weil Koumadje noch die Spielpraxis fehle.

Die kleinen Details

Der dichte Spielplan der Albatrosse macht es für Christ Koumadje komplizierter in den Rhythmus der Mannschaft zu kommen. Mit den Trainern arbeitet er bisher besonders an kleinen Details, um sich zu verbessern. Beispielsweise sicherer mit links abzuschließen. Unter Trainer Aíto García Reneses soll der 24-Jährige die Chance bekommen sich weiterzuentwickeln. Ohne die zusätzlichen Spiele in der EuroLeague (letzter Spieltag am Donnerstag, 08.04.21), wird sich der Terminplan von Alba Berlin etwas entspannen. Dann kann das Langzeitprojekt Alba Berlin und Christ Koumadje richtig beginnen.

Sendung: rbb24, 04.04.2021, 21:45 Uhr

Beitrag von Lynn Kraemer

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