Albas Luka Sikma (l.) und Johannes Thiemann jubeln (imago images/Tilo Wiedensohler)
Audio: inforadio | 09.04.2021 | Guido Ringel | Bild: imago images/Tilo Wiedensohler

So lief Albas Euroleague-Saison - Weit weg und doch nah dran

Während Bayern München die Playoffs der Euroleague erreicht hat, ist für Alba Berlin nach der Hauptrunde Schluss. Für Albas Geschäftsführer Marco Baldi war die Spielzeit dennoch ein Erfolg. Auch wenn er dafür eine Lüge aufdecken muss. Von Ilja Behnisch

Für Trendforscher wäre die Sache klar, denn die Datenlage ist eindeutig. Nach einem 16. Tabellenplatz in der (allerdings abgebrochenen) Euroleague-Saison 2019/20 folgte für Alba Berlin in dieser Spielzeit Rang 15. Hält sich die Mannschaft an dieses Entwicklungstempo, erreicht sie in sieben Jahren Platz acht und damit die Playoff-Phase.

Für Alba-Geschäftsführer Marco Baldi (58) hingegen sind die Playoffs "nicht weit" entfernt, wie er im (Telefon-)Gespräch mit rbb|24 sagt. Nun ist "nicht weit" zumindest weithin interpretierbar, an sieben Jahre wird Baldi dabei aber sicher nicht gedacht haben. Zumal er eine "unter dem Strich sehr gute" Bilanz zieht für die gerade abgeschlossene, europäische Saison.

Alba fehlt die Erfahrung

Kein Wunder, die Mannschaft ist von den Managern der 17 anderen Euroleague-Klubs zu jener mit der attraktivsten Spielweise gewählt worden. Für Baldi war besonders der Sieg in Moskau (93:88) "spieltechnisch ein Highlight". Zudem habe die Mannschaft "ergebnismäßig einen ordentlichen Schritt" gemacht. In der Tat standen den zwölf Siegen zwar 22 Niederlagen gegenüber, doch viele Partien endeten denkbar knapp. Warum das Pendel in der entscheidenden Phase häufiger für die Gegner, denn für Alba ausschlug? Für Baldi spielen dabei zwei Dinge eine Rolle.

Zum einen fehle Alba schlichtweg noch die Erfahrung. Oftmals habe das Team dem Spiel über 38 Minuten den Stempel aufgedrückt, nur um es in den letzten zwei Minuten doch noch aus der Hand zu geben. "Topteams", so Baldi, "die haben ein Gespür dafür, die greifen dann zu. Das ist eine Erfahrungssache, da müssen wir zulegen." Alba käme, anders als etwa ZSKA Moskau um den inzwischen suspendierten Superstar Mike James, über die mannschaftliche Geschlossenheit. "Aber die muss man bis zum Ende tragen. Die darf nicht dazu führen, dass man die Verantwortung delegiert. Da müssen wir zulegen."

Probleme durch Reisestrapazen

Zum anderen sei Alba über Gebühr von Verletzungen und Corona-Erkrankungen betroffen gewesen. "Wir hatten die ganze Saison über nicht ein einziges Spiel, wo wir alle hätten einsetzen können. Auch andere hatten Probleme, wir waren nicht die einzigen. Aber so extrem wie bei uns, das kann man nur bis zu einem gewissen Grad, das kann auch der FC Barcelona nicht endlos kompensieren."

Womöglich sind aber auch die Ausfallzeiten nicht nur böses Schicksal. So sagte etwa Johannes Thiemann (27) nach dem letzten Gruppenspiel gegen Roter Stern Belgrad gegenüber dem rbb: "Es war sehr schwierig mit den Reisen, dann hat man so einen freien Tag zehn Stunden am Flughafen verbracht, und das ist für die Recovery Gift." Ein Punkt, den auch Baldi macht. Teams wie Barcelona, die die Gruppenphase als Tabellenführer abgeschlossen haben, würden mit Charter-Flugzeugen zu den Spielen reisen. Dafür haben sie dann zwar auch "öffentlich einen Verlust von 29 Millionen Euro angegeben", dennoch müsse man ganz klar sagen: "Diese Teams sind im Vorteil." Alba hingegen: "Wenn man Belgrad nach Athen fliegt - über Frankfurt. Da müssen wir in Zukunft, sollte es wieder zu solch geballten Spielplänen kommen, Mittel freischaufeln."

Großer Zusammenhalt im Team

Und dennoch überwiegt bei weitem der positive Blick auf diese Europapokal-Saison bei Alba und Marco Baldi. Für den das größte Highlight gewesen sei, "wie das Team zusammengehalten hat". Trotz der vielen Spiele, der Einschränkungen, der Reisestrapazen. "Da muss man die Jungs, die Monate quasi die einzigen sind, die man Tag und Nacht sieht, schon sehr lieb haben. Und das war auch so und das ist eigentlich für mich das Faszinierende", so Baldi.

Zumindest für Trendforscher ebenso faszinierend könnte die Frage sein, warum der große deutsche Rivale, der FC Bayern München, in der Euroleague im Gegensatz zu Alba zwar die Playoffs erreicht hat, in der Liga aber aktuell aber hinter den Berlinern postiert ist. Für Baldi liegt die Antwort in den deutlich wenigeren Verletzungen und der größeren internationalen Erfahrung der Bayern. Und womöglich hätten die Münchner im Gegensatz zu Alba mehr Energie in die internationale denn in die nationale Liga gesteckt, "im Denken, dass kann man immer noch korrigieren".

Vor allem aber muss Marco Baldi lachen bei dieser Frage, da ihm als allererstes und in Anlehnung an eine alte Sportweisheit einfällt: "Die Tabelle lügt." Zum Trendforscher wird er damit nicht mehr. Er wird damit leben können.

Sendung: rbb24, 09.04.2021, 22 Uhr

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