Fußballer geht über Rasen (Quelle: Imago Images / foto2press / Yvonne Gottschlich)
Bild: Imago Images / foto2press / Yvonne Gottschlich

Aufstieg in die Regionalliga - Tasmania Berlin will authentisch bleiben

Eine erfolgreiche Viertelsaison hat Tasmania Berlin gereicht, um in die Regionalliga aufzusteigen. Trotz Trainingsausfall und Spielverbot war der Neuköllner Verein nicht untätig und hat sein Image als "Verein der Fans" vorangetrieben. Von Lynn Kraemer

Almir Numic ist Fußballromantiker. Wenn Tasmania Berlins 1. Vorsitzender von seiner Motivationsrede aus dem vorigen Jahr erzählt, lässt sich kaum unterscheiden, ob er bei einem inszenierten Film über einen Fußballaußenseiter abgeschrieben hat oder er eine der Vorlagen dafür ist: "Ich will, dass ihr Spaß und Freude habt. Ich will, dass ihr dieses Trikot mit Stolz tragt. Und wenn diese ganzen Tugenden stimmen, dann werden wir auch eine erfolgreiche Saison spielen." Doch viel wichtiger: Sein Plan ist aufgegangen. Der SV Tasmania Berlin wird in der Saison 2021/22 in der Regionalliga spielen.

"Wir haben uns halt den Plan gemacht, dass wir hart arbeiten und mal gucken, was dabei rausspringt. Dass der Aufstieg so schnell kommt, hätten wir natürlich nicht gedacht", sagt Numic rückblickend. Von den neun Ligaspielen, die in der Oberliga Nord vor Saisonabbruch gespielt werden konnten, gewann Tasmania sieben. Es sei "eigentlich nicht zu glauben, was wir innerhalb von einem Jahr aus dem Verein gemacht haben."

Der Arbeiterverein

Numic, der seit Mai 2020 Vorsitzender ist, verfolgt eine klare Vereinsphilosophie. Statt über große Investoren will er den Erfolg über eine gestärkte Fanbasis herbeiführen: "Natürlich könnte ich es mir einfacher machen und sagen, ich versuche jetzt einen Investor zu gewinnen. Aber dann habe ich keinen e.V. mehr. Und dann ist auch die Frage, ob ich nicht ein bisschen die Seele des Vereins verkaufe." Deswegen suche er nur Sponsoren, mit denen der Verein die höheren Fixkosten in der Regionalliga stemmen kann. "Geld macht viele Sachen einfach, aber es garantiert niemandem den sportlichen Erfolg. Man muss knallhart in jedem Bereich des Vereins arbeiten", sagt Numic.

Dazu gehört auch, dass der Vorsitzende selbst anpackt. "Wir haben es geschafft mit vielen Fans und sehr viel Mühe fast das gesamte Stadion zu renovieren", erzählt Numic. Noch bevor feststand, dass es in Richtung Regionalliga gehen würde, befreiten sie den Werner-Seelenbinder-Sportpark von Unkraut und erneuerten die Sitzschalen. Als sie das Projekt im ersten Lockdown angingen, waren sie zu dritt. Doch innerhalb kurzer Zeit meldeten sich mehr als 50 Freiwillige. "Da habe ich die Wucht gespürt, was diesen Verein ausmacht. Das fängt bei mir als Präsident an und hört beim Jugendtrainer auf."

Unterstützung vom Bezirk

Nach eigenen Angaben hat Tasmania dem Bezirk durch die selbstständigen Renovierungsarbeiten fast 980.000 Euro eingespart. Der Umbau des Haupttrakts in Höhe von 5,5 Millionen Euro soll vom Bezirk Neukölln übernommen werden. Auch der Bau eines Gästeeingangs und die Abtrennungen zwischen den Blöcken, die für einen Regionalligisten erforderlich sind, wurden bereits genehmigt. "Wir haben das Glück – und das haben nicht viele Vereine in den Berliner Bezirken – dass wir wirklich eine brutale Unterstützung vom Bezirksbürgermeister und der Sporträtin haben", sagt Amir Numic. Deswegen bleibe der Werner-Seelenbinder-Sportpark auch in der Regionalliga voraussichtlich das Zuhause von Tasmania.

Schalke sorgt für Finanzspritze

Während es bei vielen Vereinen wegen des Lockdowns fast gar keine Einnahmen gab, konnte sich Tasmania über die indirekten Finanzhilfen vom FC Schalke 04 freuen. Die Niederlagenserie der Gelsenkirchener führte nicht nur dazu, dass Tasmanias Negativrekord aus der Bundesliga wieder überall besprochen wurde, sondern auch zu einem kleinen Hype um den Fanshop. Erst neulich hätten sie Trikots nach England geschickt, erzählt Almir Numic.

So konnte der Verein die finanziellen Einbußen reduzieren, die beispielsweise durch Rückzüge von Sponsoren und die abgesagten Feriencamps entstanden sind. Auch die Spieler verzichten auf einen Teil ihrer Aufwandsentschädigung. Denn das Training beschränke sich momentan auf Fitness-Einheiten über Zoom und individuelles Lauftraining.

Ziele für die Regionalliga

Für den Mannschaftszusammenhalt sei das ein Desaster, sagt Numic. "Die Jungs sind daran gewöhnt sich mehrmals die Woche zu sehen. Das stärkt auch die Mannschaft." Trotzdem sei er sich sicher, dass fast alle Spieler zurückkehren würden, wenn es mit dem Fußball wieder losgehe. In der Regionalliga freue er sich besonders auf die Duelle gegen Cottbus, Leipzig und Hertha, sagt der Vorsitzende. Sportliche Ziele in Form von Platzierungen habe er nicht: "Ich will ins Stadion kommen und mit den Fans Spaß haben. Auch wenn wir ein Spiel verlieren. Das ist der authentische Fußball."

Sendung: rbb UM6, 20.04.2021, 18 Uhr

Beitrag von Lynn Kraemer

2 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 2.

    Glückwunsch nach Neukölln!
    Na - näxte Saison dann hoffentlich zwei schöne Derbys der ehemaligen Bundesligagiganten mit vielen Fans vor Ort!
    RA-RA-RA... BO-RUS-SI-A!
    Ich freu mich drauf!

  2. 1.

    Soweit ich den Hinweis verstanden habe, sollte es zu diesem Artikel einen Beitrag bei „rbb um sechs“ geben - aber Pustekuchen. Warum kam der Beitrag nicht?

Nächster Artikel