Ex-Herthaner Sami Allagui (Quelle: imago images/Contrast)
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Interview | Ex-Herthaner Sami Allagui - "Es wird ein Abstiegskampf, der Geschichte schreibt"

Mehrere Corona-Fälle und eine Team-Quarantäne bereiten Hertha mitten im Abstiegskampf zusätzliche Schwierigkeiten. Ex-Herthaner Sami Allagui spricht im Interview über mögliche Folgen und sogar Vorteile der Quarantäne sowie seine persönlichen Zukunftspläne.

rbb|24: Herr Allagui, eigentlich hätten wir über das Spiel am Wochenende zwischen Hertha und Mainz gesprochen. Jetzt ist alles anders gekommen. Wie haben Sie das Corona-Geschehen bei Hertha verfolgt?

Sami Allagui: Ich habe das natürlich mitbekommen, auch schon einen Tick früher. Das ist extrem traurig, wir leben nur nunmal in einer Pandemie. Das es jetzt schon so weit kommt, vor allem in der Situation von Hertha und Mainz 05, ist schon eine harte Nummer.

Sie sind selbst Mitglied bei Hertha. Wie viele Sorgen bereitet Ihnen jetzt der Abstiegskampf?

Ich denke, dass es auf jeden Fall ein Abstiegskampf wird, der Geschichte schreibt. Es werden so viele Spiele hintereinander folgen, das es echt heißt: spielen, Akku wieder aufladen und wieder spielen. Und kämpfen. Und es ist für beide Mannschaften noch ein langer und harter Weg. Wichtig ist, dass erstmal alle hier in Berlin wieder gesund werden. Alle sind jetzt in Quarantäne. Ich hoffe vor allem, dass sie eine gute Lösung finden, wie sie die Mannschaft fit halten, und dass sie dann motiviert zum Abstiegskampf zurückkehren.

Hertha stehen im Mai voraussichtlich sechs Spiele in rund drei Wochen bevor. Wenn eine Mannschaft auch international spielt, ist das nicht unbedingt ungewöhnlich, aber für Hertha wird das ein Kaltstart nach zwei Wochen Zwangspause. Wie belastend kann das für einen Spieler sein?

Ich denke, die Jungs wollen am liebsten jeden Tag spielen, um einfach die Abstiegszone zu verlassen. Es wird auf jeden Fall anstrengend. Wir müssen in Betracht ziehen, dass es in Richtung Ende der Saison geht. Da sind die Körner eh nicht mehr so wie zu Beginn, es ist schleppender. Bei Hertha kamen ja auch schon ein paar Muskelprobleme und Verletzte dazu. Vielleicht werden sie das jetzt komplett auskurieren können. Dann müssen sie ihre Kräfte sammeln, um Vollgas geben zu können.

Wenn Hertha aus der Quarantäne kommt, wird die Tabellensituation etwas verschoben sein. Ist das demotivierend für die Spieler?

Ich glaube nicht. Ich kenne noch viele Jungs der Hertha, mit denen ich zusammengespielt habe. Auch Pal kenne ich gut. Wir wissen nie, wie die Ergebnisse jetzt sein werden. Vielleicht wird es auch gut und sie haben mit einem Spiel wieder ein bisschen Luft. Hertha hat jetzt direkte Gegner. Das sind die Spiele, in denen sie punkten müssen und hoffentlich auch werden.

Wir wissen noch nicht, wann und unter welchen Bedingungen das Spiel Hertha gegen Mainz stattfinden wird. Glauben Sie, dass Mainz dann der klare Favorit sein wird?

Nein. Ich erinnere mich an das erste Spiel von Pal, als er angefangen hat. Das war damals in Mainz. Da haben sie mit 2:0 oder 2:1 gewonnen. Ich glaube schon, dass die Mannschaft und vor allem Pal weiß, wie so ein Spiel vorbereitet werden muss. Ich weiß auch zu gut, wie Mainz das vorbereitet. Ich sehe da ehrlich gesagt keinen Favoriten. Es wird ein Abstiegskampf-Spiel, ein Sechs-Punkte-Spiel, das ist eine ganz klare Sache. Mainz hat es zuletzt gut gemacht und auch das Quäntchen Glück gehabt. Ich bin gespannt auf das Spiel und hätte es, ehrlich gesagt, gern diese Woche gesehen

Sie haben im letzten Jahr Ihre Profikarriere beendet. Was macht Ihr Knie – und was machen Sie mit der freien Zeit?

Dem Knie geht es, nachdem ich jetzt ein bisschen Pause hatte, auf jeden Fall besser. Zum Schluss hat es mich echt umgehauen. Ich hatte viele Schwellungen und konnte keine Woche komplett trainieren. Daher habe ich irgendwann die Entscheidung für die Gesundheit getroffen und gesagt, ich lasse mich nicht noch einmal operieren. Ich mache viel mit meinen Kindern, auch wenn es jetzt in der Pandemie natürlich weniger zu machen gibt. Ich starte demnächst auch mit meinem Studium im Sportmanagement und werde sehr wahrscheinlich dem Fußball erhalten bleiben.

Im letzten Monat waren Sie vor allem mit Ihrer Initiative "My Jersey 4 Kids" und dem virtuellen Arche-Cup beschäftigt.

Maik Franz und ich haben das gemeinsam mit Nicola Pattberg als Projektleiterin auf die Beine gestellt. Wir sind Väter und haben selbst Kinder und wollten gerade in diesen Zeiten etwas für Kinder tun. Es war und ist auch immer noch eine Herzensangelegenheit und sehr aufwändig. Wir haben viel Zeit reingesteckt. Wir haben gemeinsam mit unserem Netzwerk viel Schönes für sozial benachteiligte Kinder ermöglicht.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lynn Kraemer, rbb Sport. Es handelt sich um eine leicht gekürzte und redigierte Fassung.

 

Sendung: rbb UM6, 16.04.2021, 18 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    wenn Hertha seine selbstgesteckten Saisonziele nur ein wenig erreicht hätte, dann brauchte man nicht jammern !
    aber wenn man auch diese Saison wieder den Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit zeigt dann kommt man in solche Situationen
    Wir haben 34 Spieltage mit 102 Punkte ......und genug Zeit
    Corona gibt es in ganz Berlin

  2. 4.

    Ich sage es immer und immer wieder. Auf und um den Fußball findet die größte Primitivität statt!

  3. 3.

    Diese armen armen Trainerverschleißer wollen jetzt auch noch allen Ernstes " Geschichte " schreiben. So viel Selbstüberhöhung ist eher närrisch. Es reicht nur für die Chronik.

  4. 2.

    Wenigstens können die Charlottenburger dann sagen, dass sie nur wegen des Virus‘ abgestiegen sind.

  5. 1.

    tut mir ja sooo leid. Die armen Fußballer, müssen eine Zwangspause machen. Ach wie
    schlimm. Der Einzelhandel macht seit 16. Dezember Pause. Dann müssen die jetzt bestimmt
    bald zur "Tafel" gehen. Die armen Profi's. Ohne Fußball gäbe es weniger Infizierte,
    und eine niedrigere Inzidenz. Dann hätten wir vielleicht auch mal wieder eine Chance ein paar
    Euro zu verdienen. Fußball ist halt Lobby aber Brotlose Kunst. Per Gesetz dürften diese
    "Profikünstler" nicht mehr verdienen als ein durchschnittlicher Handwerker. Dann gäbe
    es dieses Gejammer nicht.

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