Berlins Simon Despres laeuft mit gesenktem Kopf ueber das Eis. / IMAGO / Andreas Gora
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Video: rbb UM6 | 06.04.2021 | Jörg Hellwig | Bild: IMAGO / Andreas Gora

14 Spiele in 28 Tagen - Die Eisbären im Dauerstress

Im Schnitt bestreiten die Eisbären auf der Zielgeraden der regulären Saison alle zwei Tage ein Spiel. Das geht nicht nur auf die Physis der Spieler, sondern wirkt sich auch mental aus. Ein breiter Kader, ein guter Physiotherapeut und Kohlenhydrate sichern eine erfolgreiche Saison.

Nicht einmal 24 Stunden lagen zwischen dem Abpfiff der Partie gegen München am Dienstag und dem ersten Bully im Spiel gegen Schwenningen am Mittwoch. Für die Berliner Eisbären bleibt aktuell nicht viel Zeit für Regeneration. Auf der Zielgeraden der regulären Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) müssen die Hauptstädter im Schnitt alle zwei Tage aufs Eis.

14 Spiele in 28 Tagen, das sei aus medizinischer Sicht "sehr zweifelhaft", sagt Mannschaftsarzt Dr. Jens Ziesche. Die üblichen Regenerationsphasen und Ruhetage im Saisonalltag lassen sich durch den Terminstress nicht einhalten, berichtet der Mediziner. In einer normalen Saison wird freitags und sonntags gespielt, sodass die Belastung über die Trainingswoche hinweg verteilt und gesteuert werden kann.

38 Spiele seit Dezember für Nationalspieler Noebels

Durch den coronabedingten späten Start der Eishockey-Saison Im Dezember vergangenen Jahres, befindet sich die Liga nun im Dauerstress. Nationalspieler Marcel Noebels hat seit Saisonbeginn kurz vor Weihnachten bereits 38 Spiele in den Beinen. Verletzungen sind bei diesem Belastungsniveau keine Seltenheit, doch bisher blieben die Eisbären von schwerwiegenden Ausfällen verschont. Das liegt zum einen an der Arbeit von André Kreidler, dem Physiotherapeuten des Teams, zum anderen am breiten Kader. "Wir haben vier komplette Reihen, so kann man den ein oder anderen Ausfall kompensieren", sagt Kreidler.

Die meisten Verletzungen bestehen laut dem Physiotherapeuten aus Prellungen von geblockten Schüssen oder Checks gegen die Bande. Sie seien allerdings "das kleinste Übel". Zwar gibt es auch mal kürzere Ausfälle, berichtet er, doch die Spieler greifen in dieser Saisonphase immer häufiger zu den kleinen Helfern aus der Apotheke: "Jetzt kommt die Zeit, in der man um die Schmerztabletten nicht mehr herumkommt." Für die Jungs sei die Belastung hart, aber sie machen das beste daraus, gibt sich Kreidler zuversichtlich.

Zu der physischen kommt die psychische Belastung

Wer das Spielfeld mit Blessuren verlässt, lässt sich vom Physiotherapeuten durch Massagen, Dehnungsübungen oder eben Schmerzmittel wieder aufpeppeln. Doch die immense Anstrengung durch die fehlenden Ruhezeiten sei nicht nur eine physische, sondern auch eine psychische Belastung, sagt Mannschaftsarzt Ziesche: "Es ist wichtig, dass die Spieler sich erholen können, denn so ein Spiel ist ja auch psychischer Stress."

Zu dem mentalen Druck während der Spiele kommen noch die Ergebnisse, denn auch mit Rückschlägen muss die Mannschaft fertig werden. Zwar stehen die Eisbären nach wie vor an der Spitze der Nord-Gruppe in der DEL, doch der Vorsprung auf Verfolger Bremerhaven schrumpfte nach zuletzt zwei bitteren Niederlagen gegen München. Viel Zeit blieb den Berliner jedoch nicht, um auf den beiden Spielen herum zu grübeln. Vielleicht war das auch gut so, denn gegen Schwenningen war die Mannschaft trotz durchwachsenem erstem Drittel wieder in der Erfolgsspur.

"Es geht allen gleich"

Einen Nachteil im Kampf um die Playoff-Plätze sieht Eisbären-Kapitän Frank Hördler durch den Terminstress für seine Mannschaft nicht. "Es geht allen gleich", beteuert er. Umso mehr müsse man die Ruhe während der wenigen freien Zeit nutzen und zu Hause gut schlafen, empfiehlt der 36-Jährige. Außerdem gehöre zu einer guten Erholung auch die richtige Ernährung. Deshalb gebe es nach den Spielen eine kohlenhydratreiche Mahlzeit mit etwas Fleisch sowie Getränke, um den Elektrolytehaushalt wieder aufzufüllen, so dass alle Spieler am kommenden Samstag um 14:30 Uhr beim Auswärtsspiel in Schwenningen wieder erholt auf dem Eis stehen.

Sendung: rbb UM6, 07.04.2021, 18:15 Uhr

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