Interview | Turbine-Spielerin Johanna Elsig - "Aus eigener Kraft können wir es nicht mehr schaffen"

Turbine-Spielerin Johanna Elsig setzt zum Schuss an (Quelle: Imago Images / Sebastian Räppold / Matthias Koch)
Bild: Imago Images / Sebastian Räppold / Matthias Koch

Um das eigene Saisonziel noch zu schaffen, ist Turbine Potsdam von den Liga-Konkurrenten abhängig. Spielerin Johanna Elsig erklärt, wie der 3. Rang noch erreicht werden kann, spricht über die Saison und die Zukunft von Turbine Potsdam.

rbb|24: Johanna Elsig, die Saison in der Frauen-Bundesliga ist im Endspurt. Turbine steht aktuell auf Platz vier. Das Saisonziel ist Rang drei, denn der bedeutet die Champions-League-Qualifikation. Was ist noch drin für Ihr Team?

Johanna Elsig: Sicherlich ist es keine leichte Aufgabe. Wir haben die Führungsposition auf den dritten Platz ein bisschen selbst verspielt. Das ging leider mit dem Spiel in Hoffenheim los. Nichtsdestotrotz wollen wir gucken, dass wir die drei Punkte in den nächsten Spielen holen. Das fängt jetzt mit Bayern am Mittwoch an. Natürlich ist das eine Mammutaufgabe, aber Hoffenheim hat da auch gerade drei Punkte geholt. Scheinbar ist Bayern gerade nicht so gut drauf. Wir wollen auf jeden Fall versuchen, die Chance zu wahren. Und wer weiß, vielleicht patzt Hoffenheim ja auch mal.

Sie sprechen Hoffenheim an. Die stehen im Moment auf diesem dritten Platz und haben mit dem Sieg gegen Bayern gerade eine dicke Überraschung geschafft. Diese Punkte hat sicherlich so niemand einkalkuliert. Und im Restprogramm warten auf die TSG Teams aus der hinteren Tabellenhälfte. Wie kann Turbine Hoffenheim denn trotzdem noch einholen?

Einfach, indem wir jetzt gegen Bayern drei Punkte holen. Wenn wir den dritten Platz noch irgendwie erreichen wollen, ist das Pflicht für uns, auch wenn es eine Riesenaufgabe ist. Und wir müssen einfach hoffen, dass Hoffenheim nochmal patzt, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn die gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel spielen, kann man sich da auch schwertun. Aber aus eigener Kraft können wir es nicht mehr schaffen. Wir müssen darauf hoffen, dass Hoffenheim patzt und unsere Aufgabe am Mittwoch [Anm. d. Red.: gegen den FC Bayern, 16:00 Uhr] machen. Anders funktioniert es nicht.

Wenn Sie vor den letzten vier Spielen ein Zwischenfazit ziehen müssten, wie fällt das aus?

Mäßig. Ich glaube, dass wir uns in der Hinrunde relativ gut geschlagen haben. Auch wenn wir des Öfteren Glück hatten im Spiel, was auch dazugehört und was man sich ein bisschen erkämpfen muss. Das Glück hat uns mit dem Hoffenheim-Spiel dann ein bisschen verlassen, was man in der Rückrunde aber auch ein bisschen selbst erzwingen kann. Gerade gegen Gegner, die vielleicht auf Augenhöhe sind oder minimal darunter, müssen wir die Punkte holen. Sei es die Niederlage gegen Freiburg oder das Unentschieden gegen Bremen: Das sind einfach vier Punkte, die fehlen. Das ist eine Menge und das darf uns einfach nicht passieren.

Für Trainer Sofian Chahed ist es die erste Saison, auch die erste als Coach einer Frauenmannschaft. Ist Turbine mit ihm auf einem guten Weg?

Ich glaube schon, dass er ein guter Trainer ist. Die Trainingsinhalte sind gut. Er selbst ist sehr ehrgeizig, vor allem, wenn er mal bei Trainingsspielchen mitspielt. (lacht) Ich glaube, dass er auch noch ein bisschen was zu lernen hat. Es ist seine erste Profimannschaft und auch noch Frauen. Ich glaube, das ist nochmal eine besondere Herausforderung, gerade für einen Mann als Trainer. Aber ich glaube, dass es schon ganz gut passt und sowohl die Mannschaft als auch er sich weiterentwickeln und das nächste Saison hoffentlich weiter in die richtige Richtung geht.

Die Teams, die in der Tabelle über Turbine stehen, sind alle einem Männerverein angeschlossen. Zeigt das, dass man langfristig nur so Erfolg haben kann – oder zeigt gerade der aktuell vierte Platz von Turbine, dass es auch anders geht?

Ich glaube, dass es definitiv der einfachere Weg ist, wenn man einen Männerverein hinter sich stehen hat, weil man einfach bessere Infrastruktur und bessere Bedingungen hat. Allerdings glaube ich auch, mit den Möglichkeiten, die Turbine hat, ist es letztendlich schon möglich, weil wir in Brandenburg oder vielleicht auch in Deutschland eine kleine Monopolstellung haben, aufgrund der Erfolge, die Turbine damals gesammelt hat. Ich glaube, wenn man die Bedingungen alle nutzt, ist da schon etwas möglich. Aber es muss auch definitiv sehr viel Arbeit reingesteckt werden. Es ist definitiv viel schwieriger, als wenn man bei Wolfsburg oder Bayern spielt.

Ihre langjährige Mitspielerin bei Turbine, Tabea Kemme, will Präsidentin des Vereins werden. Könnte das diesem Weg von Turbine nochmal neuen Schwung geben, auch wieder erfolgreicher zu werden?

Ich glaube grundsätzlich, dass es dem Verein guttut, wenn etwas Junges, Frisches reinkommt, ob als Präsidentin oder in anderer Funktion. Das kann guten Schwung reinbringen, die Ideen, die man hat, vielleicht auch mit der Corona-Zeit, mit der Kommunikation und den Sozialen Medien mitzugehen. Tabbi ist jemand, die für den Verein Turbine Potsdam steht, die hier ihre Jugend und einen großen Teil ihres Fußballerlebens verbracht hat. Ich glaube schon, dass das bei Sponsoren auch einen guten Eindruck macht.

Sie sind seit 2012 bei Turbine. Ist das auch ein Bekenntnis zum Verein, der Idee und der Arbeit, die dort geleistet wird?

Ich liebe Potsdam. Ich fühle mich hier super wohl und habe hier auch mein Privatleben. Wie es für mich nächste Saison weitergeht, dazu möchte ich mich noch nicht äußern.

In der Nationalmannschaft waren Sie zuletzt nur auf Abruf. Wie gehen Sie damit um?

Es war sicherlich am Anfang nicht einfach für mich, weil es für mich ehrlich gesagt schon sehr überraschend kam. Letztendlich habe ich mich im Moment ein bisschen damit abgefunden, weil ich auch weiß, was die Philosophie des DFB ist. Man sieht ja auch an den Nominierungen, dass sehr viele junge Spielerinnen gerade nachkommen und sicherlich ein bisschen was passieren muss, damit ich vielleicht nochmal direkt in den Kader nominiert werde.

Das fällt mir nicht einfach, aber ich gehe damit um und bringe meine Leistung auf dem Platz. Bis zur Europameisterschaft ist es noch ein ganzes Jahr. Sicherlich hat es mir auch wehgetan, aber das ist in Ordnung. So ist der Sport.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lisa Surkamp, rbb Sport. Es handelt sich um eine leicht gekürzte und redigierte Fassung.

Sendung: rbb UM6, 20.04.2021, 18 Uhr

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