50 Jahre Rote Karte - Als in der Bundesliga das erste Mal die "Arschkarte gezogen wurde"

Sa 03.04.21 | 10:25 Uhr
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Der Schiedsrichter zeigt die Rote Karte (Quelle: imago images/Laci Perenyi)
Audio: Inforadio | 03.04.2021 | Carsten Schellhorn | Bild: imago images/Laci Perenyi

Vor 50 Jahren wurde in der Bundesliga erstmals die Rote Karte gezückt. Wie ein Polizeieinsatz zur Einführung des Kartensystems beigetragen hat und welche (Ex-)Berliner das Unsportlichkeits-Ranking in der Bundesliga anführen.

Am 3. April 1971 geschah in der Fußball-Bundesliga Historisches. An diesem Samstagnachmittag ließ sich der Frankfurter Friedel Lutz zu einem Revanchefoul an Braunschweigs Jaro Deppe provozieren und trat ihm in den Hintern. Schiedsrichter Wilfried Hilker zögerte nicht lange und machte die Bewegung, die heute bei Spielern gefürchtet ist: Er Griff sich in die Gesäßtasche und zückte die erste Rote Karte in der Bundesliga-Geschichte.

Eins, zwei, Polizei

Dass die Rote Karte im Fußball überhaupt erst eingeführt wurde, hängt auch mit einem Polizeieinsatz zusammen. Denn beim WM-Viertelfinalspiel 1966 zwischen Argentinien und England konnte sich der Schiedsrichter in einer hitzigen Partie nur schwer durchsetzen. Schließlich musste die Polizei einen vom Platz verwiesenen Spieler abführen. Als Ken Aston, damals Vorsitzender der FIFA-Schiedsrichterkommission, das sah, überlegte er sich für die bessere Verständigung das Ampelsystem mit der Gelben und Roten Karte.

Kleine Karte, große Wirkung

Sie ist zwar nur elf Zentimeter lang und acht Zentimeter breit, die kleine Karte kann aber Großes bewirken. Sieht ein Spieler die Rote Karte, muss er das Spielfeld und den Innenraum sofort verlassen. Sie kommt bei einer groben Unsportlichkeit wie einem üblen Foul, einer Beleidgung oder eine Tätlichkeit zum Einsatz und wurde zur Rückrunde 1970/71 in der Bundesliga eingeführt. Seit 1991 kann sie auch gezückt werden, wenn ein Spieler mit einem absichtlichen Handspiel einen Treffer oder eine klare Torchance verhindert. Heute können auch die Spieler auf der Bank, Offizielle oder der Trainer Rot sehen. Das Sportgericht entscheidet im Anschluss dann über eine Sperre.

Die "Arschkarte"

Wer sie gezogen hat, für den läuft es nicht unbedingt rund. Doch woher kommt die Redewendung, "die Arschkarte ziehen"? Genau belegt ist es nicht, aber die populärste Vermutung führt auf die Rote Karte im Fußball zurück. Denn um Verwechslungen zu vermeiden, bewahrt der Schiedsrichter die Rote Karte meist in der Gesäßtasche auf, während sich die Gelbe in der Brusttasche befindet. Sieht ein Spieler die Rote Karte, hat er also die "Arschkarte" bekommen.

WM-Premiere in Berlin

Bei der Fußball-WM 1970 in Mexiko gab es sie zwar schon, dort kam die Rote Karte aber noch nicht zum Einsatz. Erst vier Jahre später beim Vorrunden-Spiel zwischen Deutschland und Chile im Berliner Olympiastadion erlebte sie ihre WM-Premiere. Carlos Caszely musste nach einem Foul an Berti Vogts vom Platz und der Schiedsrichter zückte erstmals bei einer Weltmeisterschaft die Rote Karte.

Vedad Ibisevic sieht die Rote Karte (Quelle: imago images/Sven Simon)Sah in der Bundesliga schon fünf Mal glatt Rot: Vedad Ibisevic.

Ein Ex-Herthaner und ein Berliner sahen schon öfters Rot

Den Bundesliga-Rekord mit je fünf Platzverweisen teilen sich gleich fünf Spieler, darunter Ex-Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic (flog im Hertha-Trikot drei Mal vom Platz) und der gebürtige Berliner Jerome Boateng.

Einmal leermachen, bitte!

In der fünften argentinischen Liga ging es im März 2011 so wild durcheinander, dass der Schiedsrichter sämtliche Spieler, Ersatzspieler und beide Trainer des Platzes verwies. Insgesamt 36 Rote Karten verteilte Damien Rubino an die Teams Claypole und Victoriano Arenas.

Sendung: rbb24, 03.04.2021, 21:45 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Als Borussia Dortmund just zum Aktionärsklub wurde und in jenem Jahr das Spiel gegen Bayern München anstand, ging es derart hitzig zu, dass das Spiel mit 7 gegen 7 Spielern zu Ende ging.

  2. 1.

    Gerade ein öffentlich - rechtlicher Sender sollte seine Wortwahl überlegter wählen. "50 Jahre Rote Karte" hätte vollkommen genügt. Rote Karte für ihre Wortwahl.

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