Der freigestellte Torwarttrainer Zsolt Petry / IMAGO / Christian Schroedter
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Audio: Inforadio | 06.04.2021 | Thomas Hollmann | Bild: IMAGO / Christian Schroedter

Kontroverse Aussagen in Interview - Hertha stellt Torwarttrainer Zsolt Petry frei

Nach den kontroversen Aussagen des Torwarttrainers von Hertha BSC in einem Interview, hat sich der Bundesligist entschlossen, Zsolt Petry mit sofortiger Wirkung freizustellen. Der Verein begründete die Entscheidung mit seiner Charta der Vielfalt.

Hertha BSC hat Zsolt Petry mit sofortiger Wirkung freigestellt. Nach einigen kontroversen Aussagen des Torwarttrainers in einem Interview mit der ungarischen Zeitung 'Magyar Nemzet' hat sich der Bundesligist entschlossen, die Zusammenarbeit zu beenden. Das teilte der Verein am Dienstag mit.

"Hertha BSC hat die Charta der Vielfalt unterschrieben und setzt sich als Verein aktiv für Werte wie Vielfalt und Toleranz ein, weil uns diese Werte wichtig sind. Dies findet sich in den Äußerungen von Zsolt Petry, die er als unser Mitarbeiter öffentlich getätigt hat, nicht wieder", hieß es in der Mitteilung weiter.

Petry bittet um Entschuldigung

Petry hatte in dem Interview seinen Landsmann Peter Gulacsi von RB Leipzig kritisiert, weil sich Gulacsi "für Homosexuelle, Transvestiten und Menschen sonstiger geschlechtlicher Identität" einsetze. Zudem äußerte er sich zum Thema Migration: "Europa ist ein christlicher Kontinent, ich sehe den moralischen Niedergang nicht gerne, der den Kontinent niederfegt", sagte Petry: "Die Liberalen blasen die Gegenmeinungen auf: Wenn du die Migration nicht gut findest, denn schrecklich viele Kriminelle haben Europa überlaufen - dann werfen sie dir sofort vor, dass du ein Rassist bist."

In der Vereinsmitteilung der Hertha entschuldigte sich Petry: "Ich möchte betonen, dass ich weder homophob noch fremdenfeindlich bin. Meine Aussage zur Einwanderungspolitik bedaure ich sehr und möchte all die Menschen, die bei uns Zuflucht suchen und die ich damit beleidigt habe, um Entschuldigung bitten."

Hertha-CEO Carsten Schmidt dankte Petry für dessen langjährige Arbeit im Verein, kritisierte den Torwarttrainer jedoch für dessen öffentliche Äußerungen scharf: "Auch unter Würdigung von Übersetzungsfeinheiten und der Tatsache, dass einige Aussagen von Zsolt im Interview ohne Rücksprache vor der Veröffentlichung weggelassen wurden, mussten wir letztlich feststellen, dass die getätigten Äußerungen insgesamt nicht den Werten von Hertha BSC entsprechen."

Der 54-Jährige Zsolt Petry war mit Unterbrechungen seit 2015 bei den Berlinern tätig.

Sendung: rbb Inforadio, 06.04.2021, 14:15 Uhr

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76 Kommentare

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  1. 76.

    Es gibt glücklicherweise Wahlmöglichkeiten: Arbeitsplatz, Einstellung, Wohnort - alles wahlfrei (Letzteres Dank der von Ungarn stets so gescholtenen EU). Nur sollten die Dinge zueinander passen. Wenn die Einstellung im Widerspruch zu den Werten des Arbeitgebers steht, hat man den falschen Arbeitgeber. Wenn das Wertesystem am Wohnort nicht zum eigenen passt, na ja, dann sollte man das eben auch mal überdenken. Das gilt alles genauso für mich. Und ich suche mir den Fußballverein aus, in dem ich Mitglied sein will (oder eben auch nicht). Das heißt für mich jetzt: Er oder ich.

  2. 75.

    Ihm wurde doch nicht verboten, dass er seine Meinung sagt. Ist halt nur so, Hertha BSC will solche Leute nicht haben, das muss er dann auch akzeptieren. Wir akzeptieren seine Homophobe-Einstellung und er muss auch die Entscheidung von Hertha BSC akzeptieren. Oder akzeptiert Herr Petry die Meinung von anderen nicht?

  3. 74.

    Hier sind ja sehr viele Leute sehr streng mit diesem Mann...
    Wenn er von einem "moralischen Niedergang" schwafelt, kann man das lächerlich finden - wozu ich sehr tendiere. (Ich füge das mal lieber hinzu, damit ich hier nicht so schlimme Schimpfe kriege...)
    Aber er darf eben dieser Meinung sein und sie auch äußern, und darüber bin ich heilfroh. Dass sie manchen nicht passt, ist dann eben so. Mir passen auch mitunter andere Meinungen nicht, und doch will ich sie nicht verbieten.
    Und selbst wenn man ihm verbietet, diese Meinung zu äußern (jaja, ich weiß schon, als Privatmann darf er ja, nur eben nicht als Herthamann), so verschwindet sie doch damit nicht aus seinem Kopf.
    Also, was hätte man damit gekonnt?
    Das ist doch nun zumindest eine der Lehren aus der DDR und ähnlichen Systemen...

  4. 73.

    Nein, die Ungarn muss derzeit niemand verstehen. Sie torpedieren die gemeinsamen Werte der EU und halten trotzdem weiter die Hand auf. Dieses Land hat in der derzeitgen Verfassung eigentlich genauso wenig in der EU zu suchen wie Erdogans Türkei. Nur sind sie eben schon drin. Das ist aber absolut kein Grund, die in Ungarn von der Regierung und einem erschreckend großen Teil der Bevölkerung gelebten neokonservativen bis ultrarechten Werte zu übernehmen. Besonders amüsant finde ich, dass sich über die DORT VORHANDENE massive Beschränkung der freien Meinungsäußerung und der Pressefreiheit niemand von denen erregt, die hier die Meinungsfreiheit als abgeschafft darstellen. Vielleicht ist das noch etwas nostalgische Sympathie für das gelobte Reiseland Ungarn bei den in der DDR sozialisierten Menschen. Ein Trainer, der sich mit der dortigen Regierungsdoktrin solidarisiert, positioniert sich automatisch unserem Wertesystem gegenüber feindlich. Nicht strafbar, aber disqualifizierend.

  5. 72.

    DDR lässt grüßen..

  6. 71.

    Oft genug wurden Gruppen wie Arbeitslose durch Politiker verunglimpft. Die Politiker dürften im Amt bleiben. Bitte nicht mit zweierlei Maß messen.

  7. 70.

    @Steinhart Beim Thema Rassismus gibt es keine Diskussionsgrundlage. Ende. Auch wenn das wahrscheinlich nicht von Ihnen verstanden wird. Zum Glück leben wir in einer Demokratie und 1933 ist auch vorbei - anscheinend aber noch nicht in allen Köpfen.
    Wird Zeit, auch dem Alltagsrassismus den Kampf anzusagen.
    Gruß mit der Linken!

  8. 68.

    Fast alle machen denselben Fehler. Ein privatwirtschaftliches Unternehmen kann und muss anders handeln (dürfen) als der Staat. Bitte nicht verwechseln. Der Hinweis oder Vergleiche mit/ auf die DDR oder gar davor ist ein Irrtum.

  9. 67.

    Das Problem mancher Menschen, auch aber nicht nur im Osten (dieser Stadt und dieses Landes), besteht leider darin, dass sie glauben, Demokratie und Meinungsfreiheit sei die Erlaubnis, jeden noch so menschenverachtenden Müll ungefiltert öffentlich zu vertreten. Wenn sie dann feststellen, dass auch oder gerade der Rechtsstaat hetzerische und verfassungsfeindliche "Meinungen" sanktioniert, vergleichen sie das mit den Zuständen in der DDR. Hier kommt aber noch hinzu, dass ein Arbeitgeber von seinen Mitarbeitern eine positive Einstellung zu seinen Leitsätzen erwarten kann. Bei einem international besetzten Team ist eine negative Einstellung zu Pluralität wohl kaum dem unternehmerischen Ziel förderlich.

  10. 66.

    Petry hat "kontroverse Aussagen" gemacht, so titelten übereinstimmend die Medien. Das heißt : er hat entgegengesetzte Meinungen geäußert, konträr zum politisch korrekten Hauptstrom. Vielleicht hat er sich sogar geirrt ; vielleicht auch in Teilen recht gehab(Kriminalität ). Dafür einen Menschen an den Pranger stellen? Bemerkenswert auch : die hämischsten Kommentare kommen von genau den Liberalen, die Petry kritisiert.
    Übrigens hat sicher niemand von uns das Interview gelesen und kann die historisch bedingt besondere Position der Ungarn zur "Bedrohung" durch den Islam ganz verstehen.

  11. 65.

    Diese Aussagen verstoßen eindeutig gegen die im Grundgesetz verankerten Menschenrechte und sind keine legitime Meinungsäußerung.

  12. 64.

    Er kann seine Meinung äußern ohne Strafverfolgung fürchten zu müssen. Allerdings tat er es hier in seiner Funktion als Torwarttrainer von Hertha BSC und hat hier die Werte des Vereins verraten. Daher sind arbeitsrechtliche Konsequenzen gerechtfertigt.

  13. 63.

    Petry: "denn schrecklich viele Kriminelle haben Europa überlaufen" meint er damit die Osteuropäer?
    Wenn Herr Zsolt Petry die Migranten stören, dann sollte er mal überlegen, was er selber ist. Kleiner Tip er ist kein Deutscher. Wahrscheinlich findet er auch Orbán gut, deswegen wohnt er auch nicht mehr in Ungarn. Super Logik.

  14. 62.

    Hier geht es ausschließlich um Hertha BSC und die Werte des Vereins. Und wer diese Werte nicht mittragen will, kann ihn nicht als Angestellter repräsentieren.

  15. 61.

    Es steht doch eindeutig im Artikel , dass er sich nicht nach den Werten von Hertha BSC verhalten hat und deswegen freigestellt wird . Da hilft es auch nicht , dass er seine Meinung privat oder öffentlich kund getan hat . Einen Arbeitnehmer wie mit Petrys Einstellung möchte man halt nicht in diesem Verein . In Unternehmen nennt man das Compliance. Wenn man gegen diese verstößt , ist man unter Umständen draußen . Es erübrigt sich sämtlicher whataboutism in Bezug auf „die Mannschaft“ oder bla bla .. nur „weil man die Wahrheit sagt ..“ Rechtfertigungen ...

    By the way RBB: Eure Foren/Kommentar- Software ist außerordentlich scheisse!

  16. 60.

    Das ist die Meinungsfreiheit 2.0...mehr braucht man dazu nicht zu sagen. Aber die böse DDR....

  17. 59.

    Zitat: "Freiheit ist auch die Freiheit der anders denkenden. Ist von rosa Luxemburg, scheint aber im heutigen Deutschland nicht mehr so gefragt zu sein. Traurig aber wahr."

    Traurig ist eher, dass Sie trotz der vielen Beiträge zum Thema immer noch nicht begriffen haben, dass Petry keine Freiheitsrechte verwehrt werden. Er kann sich jederzeit auf jeden beliebigen Marktplatz der Republik stellen und seine Meinung zu Homosexualität oder Muslimen herausbrüllen - solange dies im gesetzlichen Rahmen geschieht. Und er kann auch weiterhin seinen Beruf ausüben, nur eben (wahrscheinlich) nicht mehr bei Hertha BSC.

  18. 58.

    Merken Sie eigentlich nicht, dass der Vergleich ziemlich hinkt?

    In Ungarn wäre eine solche Diskussion in einem Portal einer Medienanstalt nicht möglich. Eine freie Presse ist dort ebenso wenig zu sehen wie eine unabhängige Justiz.

    Und dass Sie hier diskutieren dürfen und Ihre Meinung zum Besten geben können beweist, dass Sie hier sehr gewagte Vergleiche ziehen.


  19. 57.

    Da haben Sie vollkommen recht:
    Das "christliche Abendland" gibt es schon lange nicht mehr, Gott wurde abgeschafft, was Herr Petry noch nicht richtig realisiert zu haben scheint,
    Die ehemals "christlich beeinflusste" Gesetzgebung wurde/wird immer mehr geändert. Trotzdem gibt es Menschen, die diese Entwicklung mit einem gewissen Argwohn betrachten, weil sie nämlich Gott und die Bibel ernst nehmen, z.B. mich. Nur sollten sie ihre Meinung in bestimmten Fällen lieber für sich behalten, weil sie sonst Probleme bekommen, was zwar zu einem gewissen Duckmäusertum führt, aber das gab es ja auch schon im 3. Reich und in der DDR….

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