Arne Friedrich von Hertha BSC (imago images/Ulmer)
Audio | Inforadio | 11.04.2021 | Thomas Kroh | Bild: imago images/Ulmer

Interview | Herthas Sportdirektor Arne Friedrich - "Es wird ein mühsamer Kampf bis zum letzten Spieltag"

Herthas Sportdirektor Arne Friedrich über das Glück, ruhig schlafen zu können, Herthas Probleme im Überzahlspiel gegen Borussia Mönchengladbach und die Nachwehen um die Freistellung von Torwarttrainer Zsolt Petry.

rbb|24: Hertha steckt mitten im Abstiegskampf. Trainer Pál Dárdai hat dennoch versichert, dass er auch in diesen schwierigen Zeiten immer gut schlafe. Wie steht es denn um ihren Schlaf?

Arne Friedrich: Auch ich habe keine Probleme, zu schlafen. Das war schon immer so, auch vor wichtigen Spielen. Vor WM-Spielen oder auch in dem Jahr, wo es für uns (mit Hertha BSC, Anm. d. Red.) in die zweite Liga ging, als ich noch gespielt habe. Also am Schlaf liegt es bei mir nicht. Ich habe heute Morgen auch mit dem ein oder anderen Spieler gesprochen, da sieht es ein bisschen anders aus. Aber jeder verarbeitet Dinge anders und ich bin sehr froh, dass ich schlafen kann, ganz egal in welchen Umständen wir uns befinden.

Gegen Borussia Mönchengladbach gab es trotz knapp 80 Minuten Überzahl lediglich ein 2:2-Unentschieden. Was überwiegt bei Ihnen: Der Ärger oder doch die Zufriedenheit über einen Punkt?

Ich glaube es ist das komplette Gegenstück zum Spiel gegen Union Berlin. Da sind wir mit einem Punkt rausgegangen und es hat sich angefühlt wie ein Sieg. Weil wir einfach überhaupt kein gutes Spiel gemacht haben. Gegen Borussia Mönchengladbach haben wir auch einen Punkt mitgenommen. Am Ende muss man ganz ehrlich sagen: Zu wenig! Ich denke, wir hätten mehr aus unserer Überzahl machen müssen, auch aus den Chancen die wir hatten.

Dabei lief das Spiel komplett in Herthas Richtung. Ein früher Platzverweis, die 1:0-Führung. Warum ist die Mannschaft danach dennoch ins Trudeln geraten?

Das ist superschwer zu beantworten. Wir sind in einer sehr schweren Situation, im Abstiegskampf, und vielleicht kamen dann auch viele Gedanken hoch. Ich glaube auch, dass wir nicht so wirklich sortiert gespielt haben. Und es darf nicht sein, dass - wenn man mit einem Spieler mehr auf dem Feld ist - man dann ausgekontert wird. In ein, zwei Situationen ist der Gegner alleine auf unseren Torwart zugelaufen. Das darf nicht passieren. Ich denke einfach, dass es ganz, ganz viel Kopfsache ist. Wie bei vielen Mannschaften, die gegen den Abstieg spielen. Dessen sind wir uns bewusst, wir versuchen immer wieder, nach vorn zu schauen, das Positive zu sehen und die Jungs aufzubauen. Ich glaube, am Einsatz hat es gestern definitiv nicht gelegen. Wir haben auch wirklich ein paar gute Ballpassagen drin gehabt. Es wird ein mühsamer Kampf bis zum letzten Spieltag, definitiv.

Wie schwer macht es ihre persönliche Arbeit, dass über Fredi Bobic als neuem Sportchef spekuliert wird? Denken Sie sich manchmal: Ach, macht doch euren Kram allein?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin zurückgekommen zu Hertha, um zu helfen. In einer sehr schwierigen Zeit. Das war mein Anspruch und das ist auch mein jetziger Anspruch. Der Verein steht über allen. Ich bin froh, wenn ich hier helfen kann und das tue ich, so gut ich kann. Mit meinem wirklich tollen Team. Mit allen anderen Themen beschäftige ich mich nicht.

Der Aufreger der vergangenen Woche war die Freistellung von Torwarttrainer Zsolt Petry. Sie haben gesagt, Hertha habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Heißt das, es gibt Leute im Verein, die Petry gern behalten hätten?

In erster Linie heißt das, dass wir die komplette Faktenlage prüfen wollten. Wir haben das Interview professionell übersetzen lassen. Wir haben mit Zsolt persönlich gesprochen und wir haben intensiv beraten und natürlich auch geschaut: Wofür stehen wir, Hertha BSC? Und wir sind am Ende ganz klar zu diesem Entschluss gekommen. Und zu dem Entschluss stehen wir auch.

Können Sie die Leute verstehen, die die Entscheidung kritisiert haben?

Also erstmal verstehe ich nicht, dass es jetzt wieder tagelang thematisiert wird. Es ist eine Entscheidung getroffen worden. Am meisten Wohlgefallen tut man, wenn man es auf sich beruhen lässt und jeden Menschen so leben lässt, wie er ist. Und ich habe genug Stellung zu dieser Thematik bezogen. Wir haben Entscheidungen getroffen und sind jetzt zurück im Bundesliga-Alltag.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch ist eine leicht gekürzte und redigierte Fassung eines Radio-Interviews. Das Gespräch führte Thomas Kroh.

Sendung: rbb UM6, 11.04.2021, 18 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Hertha bekommt es bis zum Ende der Saison mit keinem vmtl. "großen" Gegner mehr zu tun. Die Heimspiele gegen Freiburg, Bielefeld und Köln müssen gewonnen werden - und auch in Mainz, auf Schalke und in Hoffenheim sollten Punkte drin sein. Dazu muss die Mannschaft natürlich endlich den (Abstiegs-)Kampf annehmen, den man eigentlich schon am WE hätte erwarten können - nachdem Dardai (laut Aussage) alle Mannschaftsteile extra speziell-individuell trainiert hat.

  2. 7.

    Ich finde den Abstiegskampf in der Liga dieses Jahr sehr spannend und freue mich auf die nächsten Spieltage.
    Natürlich sieht man das vermutlich aus einer ganz anderen Warte, wenn der eigene Verein unten mit drin hängt.

    Hertha hat den vermeintlich einfachsten Spielplan für die letzten 6 Partien, dafür sind alle anderen betroffenen Mannschaften schon seit Monaten im Modus Abstiegskampf angekommen und treten dort jeweils als eine Einheit auf.
    Aus dem nächsten Spiel in Mainz sollte man zumindest einen Punkt mitnehmen.

  3. 6.

    Fragen über Fragen, wa?
    Kann ick Ihnen och nich helfen. Schlägt Ihnen die olle Tanke denn auf den Bauch?
    Wenn ja, warum denn nur?

  4. 5.

    Och "Icke", hammse 'ne Umfrage jemacht?
    Oder verlassen Sie sich da auf Ihr untrügliches Bauchgefühl? Braucht kein Mensch.

  5. 4.

    Hertha? Die können so langsam weg. Will kaum ein Berliner noch sehen.

  6. 3.

    Schon klar, dass er damals beim Abstieg gut schlafen konnte. Er hat ja auch direkt nach dem letzten Spiel verkündet, dass er nicht mehr für Hertha spielt. Und sowas war Kapitän. Scheinen aber manche vergessen zu haben, wie der sich damals verhalten hat.

  7. 2.

    Viel Glück Hertha, ich drücke die Daumen. Es wird schon klappen. Egal wie. Hauptsache nicht absteigen.

  8. 1.

    10 Spiele, nur 9 Punkte und einen Platz schlechter als zur Amtsübernahme (15 statt 14) - der Heilsbringer Dardai, hat's wohl nicht so gebracht. Gut, dass man ihm einen Vertrag bis zum Ende der nächsten Spielzeit gegebn hat.

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