Pal Dardai (l.) und Zecke Neuendorf (imago images/O.Behrendt)
Bild: imago images/O.Behrendt

Hertha vor dem Heimspiel gegen Gladbach - Dardai und das Personal-Puzzle

Nach dem starken 3:0 gegen Leverkusen war Herthas schwacher Auftritt beim Hauptstadtderby ein Rückschritt im Abstiegskampf. Vor dem Heimspiel gegen Gladbach geht es allerdings vor allem um personelle Baustellen. Von Astrid Kretschmer

Das Personal

Hertha-Trainer Pal Dardai zeigte sich erleichtert, dass Santiago Ascacibar für seine vermeintliche verbale Entgleisung im Derby gegen Unions Nico Schlotterbeck nicht bestraft wird. Der DFB stellte das Verfahren gegen den Hertha–Profi ein. "Wir sind alle froh", so Dardai auf der digitalen Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. "Er ist ein fleißiger Spieler, ist gut drauf. Hätte er auch noch gefehlt, hätten Marton Dardai oder Niklas Stark oder ein U23-Spieler ins Mittelfeld auf die Sechs rücken müssen, da Lucas Tousart und Vladimir Darida gesperrt fehlen", sagte Dardai. Tousart ist eigentlich als wichtige Säule im Mittelfeld in der Zentrale gesetzt. So dürfte wohl Ascacibar am Samstag in der Startelf stehen.

Auch Verteidiger Marton Dardai kehrt wohl fit zurück und kann mit Niklas Stark die Innenverteidigung bilden. "Ich glaube Marton Dardai hat uns gefehlt am letzten Wochenende", sagte Dardai, "von der Spieleröffnung her und von der Art und Weise, wie er Fußball spielt."

Es fehlen: Dedryck Boyata (Oberschenkelverletzung), Eduard Löwen (muskuläre Probleme), Luca Netz (Mittelfußbruch), Rune Jarstein (Quarantäne nach positivem Coronatest)

Die Form

Auch punktemäßig gibt Pal Dardai im Kampf um den Klassenerhalt die Richtung vor. 13 von 21 möglichen Punkten aus den letzten sieben Spielen sollten reichen, so die Dardaischen Rechenspiele. Eine theoretische Vorgabe mit praktischen Hintergrund. "Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen, aber man muss den Spielern Ziele ausgeben", so der Hertha-Coach. Nach Gladbach stehen noch die Duelle mit dem FSV Mainz 05, dem SC Freiburg, Schalke 04, Arminia Bielefeld, 1. FC Köln und der TSG Hoffenheim an.

Dabei sollen Dardais Profis jedes Spiel "wie ein Derby, ein letztes Spiel" angehen. Doch gerade das Derby am vergangenen Wochenende hatte den Ungarn sauer und mit einem großen Fragezeichen zurückgelassen. Lediglich das Ergebnis (1:1 ) war zufriedenstellend. Ansonsten verfiel seine Mannschaft im Spiel beim 1.FC Union in alte Muster. Aggressives Pressing, gezielte Pässe nach vorne, eine Raumaufteilung in der Offensive, sinnvolle Laufwege – all das war nicht zu sehen. Da galt es einiges zu klären. Die Spieler mussten sich ihre Fehler nochmals anschauen. "Wir haben mit der Defensiv- und Offensivabteilung separat Szenen gemeinsam aufgearbeitet", berichtet Dardai. Dabei haben wir sehr ehrlich miteinander gesprochen – mal netter, mal im harten Ton".

Da seine Profis alle noch sehr jung seien, müsse er die richtige Balance treffen. Gerade in solchen Situationen vermisse Dardai die älteren Spieler wie Salomon Kalou oder Vedad Ibisevic, die in der Kabine die Nachwuchsleute mit ausbildeten. Winter-Zugang Sami Khedira konnte diese Rolle aufgrund seiner Verletzung bisher nicht ausfüllen. Sieben Partien Überlebenskampf sind es noch, nur zwei Punkte Abstand zum Relegationsplatz, jetzt das Heimspiel gegen Gladbach. "Es ist ein Spiel, das du gewinnen kannst", glaubt Dardai. "Dann haben wir etwas Luft in der Tabelle." Wenn nicht, wird die Luft im Abstiegskrimi immer dünner.

Der Gegner

Nach einer längeren Negativserie hat sich Borussia Mönchengladbach vor dem Gastspiel im Berliner Olympiastadion wieder gefangen. Zuletzt gab es zwei Siege in Folge (auf Schalke und gegen Freiburg) – da hofft Trainer Marco Rose gegen Hertha auf ein weiteres Erfolgserlebnis. "Es war wichtig, in die Spur zurückzufinden. Jetzt müssen wir drin bleiben, das ist die Kernaufgabe", sagt Rose, der zur kommenden Saison zu Borussia Dortmund wechselt. Mit einem weiteren Punkte-Dreier in Berlin könnten die Gladbacher erstmals drei Siege in Serie in dieser Spielzeit feiern. Dies würde die Mannschaft im Kampf um die internationalen Startplätze ein Stück weiterbringen.

"Dann dürfen wir uns jetzt aber keine Schwächephase mehr erlauben", sagte Borussias Sportdirektor Max Eberl. Rose betonte dagegen, dass man trotz des Wechsels auf Dreierkette nach der Pause im Spiel gegen Freiburg zukünftig weiterhin mit Viererkette agieren werde. "Natürlich werden wir auch gegen eine Dreierkette mit unserer gewohnten Grundordnung auflaufen", sagte Borussias Trainer. Gladbach muß gegen Hertha weiterhin auf Jonas Hofmann und Nico Elvedi verzichten. Nationalspieler Hofmann soll nach seiner Corona-Erkrankung am nächsten Dienstag wieder ins Training einsteigen. Innenverteidiger Elvedi konnte bislang noch nicht wieder trainieren. Für die Partie wird es laut Trainer Marco Rose wohl nicht reichen.

 

Besonderheiten

Hertha BSC hat die Stelle des Torwarttrainers nach der Trennung von Zsolt Petry neu besetzt - die Wunschlösung Gabor Kiraly wird es allerdings nicht. Bis zum Saisonende rückt Ilja Hofstädt von Herthas U19 in den Profibereich auf. "Unsere Wunschlösung hat leider nicht geklappt. Wir haben uns sehr darum bemüht, Gabor Kiraly für uns zu gewinnen", sagte Sportdirektor Arne Friedrich, der über lange Gespräche mit dem Ungarn berichtete. "Pal hat lange mit ihm gesprochen, ich habe lange mit ihm gesprochen und auch Zecke". (Andreas "Zecke" Neuendorf, Anm. d. Red.)

Herthas Ex-Keeper Kiraly wäre "der perfekte Mann in dieser Situation gewesen. Leider musste er uns absagen", so Friedrich. Kiraly nannte demnach geschäftliche Verpflichtungen in Ungarn als Grund. Über eine Zusammenarbeit ab der kommenden Saison sei nicht gesprochen worden. "Das steht auch nicht zur Debatte", so Friedrich. Hertha hatte Zsolt Petry am Dienstag freigestellt, nachdem der 54-Jährige Landsmann von Trainer Dardai in der ungarischen Tageszeitung "Magyar Nemzet" homophobe und migrationsfeindliche Aussagen getätigt hatte. Die "zweite Option" Hofstädt wird die Arbeit für den Rest der laufenden Saison übernehmen. "Ilja bekommt von uns jegliches Vertrauen, jegliche Unterstützung", sagte Friedrich: "Wir sind auf der Position sehr gut besetzt."

Sendung: rbb24, 08.04.2021, 22 Uhr

1 Kommentar

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 1.

    Ich habe da ein ganz mieses Gefühl...

Nächster Artikel