Unions Marius Bülter (r.) im Zweikampf mit Bayerns Benjamin Pavard (imago images/Matthias Koch)
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Auswärtsspiel beim FC Bayern München - Union fordert "die beste Mannschaft der Welt"

Sechs Titel innerhalb eines Jahres: Der FC Bayern ist klarer Favorit im Heimspiel gegen Union. Und doch gibt es Fakten, die den Köpenickern Hoffnung machen für ihre Reise nach München. Und das hat nicht nur mit dem Fehlen des Weltfußballers zu tun. Von Jakob Rüger

Das Personal

Es ist jede Woche das gleiche Spiel. Zu Beginn der Spieltags-Pressekonferenz wird Unions Trainer Urs Fischer nach den verletzten Spielern gefragt. Während Stürmer Anthony Ujah schon die ganze Saison wegen Knieproblemen fehlt, hat auch Sheraldo Becker seit Ende Januar kein Spiel mehr absolviert. Eine Rückkehr der beiden Offensivkräfte ist laut Fischer noch weit weg. Auch die Bayern-Leihgabe Leon Dajaku wird im Spiel gegen seinen Ex-Verein nicht zur Verfügung stehen. Zuletzt hatte Stürmer Dajaku aber auch nur provisorische Einsätze als Joker.

Einen interessanten Konkurrenzkampf beobachtet Urs Fischer auf der Linksverteidigerposition. Christopher Lenz, eigentlich gesetzt aber zuletzt mit Muskelproblemen, steht wieder zur Verfügung. Er mache einen "frischen und zielstrebigen Eindruck", so Fischer. Da allerdings der Norweger Julian Ryerson, eigentlich gelernter Rechtsverteidiger, seine Sache auf links zuletzt sehr gut machte, hat Fischer "die Qual der Wahl". Innenverteidiger Nico Schlotterbeck musste unter der Woche im Training etwas kürzer treten, weil er immer wieder über Halsschmerzen klagte. Ein Einsatz gegen die Bayern sei aber nicht in Gefahr.

Es fehlen: Anthony Ujah (andauernde Knie-Probleme), Sheraldo Becker (Operation am linken Bein), Taiwo Awoniyi (Reha nach Muskelverletzung), Leon Dajaku (Fußverletzung)

Die Form

Union spielte in dieser Saison bereits zwölf Mal unentschieden, so oft wie keine andere Mannschaft. Die Eisernen verlieren selten, aber in der Tabelle kommen sie auf dem siebten Platz nicht vom Fleck, weil die Chancen auf einen Sieg immer wieder liegen gelassen werden. Im Hauptstadtderby gab es am Ostersonntag ein 1:1 gegen Hertha BSC. Obwohl die Köpenicker die bessere Mannschaft waren, taten sie sich schwer, Torchancen zu erarbeiten. Dabei erzielte Union wieder einmal in der Anfangsviertelstunde den Führungstreffer, kein Team in der Liga trifft in den ersten 15 Minuten so oft wie die Eisernen.

Dennoch macht der 1.FC Union derzeit zu wenig aus seinen Möglichkeiten. Auch wenn das Jammern auf sehr hohem Niveau ist. Nach 27 Spieltagen stehen schon 39 Punkte auf dem Konto. Mit dieser Ausbeute ist noch nie eine Mannschaft aus der 1. Liga abgestiegen. Natürlich könnte das Team von Urs Fischer theoretisch noch durchgereicht werden, doch viel wahrscheinlicher ist, dass zeitnah auch rechnerisch alles geklärt ist, womöglich schon an diesem 28. Spieltag, wenn die Konkurrenz im Tabellenkeller mitspielt.

Der Gegner

Trainer Urs Fischer hat am Mittwochabend genau hingeschaut beim Viertelfinal-Hinspiel in der Champions-League, als die Bayern sich mit 2:3 gegen Paris geschlagen geben mussten. "Die Effizienz habe ich mir abgeschaut", so Fischer über seinen Fernsehabend. "Paris war sehr effizient, Bayern hatte viele Chancen, aber Paris hat es besser gemacht." Auch der 1. FC Union wird in München nicht viele Chancen bekommen. Die, die es gibt, muss Fischers Team nutzen.

"Wir dürfen uns keine Gedanken machen, wer da auf der anderen Seite steht", fordert Unions Trainer. Schließlich haben die Bayern aktuell mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Leon Goretzka und Niklas Süle sind angeschlagen, Serge Gnabry fehlt wegen Corona und Toptorjäger Robert Lewandowski ist verletzt. "Ich gehe trotzdem davon aus, dass sie bereit sind für die Aufgabe Union Berlin", so Fischer. "Sie haben schon gezeigt, dass sie mit Rückschlägen umgehen können, sie werden die Niederlage gegen Paris gegen uns wettmachen wollen." Schließlich ist der FC Bayern für den Schweizer Chefcoach "die beste Mannschaft der Welt, weil sie alles gewonnen haben, was du als Vereinsmannschaft gewinnen kannst."

Unioner im Fokus

Die Außenseiterrolle, wenn niemand dir etwas zutraut – eine solche Rolle liebt Urs Fischer. Der Schweizer hat es in den letzten zwei Jahren immer wieder geschafft, die Großen der Liga zu ärgern. Zwar gab es gegen die Bayern noch keinen Sieg, doch die bisherigen drei Pflichtspiele waren stets eng und umkämpft. Im Hinspiel gab es im Stadion An der Alten Försterei ein überzeugendes 1:1. Union ging sogar durch Prömel in Führung und hatte die Bayern am Rande einer Niederlage.

"Das Ergebnis aus dem Hinspiel hilft uns zu wissen, dass wir nah dran waren", so Fischer, der viel Selbstvertrauen aus dem letzten Duell ziehen will. "Wir hatten natürlich auch das nötige Glück. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, waren kompakt, die Mischung aus Defensive und Offensive hat gepasst. Es braucht eine außerordentliche Leistung von uns, wenn du gegen diese Bayern punkten willst." Der Trainer glaubt daran, dass auch in München etwas möglich ist.

Besonderheiten

Der FC Bayern ohne Stürmerstar Robert Lewandowski? Kaum vorstellbar. Nun hat es den Polen bei der Nationalmannschaft aber mit einer Knieverletzung erwischt, somit fehlt den Münchnern der torgefährlichste Spieler der Liga (35 Tore in 25 Spielen). Schon zweimal musste der FC Bayern in dieser Bundesliga-Saison ohne Robert Lewandowski antreten. In Köln (2:1) und in Leipzig (1:0) gab der Spitzenreiter dabei die wenigsten Torschüsse ab (6 bzw. 9).

Auf diese Statistik angesprochen, konterte Unions Trainer Urs Fischer jedoch zu Recht: "Wie viele Torschüsse hatten die Bayern gegen Paris?" Es waren 31 Schüsse auf das Pariser Tor, eine beeindruckende Zahl. Dennoch: Ohne den Weltfußballer Lewandowski fehlt den Bayern die Effizienz. Das sollte dem 1. FC Union Mut machen.

Sendung: rbb UM6, 08.04.2021, 18:15 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger

6 Kommentare

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  1. 6.

    Die Bayern kennen halt solche Probleme wie Fluglärm und Störung der Nachtruhe nicht. Dort gibt es keine Stadt die so groß ist wie Berlin + Speckgürtel + Potsdam.

  2. 5.

    Das Spiel findet um 15:30 statt, da kommt ein anschließendes Nachtflugverbot wohl kaum infrage. ;-)
    Die Bayern werden nach der Schlappe in der CL mit ordentlich Wut im Bauch aufspielen, und sich gegen den FCU wohl kaum die dort gemachten Fehler in der Defensive leisten wollen. Es kann nur darum gehen, ordentlich zu verteidigen und evntl. auch mal Nadelstiche zu setzen; mehr wird nicht drin sein.

  3. 4.

    Union Berlin hat in diesem Spiel nichts zu verlieren - also auf geht´s, die Vorzeichen standen schon schlechter!

  4. 3.

    Nun, nach den sechs Titel in einem Jahr für die Bayern, sieht es in diesem Jahr eher nach nur einem aus.
    Wenn es Union schafft, in der ersten Hälfte das 1:0 zu schießen, könnte es klappen, denn in keiner Saison hat Bayern mehr Tore bekommen, wie in dieser. Und, dass die Truppe zu schlagen ist, hat die Saison schon gezeigt. Selbst ein 2.Liga-Verein gab denen eine beachtliche Klatsche.
    Nur, sollte Union gewinnen, sollten sie sich auch eine lange Nacht im Flieger einstellen.
    Die Bayern sind nachtragend. Während der Vorgestrafte Höneß von der Verletzung der Menschenrechten fabulierte, nur weil sein Mannschaftflieger nicht starten durfte, weil diese in den Nachtflugverbot kam, die aber nach Katar fliegen, scheint bei denen alles möglich zu sein.
    Selbst ein Sieg der Besten Mannschaft Berlins.

  5. 2.

    lieber Stefan, Termin ist nachzulesen, rbb Text, Seite 224 oder Union-App oder, oder, oder..............viiieeeel Spassssss, übrigens: schöner Artikel

  6. 1.

    Ein ganzer Text über ein Spiel, aber nicht ein einziges Mal die Info, wann es stattfindet...

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