Der 1. FC Union im Training vor dem Hauptstadtderby. / imago images/Contrast
Audio: Inforadio | 03.04.2021 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Contrast

1. FC Union vor dem Derby - Eiserne Revanche in Köpenick

Eigentlich steht der Sieger im vierten Hauptstadtderby bereits fest. Schließlich hat laut Statistik in allen Bundesliga-Duellen zwischen dem 1. FC Union und Hertha BSC das Heimteam gewonnen - und die Eisernen haben etwas gutzumachen. Von Jakob Rüger

Das Personal

Es war eine ungewöhnliche Woche für Unions-Trainer Urs Fischer. Gleich sechs Nationalspieler standen wegen Länderspielreisen nicht zur Verfügung. "So viele Leistungsträger mussten wir wohl noch nie abstellen", so Fischer. Immerhin alle sind mittlerweile gesund und munter wieder in Köpenick eingetroffen. Doch zwei Trainingseinheiten müssen als Vorbereitung auf das Derby am Sonntag (18 Uhr, live im Inforadio, bei Facebook und hier auf rbb|24 mit Hertha-Legende Axel Kruse und Union-Urgestein Christian Beeck) nun reichen.

Linksverteidiger Christopher Lenz ist nach seiner Muskelverletzung zuletzt ein Kandidat für die Startelf gegen Hertha. Damit entspannt sich die Lage auf der linken Seite etwas. Auch Niko Gießelmann trainiert wieder mit dem Team, ein mögliche Kadernominierung für das Derby kommt laut Urs Fischer aber noch zu früh. Genau wie bei Stürmer Taiwo Awoniyi: In der vergangenen Woche gab es ein Testspiel gegen Zweitligist Eintracht Braunschweig. Beim 1:2 hat sich die zweite Reihe nicht nachhaltig für einen Derbyeinsatz empfehlen können.

Es fehlen: Anthony Ujah (andauernde Knie-Probleme), Sheraldo Becker (Operation am linken Bein), Taiwo Awoniyi (Reha nach Muskelverletzung), Niko Gießelmann (Reha nach Schulterverletzung)

Die Form

Erstmals hat der 1. FC Union in dieser Saison fünf Gegentore kassiert und sah defensiv wirklich schlecht aus. Mit der 2:5-Klatsche in Frankfurt ging es in die Länderspielpause. Trotzdem ist die Stimmung ausgezeichnet in der Alten Försterei. Mit einem Derbysieg könnten die Eisernen die Punktausbeute der Vorsaison erreichen. 41 Zähler würden auch die letzten Zweifel am Klassenerhalt beseitigen. Der Union-Motor stotterte in den letzten Spielen etwas (zwei Siege in zehn Spielen) und doch halten die Eisernen den Kontakt zu den Europapokalplätzen. Der 1. FC Union steht weiterhin dort, wo Hertha BSC gern wäre.

Der Gegner

Was war der Jubel groß bei Hertha nach dem 3:1-Heimsieg im letzten Hauptstadtderby im Olympiastadion. Von da an sollte alles besser werden. Es wurde aber noch schlimmer. Niederlagenserien, Abstiegskampf und Trainerwechsel, einen Seitenhieb konnte sich Unions Robert Andrich da nicht verkneifen: "Die Tabelle lügt nicht, wir haben schon mehr als zwei Drittel der Saison gespielt", so Andrich. "Bestimmt werden sie sich bei Hertha denken: Warum stehen wir so weit hinter dem 1. FC Union?"

Doch Übermut kommt in Köpenick trotzdem nicht auf. Trainer Urs Fischer warnt vor der aufsteigenden Form des Stadtrivalen unter Pal Dardai. "Sie sind kompakter und organisierter in den letzten Spielen, die neue Solidarität im Team macht sich bemerkbar", analysiert der Schweizer. Klar sei aber auch: "Wir werden alles daran setzen das Derby zu gewinnen. Das 3:1 aus dem Hinspiel ist noch in unseren Köpfen, wir haben etwas gut zu machen."

Unioner Andrich im Fokus

Ist er nun Hertha-Fan oder doch Unioner? Diese Frage musste Robert Andrich die letzten Tage beantworten. Sein ehemaliger Mitspieler und jetziger Hertha Co-Trainer Andreas "Zecke" Neuendorf verkündete mit einem Augenzwinkern: "Ich kenne Robert Andrich noch aus Herthas U23, er ist heimlich immer noch Hertha-Fan". Der Unioner Mittelfeldspieler konterte: "Das hätte er wohl gerne." Kleine Spitzen und Sticheleien, die für Andrich zu einem solchen Duell dazugehören.

Für den Berliner, der bei Hertha groß geworden ist und trotzdem längst zu den Union-Publikumslieblingen zählt, hat das Derby eine besondere Bedeutung. Andrich wird es im defensiven Mittelfeld mit Herthas Spielmacher Cunha (mit sieben Treffern Herthas bester Torschütze) zu tun bekommen. Und er steht nach seiner Roten Karte wegen eines übertriebenen Einsatzes im Hinspiel unter besonderer Beobachtung. Emotionen sind erwünscht, aber sie müssen kontrolliert werden, sonst schadet man dem eigenen Team, wie das Hinspiel bewiesen hat.

Besonderheiten

Bodenständig, pragmatisch, konsequent und realistisch - Charaktereigenschaften, die auf Herthas Trainer Pal Dardai und Unions Chefcoach Urs Fischer gleichermaßen zutreffen. Die beiden Cheftrainer ähneln sich in ihrem Auftreten und hatten doch bislang keinerlei Berührungspunkte. Für Hertha-Rekordspieler Pal Dardai ist es das erste Hauptstadtderby, Urs Fischer schüttelt am Sonntag bereits dem dritten Hertha-Trainer im vierten Derby die Hand. "Ich freue mich sehr auf unser erstes Treffen am Sonntag im Stadion", so Urs Fischer, der natürlich hofft, Pal Dardai nach 90 Minuten auch als Derbysieger die Hand zu schütteln.

Die noch kurze Geschichte des Hauptstadt-Derbys

Sendung: rbb24, 02.04.2021, 18 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger

7 Kommentare

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  1. 7.

    Zitat: "Lasst uns Herthaner und Unioner das Derby genießen und möge der Bessere gewinnen."

    Na das sind doch mal ein paar vernünftige Worte von Ihnen, Negan. Das macht ja fast Ihren gestrigen Kommentar #16 wieder wett . . .

  2. 6.

    Zitat: "Und Union mit dem ewigen "U.N.V.-E.U" zeugt auch nicht grade von viel Phantasie - wenn schon ZWEI einzelne Wörter Gefahr laufen vergessen zu werden..."

    So Pinguin, Bildungsauftrag Lesson one:

    Dieses U.N.V. hat durchaus seine Geschichte, die gar nicht mal so alt ist. Und zwar wurde es zuerst in den 90er Jahren von zwei legendären Fans in ihrer Korrespondenz verwendet. Ursprünglich als Abkürzung aus der Funkersprache stammend, hat es sich relativ schnell unter FCU Fans als Zusatz zum althergebrachten "Eisern Union" eingebürgert.

  3. 4.

    quod erat demonstrandum

    Auch wenn Sie die Steigerung sind, denn Sie „schiessen“ gegen beide Vereine.

  4. 3.

    Naja.... ein Pinguin ist ja ein lustiger Vogel der auch nicht fliegen kann und von daher ist der sinnfreie Kommentar auch kein Wunder.
    Ist ja auch nicht weiter schlimm wenn in der jetzigen Zeit einige Menschen mit ihrem Leben anscheinend unzufrieden sind.
    Lasst uns Herthaner und Unioner das Derby genießen und möge der Bessere gewinnen.

  5. 2.

    Naja - was wird denn auch anderes erwartet? Richtig feiern würden die wenigsten im Stadion.
    Hertha-Fans war schon immer bekannt dafür, dass sie lieber den Gegner diffamieren wollen, als die eigene Mannschaft anzufeuern...
    Und Union mit dem ewigen "U.N.V.-E.U" zeugt auch nicht grade von viel Phantasie - wenn schon ZWEI einzelne Wörter Gefahr laufen vergessen zu werden...

  6. 1.

    Kann es sein, dass ihr die Fans etwas gegeneinander aufpushen wollt @ rbb? Rivalität ist toll, wenn sie sportlich ist, aber wenn ich die Kommentare so lese, sehe ich kaum Fairness. Und je mehr ihr in den Berichten mal die Anne mal die andere Mannschaft behandelt, desto mehr provoziert ihr das. Der Sinn erschließt sich mir nicht

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