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Quelle: Imago Images / camera4+ / Tilo Wiedensohler

Union vor Spiel gegen Stuttgart

Urs Fischer will im Bundesliga-Endspurt nach Europa

Union Berlin hat die magische 40-Punkte-Marke erreicht und sein Saisonziel, den Klassenerhalt, im Prinzip gleich mit. Der richtige Zeitpunkt für Urs Fischer, um den Blick im Saison-Endspurt doch noch einmal vorsichtig nach oben zu richten. Von Simon Wenzel

Das Personal

Union-Trainer Urs Fischer kann im Spiel gegen den VfB Stuttgart (Samstag, 15:30 Uhr) auf dieselben Spieler bauen, die auch einen Punkt aus München vom FC Bayern mit nach Berlin brachten. Auch Kapitän Christopher Trimmel dürfte also nach seinem Nasenbeinbruch, den er sich am Wochenende gegen den Rekordmeister zugezogen hatte, auf dem Platz stehen. Der Österreicher absolvierte am Donnerstag mit einer Schutzmaske das Mannschaftstraining und habe dabei keine Atemprobleme gehabt, berichtete Urs Fischer auf der Pressekonferenz.

Verzichten muss der Schweizer damit nur auf das bereits länger verletzte Angriffs-Quartett Ujah, Becker, Awoniyi und Dajaku.

Es fehlen: Anthony Ujah (andauernde Knie-Probleme), Sheraldo Becker (Operation am linken Bein), Taiwo Awoniyi (Reha nach Muskelverletzung), Leon Dajaku (Fußverletzung)

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Ein Schuss ins Klo

Die Form

Spielerisch ist der 1. FC Union weiterhin in guter Form. Gegen den FC Bayern belohnten sich die Eisernen mit einem späten Ausgleichstreffer für eine gute Leistung. Das war - wenn man so will - eine neue Erfahrung. In dieser Saison lief es meist andersrum, Union kam gut in die Spiele und kassierte spät Gegentore. In den letzten Wochen stimmten die Ergebnisse deshalb nicht immer, trotzdem ist Union immer noch in einer komfortablen Tabellensituation. Sechs Spieltage vor Schluss traut sich Urs Fischer deshalb auch öffentlich von Träumen nach einem internationalen Wettbewerb zu sprechen.

"Wir stehen doch da oben, dann wollen wir auch da oben bleiben. Wenn du eine Möglichkeit hast, die Chance zu nutzen, dann musst du doch versuchen sie zu nutzen", sagte der Trainer und präzisierte: "Der Ansporn sich fürs internationale Geschäft zu qualifizieren, der ist da und da werden wir alles versuchen." Diese verbale Angriffslust ist durchaus neu bei den Köpenickern aber durch die fußballerischen Leistungen der Saison legitimiert. Damit Union tatsächlich um die Qualifikation für die Europapokalwettbewerbe mitspielen kann, müssen die Köpenicker ihre Form halten und gleichzeitig in der Chancenauswertung wieder etwas konsequenter zu werden. Denn aus den vergangenen zehn Spielen konnte das Team von Urs Fischer nur zwei Siege einfahren. Allerdings gingen auch nur zwei Partien verloren.

Der Gegner

Auch der VfB Stuttgart darf noch von einem Startplatz für einen europäischen Wettbewerb träumen. Die Schwaben spielen als Aufsteiger eine beeindruckende Saison und stehen derzeit nur einen Punkt hinter Union auf Tabellenplatz neun. Das Team von Pellegrino Matarazzo begeistert mit mutigem und offensiv ausgerichteten Spiel. Urs Fischer erwartet einen "spielerisch starken" Gegner und warnt vor allem vor den schnellen Stuttgarter Spielern, die "1-gegen-1-Situationen lieben."

Besonders das Duo Borna Sosa und Saša Kalajdžić sorgte in den vergangenen Wochen beim VfB für Furore. Flanke Sosa, Kopfball Kalajdžić - das ist zu einem bewährten Mittel im Offensivspiel der Stuttgarter geworden. Kalajdžić, mit zwei Metern der größte Stürmer der Bundesliga, erzielte neun Tore in den letzten zehn Spielen. "Er macht das im Moment sehr gut", erkennt auch Unions Trainer Urs Fischer an und beschreibt die Aufgabe für seine Mannschaft: "Auf der einen Seite gilt es Flanken nicht zu zu lassen und auf der anderen Seite gilt es, ihn im Strafraum konsequent zu verteidigen. Da ist die ganze Mannschaft gefragt, dass Stuttgart vor allem im Spiel über die Seite nicht in Situationen kommt um zu flanken."

Die Unioner wissen, was auf sie zukommt: Im Hinspiel, beim 2:2, erzielte der Österreicher Kalajdžić als Einwechselspieler beide Tore für den VfB.

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Christian Gentner macht gar kein Geheimnis daraus, dass er am Samstag besonders gerne auf dem Platz stehen möchte. Der 35-Jährige gebürtige Nürtinger (gehört zur Region Stuttgart) spielte insgesamt 17 Jahre für den VfB. Nachdem Gentner das Hinspiel verletzungsbedingt verpasste, wäre es das erste Mal, dass er als Unioner gegen "seinen" Verein spielt. "Das ist kein Spiel wie jedes andere", sagte der Routinier und erklärte: "Ich glaube, das nimmt mir auch keiner von Union Berlin übel, dass ich insgeheim noch Fan dieses Klubs bin und mich freue, wenn der VfB Stuttgart erfolgreich Fußball spielt." Natürlich nur, wenn es nicht gegen ihn sebst und den 1. FC Union geht.

Auch Trainer Urs Fischer weiß um die besondere Beziehung seines zentralen Mittelfeldspielers zum kommenden Gegner. Eine Startelf-Garantie wollte er ihm deshalb nicht aussprechen, es gehe schließlich "in erster Linie über Leistung." Aber Fischer sagte auch: "Ich glaube, wenn du gegen deinen Ex-Klub spielst, wo du eine lange Zeit verbracht hast, dass das ein spezielles Spiel ist, das habe ich selbst in meiner Karriere auch erlebt, das ist so." Und auch mit dem maßgeblichen Kriterium, Leistung, hat sich Gentner empfohlen: "Genti hat das im letzten Spiel gut gemacht, ist noch rein gekommen (Anm. d. Red.: Gentner wurde gegen den FC Bayern in der 80. Minute eingewechselt). Im vorletzten hat er von Anfang an gespielt und hat ein tolles Spiel gegen die Hertha gemacht. Also die Möglichkeit besteht, dass er in der Startformation steht", sagte Fischer.

Besonderheiten

Das letzte Aufeinandertreffen zwischen Union und dem VfB Stuttgart im Stadion An der Alten Försterei vor fast zwei Jahren war ein historisches. Am 27. Mai 2019 gelang Union mit dem 0:0 im Relegationsrückspiel der Aufstieg in die Bundesliga. Schöne Erinnerungen für jeden Unioner. Abgesehen von Christian Gentner, denn der stand damals noch als Kapitän des VfB Stuttgart auf der anderen Seite und stieg ab.

Die rauschhaften Jubelszenen von damals lassen jeden Fußballfan nostalgisch an die Zeit vor Corona zurückdenken und stehen im krassen Gegensatz zum Geisterspiel, welches die Akteure dieses mal erwartet. Immerhin: Beide Teams haben ihr Saisonziel, den Klassenerhalt, schon so gut sicher und so kann es vielleicht in der nächsten Saison ein Wiedersehen mit Fans im Stadion geben.

Sendung: Inforadio, 17.04.2021, 8:15 Uhr

Beitrag von Simon Wenzel

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