Herthas Matheus Cunha (l.) im Duell mit Unions Marvin Friedrich (imago images/O.Behrendt)
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Hertha und Union im Vergleich - Das sind die Stärken und Schwächen der Derby-Gegner

Wer hat die bessere Abwehr, wer den besseren Sturm? Vor dem Hauptstadtderby zwischen Union und Hertha am Sonntag offenbart der Blick in die einzelnen Mannschaftsteile: es wird spannend. Von Ilja Behnisch

Die Torhüter

Als Pál Dárdai Ende Januar zum zweiten Mal den Cheftrainer-Posten bei Hertha BSC übernahm, veränderte er seine Mannschaft ausgerechnet auf der Position, auf der sie für viele Beobachter noch am wenigsten Probleme hatte. Doch Alexander Schwolow (28) habe eben "kein Torwartglück" gehabt, so Dárdai, weshalb seither wieder Routinier Rune Jarstein (36) zwischen den Pfosten steht. Der zeigte gleich im ersten Spiel gegen Eintracht Frankfurt (1:3) großartige Paraden, patzte später gegen Borussia Dortmund (0:2) und war zumeist einfach ein solider Rückhalt.

Auch Jarsteins Köpenicker Gegenüber, Andreas Luthe (34), war nicht fehlerfrei in dieser Saison, leistete sich vor allem im Derby-Hinspiel folgenschwere Fehler und blieb doch und trotz der namhaften Konkurrenz durch Liverpool-Leihgabe Loris Karius (27) Unions Nummer eins. Sowohl Jarstein als auch Luthe werden das Torwart-Spiel wohl nicht mehr revolutionieren. Dafür strahlen sie allein schon angesichts ihrer Erfahrung viel Ruhe und Souveränität aus. Ein Duell auf Augenhöhe.

Hertha - Union 1:1

Die Innenverteidiger

Auch im Verteidigungszentrum sah sich Pál Dárdai zu Veränderungen gezwungen. Drei Spiele über (Frankfurt, München, Stuttgart) versuchte er es mit einer Viererkette. Im Heimspiel gegen Leipzig dann kam erstmals die Dreierkette zur Aufführung, Startelfdebüt für Sohn Márton Dárdai (19) und Überraschungscomeback von Lukas Klünter (24) inklusive. Dazwischen gibt Niklas Stark den unumstrittenen (und umsichtigen) Abwehrchef.

Union Berlin hingegen wechselt je nach Gegner zwischen Dreier- und Viererkette. Dabei zumeist gesetzt sind Robin Knoche (28) und Marvin Friedrich (25), der bereits immer mal wieder als kommender Nationalspieler gehandelt wird. Und auch wenn sich Herthas neuer Defensivverbund zuletzt gefestigt zeigte, sprechen nicht nur die Zahlen (Union 32 Gegentore, Hertha 45) für Unions Prunkstück, sondern zumindest der aktuellen Konstellation sogar der Klang der Spielernamen.

Hertha - Union 1:2

Die Außenverteidiger

Mit Deyovaisio Zeefuik (23) hat Pál Dárdai eine weitere Überraschung aus dem Ärmel geschüttelt. Über dem Niederländer kreiste bereits der Stempel mit dem Aufdruck Fehleinkauf. Zuletzt überzeugte er aber nicht nur wegen seines Tores gegen Bayer Leverkusen. Auf der linken Seite fällt der zumeist eingesetzte Maximilian Mittelstädt (24) weder sonderlich auf noch ab.

Bei Union nehmen die defensiven Außendienstmitarbeiter traditionell eine Schlüsselrolle ein. Auch wenn Kapitän und Rechtsverteidiger Christopher Trimmel (34) inzwischen kaum noch durch Torvorlagen bei Standardsituationen zu glänzen vermag, stehen er und sein Pendant auf der linken Seite, Christopher Lenz (26), nahezu stellvertretend für den sensationellen Aufstieg Unions bis auf Rang sieben in der Bundesliga. Weshalb auch dieser Punkt nach Köpenick geht.

Hertha - Union 1:3

Die zentralen Mittelfeldspieler

Lucas Tousart (23) spielt unter Pál Dárdai inzwischen auf einem Niveau, dass immer weniger fragen lässt, weshalb der Franzose der Hertha mehr als 20 Millionen Euro an Ablöse wert war. Vor allem gegen Leverkusen glänzte Tousart als kompromissloser Abräumer und zudem als geistesgegenwärtiger Umschaltspieler. Auch ansonsten lesen sich vor allem die Namen von Mattéo Guendouzi (21), Sami Khedira (33) und Santiago Ascacíbar (24) tatsächlich eher nach Europapokal denn nach Abstiegskampf.

Bei Union Berlin klingen die zumeist zentral eingesetzten Robert Andrich (26) und Grischa Prömel (26) hingegen eher nach reichlich Schmerzen - für den Gegner. Und obwohl sich die beiden, so wie die komplette Mannschaft, auch fußballerisch gesteigert haben in den vergangenen eineinhalb Jahren Bundesliga, liegen hier sowohl das größere Potential als auch die aktuelle Leistungsstärke auf Seiten der Herthaner.

Hertha - Union 2:3

Die Flügelspieler

Über einen längeren Zeitraum der Saison lehrte Dodi Lukebakio (23) eher den eigenen Anhängern denn den Gegnern das Fürchten. Zumindest das hat sich in den vergangenen Wochen wieder in das natürliche Gegenteil verkehrt. Dennoch bleibt Hertha offensiv insgesamt erschreckend flügellahm. Matheus Cunha (21) ist zentral besser aufgehoben als auf links. Die Alternativen, inklusive Leihgabe Nemanja Radonjić (25), wussten kaum zu überzeugen.

Bei Union hat man zuletzt gleich ganz auf klassische Flügelspieler verzichtet. Das hängt auch mit den Verletzungen von Sheraldo Becker (26) und Taiwo Awoniyi (23), sowie der Rückkehr von Max Kruse (33) zusammen, dessen Spielfeldposition noch am ehesten mit "Überall" beschrieben ist. Marius Bülter (28) kämpft um die Form früherer Tage, Keita Endo (23) um Einsätze und Konstanz. Marcus Ingvartsen (25) spielt zwar fast immer, jedoch selten klassisch an der Außenseite klebend. Kurzum: Auf dieser Position weiß keine Mannschaft zu überzeugen - Unentschieden.

Hertha - Union 3:4

Die Mittelstürmer

Herthas Stürmer sind wie ein Lottoschein mit sechs Richtigen, der nicht abgegeben wurde. Eigentlich ist alles da, allein der Ertrag fehlt. Matheus Cunha (21) vermag Dinge, die sich andere nicht einmal vorstellen können. Krzysztof Piątek verfügt im Strafraum über Abschluss-Qualitäten auf Weltklasse-Niveau. Jhon Córdoba wiederum über eine Durchsetzungskraft, die zumindest in der Bundesliga ihresgleichen sucht. Allein, ohne gescheite Anspiele der Kollegen hängen selbst die wunderbarsten Stürmer auch mit Berliner Luft auf dem Trockenen.

Auch nach zwischenzeitlich gefühlt sieben Jahren Verletzungspause führt Max Kruse die Torschützenliste bei Union Berlin an. Zehn Treffer stehen zu Buche, Taiwo Awoniyi auf Platz zwei kommt gerade einmal auf fünf Treffer. Und fehlt verletzt. Joel Pohjanpalo (26), Petar Musa (23) und Cedric Teuchert (24) müssen erst noch beweisen, mehr als nur für sporadische oder Joker-Einsätze gut zu sein. Betrachtet man einzig und allein die individuelle Klasse, geht dieser Punkt klar an die Hertha.

Hertha - Union 4:4

Die Trainer

Kurze Antwort: Unentschieden. Längere Antwort: Sowohl Pál Dárdai als auch Urs Fischer sind längst Vereinslegenden, fachlich über jeden Zweifel erhaben und starke Persönlichkeiten. Eine Diskussion darüber, wer wen auf welchem Feld ausstechen mag, ist möglich, aber sinnlos.

Hertha - Union 5:5

Sendung: Inforadio, 01.04.2021, 20 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Also Unentschieden. Dafür gab es beim RBB aber noch keinen eigenen Artikel.

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