Zweikampf zwischen Unions Marvin Friedrich und Youssoufa Moukoko vom BVB (Quelle: imago images/Matthias Koch)
Audio: Inforadio | 21.04.2021 | Johannes Mohren | Bild: imago images/Matthias Koch

Union reist zum BVB - Eklig und mit Ambitionen

In der englischen Woche ist der 1. FC Union am Mittwoch in Dortmund gefordert. Der Gegner ist mitten in einer Aufholjagd und gehörig unter Druck. Die Köpenicker wissen um die Dortmunder Stärken - und auch, was sie ihnen entgegensetzen wollen. Von Johannes Mohren

Das Personal

Die Personallage beim 1. FC Union ist im Flutlicht-Spiel am Mittwochabend (20:30 Uhr) bei Borussia Dortmund weiterhin unverändert. "Es besteht die Möglichkeit, dass der Kader der gleiche ist", sagte Urs Fischer auf der Pressekonferenz am Montag. Eine gute Nachricht für den Trainer. Denn bis auf seine länger verletzten Offensivspieler Anthony Ujah, Sheraldo Becker, Taiwo Awoniyi und Leon Dajaku - neben seiner Fußverletzung nun auch mit positivem Corona-Befund während der Reha in Stuttgart - stehen dem 55-jährigen Schweizer alle Spieler zur Verfügung.

Durchaus denkbar, dass Fischer in der englischen Woche auf der einen oder anderen Position rotiert. "Die Möglichkeit besteht", sagte er - aber auch: "Vor dem Spiel gegen Dortmund haben die Jungs noch vier Tage Zeit, gut zu regenerieren." Wahrscheinlicher ist es also, dass erst im Duell zuhause gegen Werder Bremen (15:30 Uhr) die Wechselspiele beginnen: "Für diese Aufgabe wird es ein bisschen schwieriger. Da ist die Zeit kürzer", so Fischer.

Es fehlen: Anthony Ujah, Sheraldo Becker, Taiwo Awoniyi (alle im Aufbautraining), Leon Dajaku (Fußverletzung und Corona-Quarantäne nach positivem Testergebnis)

Die Form

Fischer sparte nicht an Lob für den BVB. "Eine sehr schwere Aufgabe. Wir brauchen einen perfekten Tag, um etwas mitzunehmen", sagte er - nicht ohne jedoch zu ergänzen: "Aber es ist möglich." Die nachgeschobenen vier Worte sind der Ausdruck eines völlig berechtigten Selbstbewusstseins. Der Sieg gegen den VfB Stuttgart hat noch einmal Rückenwind gegeben. Der inzwischen offen formulierte Traum vom europäischen Wettbewerb könnte tatsächlich noch Realität werden.

Dafür ist in Dortmund jedoch zunächst harte Arbeit gefordert. "Wir werden versuchen, unser Spiel auf den Platz zu bekommen und über die Basics eklig zu sein. Daran wird sich nichts ändern", sagte Fischer. Mutig wollen sie auftreten, ohne übermütig zu werden. Die 2:5-Klatsche in Frankfurt - einem der Dortmunder Champions-League-Konkurrenten - vor einem Monat ist ein mahnendes Beispiel, was sonst passieren kann. Da brachten die Köpenicker nicht auf den Platz, was eigentlich wie kaum etwas Anderes zu ihrer DNA gehört: defensive Stabilität. Stattdessen versuchten sie sich im offensiven Schlagabtausch - und bekamen die Grenzen aufgezeigt. Das soll sich nicht wiederholen.

Der Gegner

... braucht ganz dringend die drei Punkte gegen den 1. FC Union, um seine Aufholjagd auf die Champions-League-Plätze fortzusetzen. Durch den 4:1-Sieg gegen Bremen ist der Rückstand auf die - am Wochenende beide unterlegenen - Teams aus Frankfurt und Wolfsburg auf vier beziehungsweise fünf Punkte zusammengeschmolzen. "Wir kommen näher und näher ran. Das ist ein gutes Gefühl", sagte Top-Stürmer Erling Haaland nach der Partie.

Fünf Spiele bleiben dem BVB noch, um die Lücke zu schließen. Vor dem direkten Duell um die Königsklassen-Platze in Wolfsburg am Samstag müssen sich die Dortmunder den Druck auf den Konkurrenten hochhalten. Die Devise ist klar: Fehltritt verboten! Denn ist für Union internationaler Wettbewerb absolute Kür, ist für Dortmund Champions-League im Grunde Pflicht. Dementsprechend entschlossen klang Trainer Erdin Terzic: "Wir nehmen nicht den Fuß vom Gaspedal, sondern wir wollen noch härter drauftreten", kündigte er an.

Unioner im Fokus

... ist Maskenmann Christopher Trimmel. Nach seiner Nasen-OP spielte der Kapitän der Köpenicker gegen den VfB Stuttgart mit Gesichtsschutz - und trat zum ersten Mal seit Ende Februar wieder in seiner Spezialdisziplin in Erscheinung: als Tor-Vorbereiter. Gleich beide Treffer legte er auf. "Er soll die Maske beibehalten. Sieht fast so aus, als ob die ein bisschen Glück bringt", witzelte sein Trainer nach der Partie.

Der Assist-Geber selbst kündigte gleich weitere Taten an. "In der letzten Saison waren es elf Vorlagen. Das will ich überbieten. Von daher habe ich schon noch ein bisschen was vor", sagte der 34-Jährige. Mindestens drei Vorlagen noch dazukommen, um das Ziel zu erreichen. Vielleicht die erste(n) ja schon gegen Dortmund. Der BVB ist auf jeden Fall gewarnt, wenn es um die Qualitäten des Österreichers geht. Denn eine der beiden Ecken, die im Hinspiel zu den Toren und letztendlich zum 2:1-Sieg des 1. FC Union führten, schoss - natürlich - Christopher Trimmel.

Besonderheiten

An eben jenes Hinspiel wird auch BVB-Interimstrainer Erdin Terzic keine guten Erinnerungen haben. Am 18. Dezember - auch damals unter Flutlicht um 20:30 Uhr - musste er in seinem zweiten Spiel seine erste Niederlage als Bundesliga-Chefcoach hinnehmen. Dortmund war am Boden. Der 38-Jährige präsentierte im Presseraum des Stadions An der Alten Försterei eine lange Mängelliste. "Wir haben uns viel vorgenommen, es aber viel zu selten umgesetzt", sagte er. Und wird wohl alles dafür tun, dass er solche Sätze am Mittwochabend nicht wird wiederholen müssen.

Sendung: rbb UM6, 20.04.2021, 18:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

1 Kommentar

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  1. 1.
    Antwort auf [Berlin] vom 20.04.2021 um 12:37

    Very interesting, "Berlin"!!!

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