In den Farben getrennt, in der Kneipe vereint - Auch Hertha-Fans spenden für Union-Kneipe

Sa 03.04.21 | 18:50 Uhr
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Ein Fanschal mit den Logos von Hertha und Union (Quelle: dpa/Hannibal Hanschke)
Bild: dpa/Hannibal Hanschke

Das "Panenka" in Friedrichshain ist besonders bei Union-Fans ein beliebter Treffpunkt. Wegen der Corona-Pandemie steht die Kneipe aber vor dem Aus. Die Besitzer baten daher um Spenden - und bekamen Unterstützung von Union- und Hertha-Fans.

18,92 Euro. Als Anke Fangmeyer und ihr Mann diese Summe unter den eingegangenen Spenden gesehen haben, war da in erster Linie natürlich Freude. Und Dankbarkeit. Denn das Paar betreibt das "Panenka". Eine Kneipe in Berlin-Friedrichshain, die besonders bei Union-Fans beliebt ist und um die es wegen der Corona-Pandemie alles andere als gut steht.

Doch etwas verwundert waren sie auch. "Wir haben uns über diese krummen Beträge gewundert. Als Unioner kommt man da nicht gleich drauf, dass 18,92 Euro (das Gründungsjahr von Hertha, Anm. d. Red.) eben von Hertha kommt", erklärt die Wirtin.

"Irgendwann kommt man an seine Grenzen"

Ein paar Tage vorher hatten sie über ihre Facebook-Seite zum Spenden aufgerufen. Nach langem Überlegen. "Das macht einem ja auch keinen Spaß. Mir wäre es lieber, wenn ich für das Geld arbeiten gehen könnte", sagt Fangmeyer.

Über 15 Jahre ist das Paar, das selbst regelmäßig zu den Spielen der Eisernen geht, schon in der Gastronomie tätig. Bisher haben sie alle anfallenden Kosten aus eigenen Mitteln finanzieren können. Aber: "Irgendwann kommt man dann einfach an seine Grenzen."

Betreiber freuen sich über "schöne Geste"

Dass sie in dieser schwierigen Situation nicht nur von den Union-Anhängern, sondern auch von Hertha-Fans unterstützt werden, freut das Paar. "Ich finde das total schön. Wir sind da eh nicht so verbissen. Wir haben auch Gäste, die Herthaner sind", so Fangmeyer. Neben zahlreichen Stammgästen und Unionern haben rund 20 Blau-Weiße für die Kneipenbesitzer gespendet.

Es sei "einfach eine schöne Geste", findet sie. "Es ist momentan eine richtig beknackte Situation. Deshalb ist es einfach schön zu sehen, wenn das den Leuten nicht einerlei ist. Daher freuen wir uns natürlich einfach drüber."

Spendenaktion sichert nächste Monatsmiete

Etwa 5.000 Euro an Fixkosten müssen die Kneipenbetreiber monatlich aufbringen - und können dank der Spenden aus beiden Fanlagern jetzt etwas aufatmen. "Es reicht auf jeden Fall für die nächste Monatsmiete und das ist total klasse", freut sich Anke Fangmeyer über die Solidarität.

Ab Ende April hoffen die Betreiber des "Panenka" dann auch auf Corona-Fördergelder, die sie wegen eines fehlenden Steuerberaters und den speziellen Strukturen im Betrieb bisher nicht bekommen konnten. Und irgendwann wollen sie vor allem wieder für ihre Gäste öffnen - und zwar für Union- und Hertha-Fans.

Sendung: rbb24, 03.04.2021, 21:45 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    Super das in so einer besch... Situation mal Rivalitäten zurück gestellt werden. Die Hauptstadt verträgt eh zwei Vereine in der 1. BL.
    Und immer daran denken, es ist "nur" ein Fußballspiel. Ich hoffe, dass das nächste Derby mit echten!!! Fans stattfinden kann.
    Bleibt Gesund

  2. 4.

    Moin, als geborener W-Berliner (nun HH) habe ich ohnehin keine so große Rivalität, erinnere mich eher an die Union-Flagge, die jahrzehnteland am Oberring hing, weit vor Wende, im Olympiastadion. Berlin hat mehr wie einen Verein verdient. Istambul hat 4, wenn ich mich richtig erinnere, also was solls. Besser wäre mehr gemeinsame Aktivitäten, wie diese kleine Spendenaktion. Dat hilft jewaltig. Selbst Paulianer und HSVer kriegen das hin und das will was heissen....aber das ja 2.Liga (und wirds auch bleiben). Grüße nach Berlin und mehr Aktionen.

  3. 3.

    Na Hauptsache die gierigen Gewerbevermieter bekommen ihr Geld.

  4. 2.

    Ihr Kommentar hat mir wirklich gut gefallen. Möge es ein schönes und spannendes Spiel werden und die Betreiber des Panenka auch in Zukunft ein leckeres Bierchen anbieten können.

  5. 1.

    Das ist doch einmal etwas für das Gemüt und nicht immer nur Inzidenz, Lockdown und Corona! Einfach nur schön, dass es Fans gibt, die über den Tellerrand schauen.

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