Interview | Ex-Herthaner Valentino Lazaro - "Ich habe die Fans immer im Rücken gespürt"

Lazaro beim Torjubel im Hertha-Trikot / IMAGO / Sven Simon
Audio: Inforadio | 07.04.2021 | Astrid Kretschmer | Bild: IMAGO / Sven Simon

Valentino Lazaro kehrt am Samstag mit Borussia Mönchengladbach an seine alte Wirkungsstätte zurück. Von 2017 bis 2019 spielte der Österreicher für Hertha BSC. Trainer Pal Dardai und die Hertha-Fans hält er in besonderer Erinnerung, wie er im Interview erzählt.

rbb|24: Am Samstag treffen Sie mit Borussia Mönchengladbach im Berliner Olympiastadion auf viele Ihrer ehemaligen Teamkollegen. Gibt es noch Kontakt - und wenn ja: Worüber tauscht man sich dann aktuell aus?

Valentino Lazaro: Ja, klar. Es gibt auf jeden Fall Spieler, mit denen ich immer noch im Kontakt bin. Es sind ja nicht nur Kollegen gewesen, sondern auch gute Freunde. Mit einigen von ihnen spiele ich immer mal wieder online Playstation. Jetzt freue ich mich, sie wiederzusehen.

Sie sind 2017 aus Salzburg zu Hertha BSC gekommen. Am Anfang hatten Sie noch ein paar Verletzungsprobleme. Wie würden Sie Ihre Zeit in Berlin bewerten: den sportlichen Teil, aber eben auch das Private und das Umfeld?

Super, wirklich. Ich schaue so positiv auf meine Zeit in Berlin. Ich bin damals aus Salzburg mit einer Verletzung gekommen - und der Verein hat trotzdem an mich geglaubt. Das lag auch daran, dass Pal Dardai mich unbedingt haben wollte. Ich bin ihm sehr denkbar und habe mich mit ihm auch sehr gut verstanden. Ich habe mich relativ schnell zum Stammspieler entwickelt und die Fans immer in meinem Rücken gespürt. Ich glaube, sie haben mich gleich zweimal zum Spieler des Jahres gewählt. Es hat sehr gutgetan zu wissen, dass man bei ihnen nicht nur akzeptiert ist, sondern dass sie einen so unterstützen.

Sie verfolgen sicherlich auch, dass es bei Hertha BSC sportlich aktuell nicht wirklich gut läuft. Es gab den Trainerwechsel und Ihr Ex-Coach Pal Dardai steht jetzt wieder an der Seitenlinie. Ist er aus Ihrer Sicht der richtige Mann, um den Verein aus dieser Krise herauszuführen?

Ja. Ich denke, er hat schon öfter bewiesen, was er mit dem Verein und der Mannschaft machen kann. Dass er ein Trainer ist, der die Mannschaft anpacken und mitreißen kann. Ich glaube, das ist genau das, was dieses Team im Moment auch braucht: Sie müssen den Kopf freikriegen und alles reinhauen. Denn es steht ja außer Frage, dass sie spielerische Qualität und sehr, sehr gute Einzelspieler haben. Es ist mittlerweile natürlich vom Kopf her schwer, immer das abzurufen, was sie können. Aber ich denke, Pal Dardai kann eine gute Einheit daraus schweißen.

Was zeichnet ihn in brenzligen Situationen aus, wenn es hart auf hart kommt?

Es wird auch mal lauter, aber hat auch immer einen Witz auf den Lippen. Das merkt man ja auch bei seinen Pressekonferenzen. Er kann Spieler in schwierigen Phasen mitreißen - er weiß sie aber genau so auch zu bremsen, wenn es mal gut läuft. Er ist als Typ einfach aufrichtig, sehr direkt und nie falsch. Ich persönlich wusste damals immer ganz genau, wo ich bei ihm stehe. Das hat mir persönlich gut getan.

Was trauen Sie Hertha - auch nach dem Spiel gegen Gladbach - generell noch zu in dieser Saison. Bleibt es eng im Abstiegskampf oder glauben Sie doch, dass sich Hertha frühzeitig fängt und die Klasse halten kann?

Das ist schwer zu sagen. Die Qualität dazu haben sie wie gesagt. Es geht bei ihnen wirklich darum, dass der Knopf aufgeht und dass sie mal ein, zwei, drei Spiele hintereinander ordentlich punkten. Dann fällt ihnen alles auch schon ein bisschen leichter. Sollten sie das schaffen, können sie sich - glaube ich - auch relativ schnell stabilisieren, das jetzige Ziel Klassenerhalt bald erreichen und die Saison etwas ruhiger beenden. Aber ansonsten kann es natürlich auch so sein, dass sie bis zum Schluss mitzittern müssen.

Sprechen wir über Gladbach: Was erwartet Hertha mit Ihrem aktuellen Verein für ein Gegner - wo sehen Sie die Stärken?

Wir haben ein sehr gutes Aufbauspiel und wollen den Ball sehr gut nach vorne tragen. Spielerisch haben wir uns schon sehr weit entwickelt. Wir wollen offensiv spielen und hoch anpressen. Das zeichnet uns aus. In den letzten Spielen haben wir auch wieder angefangen, in den richtigen Momenten die entscheidenden Tore zu machen. Ich denke, wenn wir den Lauf so weiter mitnehmen, können wir auch gegen Hertha gewinnen.

Zwischen Ihrer Zeit in Berlin und der in Mönchengladbach liegen einige Stationen. Sie waren in Italien bei Inter Mailand und von dort ausgeliehen zu Newcastle United nach England. Wie groß war nach dieser Zeit für Sie der Reiz, wieder in die Bundesliga zurückzukehren?

Anfangs dachte ich eigentlich, dass ich Italien gar nicht verlasse. Ich hatte dann in der Vorbereitung leider eine Verletzung, wegen der ich meinen Stammplatz verloren habe. Die Mannschaft hat sehr erfolgreich gespielt und es war schwer für mich, wieder reinzukommen. Da habe das Gespräch gesucht und gesagt, dass ich - auch im Hinblick auf die Europameisterschaft - gerne mehr Spiele machen will. Weil mein Trainer Antonio Conte zuvor auch in England tätig war, hat er mir geraten, das zu versuchen. In den ersten beiden Monaten bei Newcastle habe ich auch immer gespielt und mein erstes Tor erzielt.

Und dann kam Corona ...

Danach hat man mich in England nicht mehr spielen lassen. Dann wurde auch noch die Euro verschoben. In Nachhinein kann man also sagen, die Leihe war quasi für nichts und ich wieder in Italien. Ich habe dann gesagt, dass ich mich vor der EM noch einmal verleihen lassen will. Marco Rose kam zu einem perfekten Zeitpunkt auf mich zu und ich habe mir gedacht: Die Bundesliga kenne ich und den Trainer kenne ich auch und weiß, wo ich bei ihm stehe. Deshalb habe ich das gemacht und bin froh, dass es so gekommen ist.

Zu Gladbachs Konkurrenz im Kampf um das internationale Geschäft zählt der 1. FC Union. Wie überrascht sind Sie, dass dieser Verein schon in seinem zweiten Bundesliga-Jahr so weit oben mitmischt?

Das ist schon ein bisschen überraschend. Man hat aber schon in ihrer ersten Saison gesehen, dass sie einen frischen Wind reinbringen und sehr unbekümmert aufspielen. Viele Spieler von ihnen haben sich nicht nur schnell an die Bundesliga gewöhnt, sondern sich auch weiterentwickelt. Sie können zudem mit weniger Druck aufspielen, als es etwa die Hertha tut, die sehr viel investiert hat. Es tut ihnen gut, dass sie so ein bisschen unter dem Radar schwimmen können. Dass sie sich da oben festgesetzt haben, ist natürlich für so einen Verein schon etwas Besonderes. Ich glaube, dass das auch an Hertha ein bisschen nagt. Ich hoffe auf jeden Fall, dass Hertha Gas gibt und oben bleibt und wir dann noch ein paar coole Derbys auch mit Fans sehen werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Jakob Rüger.

Sendung: rbb UM6, 08.04.2021, 18 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Jupp, Tino ist immer mit vollem Herzblut dabei

  2. 1.

    Schönes Interview mit einem wirklich netten Kerl, Jakob Rüger.

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