Zsolt Petry, ehemaliger Torwart Trainer von Hertha BSC / IMAGO / Metodi Popow
Bild: IMAGO / Metodi Popow

Ex-Torwarttrainer von Hertha BSC - Zsolt Petry: "Aussagen verkürzt und falsch übersetzt"

Der ehemalige Torwarttrainer von Hertha BSC hat sich erneut gegen den Vorwurf gewehrt, in einem Interview homophobe und migrationsfeindliche Äußerungen getätigt zu haben. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte Zsolt Petry am Montag, die ungarische Zeitung "Magyar Nemzet" habe das Interview nach der Autorisierung noch unzulässig gekürzt. Dort war der Ungar Petry mit der Aussage zitiert worden, dass er nicht verstehe, was seinen Landsmann Peter Gulacsi von RB Leipzig dazu bewogen habe, "sich für Homosexuelle, Transvestiten und Menschen sonstiger geschlechtlicher Identität einzusetzen."

Petry: "Wie kann ich da Rassist sein?"

"Ich habe mich bemüht klarzustellen, dass jeder, so wie Peter, seine Meinung frei äußern darf. Ich gab jedoch zu bedenken, dass junge Spieler mit Äußerungen zu politischen Themen häufig Anfeindungen ausgesetzt sind, die ihre Karriere schädigen oder beenden können", sagte Petry der FAZ. "Deshalb habe ich gesagt, ich weiß nicht, wie er das machen konnte. Nicht etwa, ich verstehe das nicht. Das war nicht korrekt übersetzt." Zudem sei der Satz, dass er sich "sehr gut vorstellen kann, dass ein Kind in einer homosexuellen Familie sehr glücklich aufwachsen kann", aus dem Interview gestrichen worden.

Petry behauptete in der FAZ außerdem, er könne aufgrund seiner Vita kein Rassist sein: "Ich bin seit mehr als 35 Jahren im professionellen Fußball tätig, ich habe in unterschiedlichsten Ländern mit Homosexuellen, Muslimen und Christen gespielt und immer alle respektiert. Wie kann ich da ein Rassist sein?"

Freistellung trotz professioneller Übersetzung

Im ursprünglichen Interview mit der ungarischen Zeitung hatte Petry behauptet, "schrecklich viele Kriminelle haben Europa überlaufen." Für diesen Satz entschuldigte er sich nach seiner Freistellung bei Hertha: "Meine Aussage zur Einwanderungspolitik bedaure ich sehr und möchte all die Menschen, die bei uns Zuflucht suchen und die ich damit beleidigt habe, um Entschuldigung bitten."

Hertha hatte nach Veröffentlichung des Interviews eine professionelle Übersetzung anfertigen lassen, bestätigte Sportdirektor Arne Friedrich im rbb. Doch auch diese konnte die Freistellung Petrys nicht abwenden. Die Äußerungen des langjährigen Coaches würden "insgesamt nicht den Werten von Hertha BSC entsprechen", sagte Carsten Schmidt, Vorsitzender der Geschäftsführung des Clubs nach der Freistellung, stellte aber auch klar: "Er hat zu keiner Zeit homophob oder fremdenfeindlich agiert." Der Verein setze sich trotzdem "aktiv für Werte wie Vielfalt und Toleranz ein, weil uns diese Werte wichtig sind", hieß es in einer Mitteilung: "Dies findet sich in den Äußerungen von Zsolt Petry, die er als unser Mitarbeiter öffentlich getätigt hat, nicht wieder."

Sendung: rbb Inforadio, 12.04.2021, 08:15 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Der Mann ist 54 Jahre alt und hatte in seiner Karriere mit etwa 2 1/2 Dutzend Vereinen zu tun. Da sollte man schon erwarten können, dass er in puncto Medienkompetenz nicht wie ein Greenhorn agiert.
    Und was heißt für Sie überhaupt "Mob"? Für mich wären das eher Menschen, die z. B. Uschi Glas gerade als Mörderin bezeichen, weil sie sich für Corona-Impfungen einsetzt. Aber da setzt wohl jeder andere Maßstäbe an.

  2. 7.

    Was soll's.
    Jetzt ist er schon vom Mob verurteilt.

  3. 6.

    Grundgütiger,wenn man keine Argumente hat.. aber schön,dass meine These sofort bestätigt wird.

    Zeig mir gerne die Aussage von Petry,die dich zu dieser Beurteilung bringt.

  4. 5.

    "Es sei dann man liest heraus,was man herauslesen möchte und das ist ja heutzutage die übliche Vorgehensweise"

    das ist völlig richtig. Für jemanden, der selbst einer bestimmten Denkrichtung anhängt (hier beispielsweise Homophobie) ist sein eigenes Denken ja nicht homophob, sondern aus seiner Sicht eben normal. Da kann man homophobe Aussagen ja gar nicht als solche erkennen, sondern sieht nur seine, aus seiner Sicht wie gesagt normale, Sichtweise.

    Es ist dann nur verständlich, dass man dann meint, die anderen wären es, die etwas falsches herauslesen.
    Ist wie bei dem Geisterfahrer, der meint, dass heute seltsamerweise aber viele Geisterfahrer unterwegs seien...

  5. 4.

    Ich denke auch, dass sich Herr P. - sollte er in der ungarischen Zeitung falsch wiedergegeben worden sein- sofort hätte aktiv einschalten müssen. Sollte es dort wegen mangelnder Pressefreiheit nicht möglich sein, so wäre eben hier eind Stellungnahme angemessen gewesen. Aktiv und sofort.
    Im Nachhinein hat es den Eindruck von Ausrede.

  6. 3.

    Leider ist es für uns Homosexuelle, Trans und Lesbische Menschen nicht besser sondern schlechter geworden. Die Angriffe auf uns werden mehr und zeugen von einer falschen Politik uns zu schützen.

  7. 2.

    Selbst die Google-Übersetzung gibt keine homophobe Aussage preis. Es sei dann man liest heraus,was man herauslesen möchte und das ist ja heutzutage die übliche Vorgehensweise.
    Nur weil Frau Merkel nicht für die Ehe für alle gestimmt hat,ist sie ja auch noch nicht homophob. Aber für manche oder besser gesagt die Meisten gibt es wohl nur noch Schwarz oder Weiss..

  8. 1.

    "... die ungarische Zeitung "Magyar Nemzet" habe das Interview nach der Autorisierung noch unzulässig gekürzt"

    das wäre natürlich ätzend...und ist IMHO schon glaubwürdig. Sollte ja aber nachweisbar sein- der autorisierte Text müsste ja noch vorliegen.
    Es hindert ihn ja niemand, diesen Text zu veröffentlichen.
    Ob es in Ungarn so etwas wie ein Widerrufsrecht gibt, weiß ich nicht. Falls ja, kann man auch dieses Instrument nutzen. Oder so was per Klageweg versuchen. Oder nach anderen Wegen suchen (andere Zeitungen, soziale Medien etc,) , es klarzustellen, dass man hier gelinkt wurde. IN UNGARN wohlbemerkt, nicht nur hier bei uns.

    Bliebe dann dennoch die ausländerfeindliche Aussage bestehen.

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