Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning ruft mit ausgebreiteten Armen von der Tribüne (Quelle: Imago Images / camera4+/ Tilo Wiedensohler)
Video: rbb UM6 | 19.04.2021 | Simon Wenzel | Bild: Imago Images / camera4+/ Tilo Wiedensohler

Interview | Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning - "Ich kämpfe jeden Tag um das Überleben des Klubs"

Die Füchse Berlin stecken in einem Formtief. Geschäftsführer Bob Hanning sieht seine Spieler in der Pflicht, will aber keine voreiligen Konsequenzen ziehen. Gegen Montpellier hofft er auf einen Einsatz von Paul Drux und einen Stimmungswechsel bei seinen Handballern.

rbb|24: Bob Hanning, Fabian Wiede sagte nach dem letzten Spiel, dass die Saison quasi schon vergeigt sei. Wie sehen Sie die Situation?

Bob Hanning: Da hat Fabian natürlich recht und auch seinen Anteil mit daran, dass wir als Mannschaft nicht so überzeugt haben, wie es notwendig gewesen wäre, um bessere Resultate zu bringen. In der Tat sind wir mit dem Abschneiden in der Liga natürlich sehr unglücklich, weil die Zielsetzung eine ganz andere war. Aber wir haben es aus vielerlei Gründen nicht geschafft, diese PS, die wir haben, auf die Straße zu bringen.

Woran liegt es aus Ihrer Sicht?

Wir haben verschiedene Baustellen. Wir haben es nicht geschafft, Fabian Wiede und Paul Drux so in die Führungsverantwortung zu kriegen, wie ich es gehofft habe. Ein zweiter Punkt ist, dass die Neuzugänge aus unterschiedlichen Gründen noch nicht so performt haben, wie wir das von ihnen erwartet haben. Da haben Corona und Verletzungen eine große Rolle gespielt.

Und wir haben zwar so wenige Verletzte wie in den letzten zehn Jahren nicht, aber wir schaffen es nicht, die PS der Ferraris auf die Straße zu bringen. Es ist zwar kaum einer in der Werkstatt, aber wir gewinnen die Rennen trotzdem nicht.

Und wenn man das ganze zusammentut und der Mannschaft auch sicherlich den Vorwurf machen muss, dass sie es ohne Zuschauer nicht geschafft hat, die Emotionalität, die wir brauchen, um Spiele zu gewinnen, so auf die Platte zu bringen, dann sieht man, wo die Baustellen liegen. Und das sind für uns deutlich zu viele.

In anderen Sportarten ist es oft so, dass der Trainer das schwächste Glied ist. Sie haben mit Jaron Siewert, einem sehr jungen Trainer, eine mutige Entscheidung getroffen. Wie sehen Sie seine Rolle?

Er macht auch einen sehr guten Job. Und wir haben diese unterschiedlichen Baustellen, die wir lösen müssen. Da ist Stefan Kretzschmar auch gefordert mit der Mannschaft zu arbeiten und zu sprechen, um das gemeinsam mit Jaron Siewert in den Griff zu kriegen. Ich habe zu beiden sehr, sehr hohes Vertrauen und bin froh, dass beide da sind.

Sie haben neben dem Sportlichen auch das Finanzielle im Blick. Was würde es für die Füchse in dieser Saison ohne Zuschauereinnahmen bedeuten, wenn Sie sich nicht für Europa qualifizieren?

Die Zielsetzung war ganz klar uns für Europa zu qualifizieren. Natürlich hat der ein oder andere noch mehr davon geträumt. Ich habe immer gesagt, dass es eine schwere Saison wird, und das bestätigt sich jetzt auch. Im Moment bin ich Kummer seit mehr als einem Jahr gewohnt und kämpfe jeden Tag um das Überleben des Klubs. Natürlich wäre es wichtig, dass wir in Europa spielen. Doch das wäre nicht der Sargnagel.

In der Tat müsste man sich dann über die ein oder andere Konsequenz Gedanken machen und dann überlegen, wie man das löst. Aber gerade im nächsten Jahr kommen einige Spieler aus meinem eigenen Nachwuchs nach oben in die Bundesliga. Wir haben große Talente und sind sportlich gut aufgestellt.

Das heißt, es könnte sein, dass ein paar Profis für Jugendspieler Platz machen müssen, um auch ein bisschen Geld zu sparen?

Wir haben eine klare Erwartungshaltung an unsere Jungs. Und ich glaube, wir tun immer gut daran, von hinten herauszudenken und nicht in Drohgebärden und hektisches Handeln zu gelangen. Sondern die Situation so zu analysieren, wie sie sich dann darstellt. Und wenn es Veränderungen im Kader geben muss, dann wird es die geben. Das ist überhaupt gar keine Frage. Aber ich vertraue der Mannschaft, Stefan Kretschmar und meinem Trainer. Sie haben die Möglichkeit vieles positiv zu korrigieren, aber man muss auch mal bereit sein, da durchzustehen, was eben nicht den Erwartungen gerecht wird.

Eine Möglichkeit gäbe es am Dienstag (20:45 Uhr) in der European League. Die Ausgangslage ist nicht ganz einfach. Wie blicken Sie auf dieses Spiel?

Wir haben gegen Montpellier ein überragendes Hinspiel gemacht. Wir haben geführt und das Momentum dann wieder nicht genutzt. Wir haben dann ganz unglücklich das Minus-Drei in der Schlusssekunde bekommen. Montpellier ist eine Weltklassemannschaft, die zu jeder Zeit in der Champions League spielen könnte.

Ich hoffe, dass Paul Drux uns am Dienstag helfen kann. Wir warten jetzt alle ab, was das Mannschaftstraining hergibt. Und dann müssen wir alle über uns hinauswachsen. Gerade, wenn es gar nicht läuft, gibt es ja manchmal Momente, wo so ein Bock umgestoßen wird. Und glauben Sie mir: Keiner würde es lieber erleben als ich.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Simon Wenzel, rbb Sport.

Sendung: rbb UM6, 19.04.2021, 18 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Typisch Hanning, weder er noch der Trainer haben was falsch gemacht.Es ist allein die Mannschaft.

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