Kameramann im Berliner Olympiastadion. / imago images/Action Pictures
Audio: Inforadio | 16.04.2021 | Dirk Walsdorff | Bild: imago images/Action Pictures

Kommentar | Hertha BSC in Quarantäne - Im Horrorfilm

Die Corona-Quarantäne von Hertha BSC reiht sich nahtlos in die anderthalbjährige Abwärtsspirale des Klubs ein. Er steht unmittelbar vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit - und damit endgültig vor dem Ende der riesigen Ambitionen, kommentiert Dirk Walsdorff.

Sie wollten Stoff für ein Heldenepos liefern - und sind in einem Horrorfilm gelandet. Die Fußballer von Hertha BSC wurden in dieser Saison von einem Filmteam begleitet, das etwas ganz Besonderes dokumentieren sollte: "Die größte Aufholjagd der deutschen Fußballgeschichte", wie Herthas noch immer neuer CEO Carsten Schmidt formulierte.

Nie war Hertha davon weiter entfernt als jetzt. "Wir hadern nicht, wir nehmen die Situation an" - das ist die klare und einzige Botschaft von Schmidt und Sportdirektor Friedrich am Freitag. Aber diese Situation ist irgendwo zwischen dramatisch und verheerend - und die riesigen Ambitionen des Hauptstadtklubs drohen in der 14-tägigen Corona-Quarantäne endgültig einzugehen.

Genug Drama für mehrere Serien

Kein Mannschaftstraining, kein direkter Kontakt zwischen den in ihren Wohnungen und Häusern isolierten Profis. Wenige oder fast keine Trainingseinheiten vor Spielen, die Hertha dann aus dem Stand gewinnen muss - ohne eingespielt zu sein und in einem nicht zu vermeidenden Zustand reduzierter körperlicher Fitness. Daran werden auch die Spinning-Fahrräder und Laufbänder nichts ändern, die allen Profis jetzt nach Hause geliefert werden. Wie soll das noch gut gehen?

Hertha kommt seit anderthalb Jahren nicht mehr aus der Abwärtsspirale. Die vielen Trainerwechsel, das Klinsmann-Desaster, die späte Trennung von Manager Preetz, ein Millionenkader, der dem sportlichen Abgrund immer näher kam und jetzt - in der Corona-Quarantäne - unmittelbar vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit steht. Genug Drama für mehrere Serien.

Klassenerhalt wäre mit Titelgewinn gleichzusetzen

Die gute Nachricht ist: Wenn es Hertha in dieser Situation noch gelingt, in der Bundesliga zu bleiben, dann ist das eine sportliche Leistung, die man mit dem ein oder anderen Titelgewinn gleichsetzen kann. Und was wäre das für eine Wendung im letzten Akt des Dokumentarfilms - ein nicht für möglich gehaltenes Happy End - verbunden mit der Chance, dass es Preetz-Nachfolger Fredi Bobic im nächsten Jahr als Regisseur nochmal mit dem sportlichen Heldenepos versuchen könnte.

Sendung: rbb UM6, 16.04.2021, 18:15 Uhr

Beitrag von Dirk Walsdorff

5 Kommentare

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  1. 5.

    Ja das finde ich auch. Diejenigen tun mir so leid- jetzt als Fußballer im Homeoffice. Hoffentlich stören die Kinder (nicht in der Kita, weil Papi nicht systemrelevant) nicht so sehr bei den Videoschalten ins Wohnzimmer der 2 1/2 Zimmerwohnung. Mami muss neben der Küchenarbeit nämlich auch online arbeiten. Ist echt tragisch, dass es mit der Hotelunterbringung nun nicht geklappt hat. Ich möchte auch gerne weiter über die Verarbeitung dieses Traumas unterrichtet werden. Diese Infos brauchen wir in unserem Alltag um die Lage in der Pandemie besser beurteilen zu können.
    Oder kurz gesagt : Hertha hat n Eigentor geschossen.

  2. 4.

    Luxusprobleme, nicht mehr und nicht weniger.

    Gruß
    Hajakon

  3. 3.

    Das ist wirklich ein echter Horror. Wahnsinn! So schlimm! Dagegen sind die vollen Krankenhäuser echt gar nichts. Und die Menschen, die darin arbeiten natürlich auch nicht. Also das ist schon wirklich schlimm, was da mit der Hertha geschieht. Nicht auszumalen, wenn sie dadurch absteigen. Das Weltende für alle Menschen! Ich bitte um detaillierte Berichterstattung, wie schlimm es den Profifußballern geht mit ihren Millionen. Was für ein Horror...

    Sport frei

  4. 2.

    Drücken wir die Daumen, dass es vielleicht schon in 3 Jahren wieder ein Stadtderby gibt.

  5. 1.

    Quarantäne: Na und? Warum sollte es Berufssportlern besser ergehen als irgendeinem anderen Bürger dieses Landes? Diese Leute haben nicht den geringsten ernsthaften Anspruch auf Sonderrechte.

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