Emma Hinze mit der Goldmedaille / IMAGO / Annegret Hilse
Audio: Inforadio | 14.04.2021 | Andreas Friebel | Bild: IMAGO / Annegret Hilse

Radsportlerin Emma Hinze 100 Tage vor Tokio - "Es ist etwas anderes, gegen echte Gegner zu fahren"

Wie ist es, wenn man über ein Jahr kein Rennen fährt, aber eine olympische Medaille holen will? Bahnrad-Weltmeisterin Emma Hinze spricht 100 Tage vor Tokio über ein schwieriges Corona-Jahr und ihre Freude auf den ersten Wettkampf seit langem. Von Andreas Friebel

Fast 14 Monate sind inzwischen vergangen seit Emma Hinze die Radsportwelt überraschte. Bei der WM in Berlin holte sich die Cottbuserin bei drei Starts drei Weltmeistertitel. Doch dann kam Corona und alle Wettkämpfe wurden abgesagt. Im ersten Moment ärgerlich. Mit etwas Abstand aber kann die 23-Jährige der Zwangspause auch etwas Gutes abgewinnen. "Für mich ist es kein verlorenes Jahr, sondern ein Jahr mehr Training. Dazu kamen Knieprobleme, die ich in dieser Zeit auskurieren konnte. Was mir aber wirklich fehlt, sind die Wettkämpfe."

Erster "Wettkampf" nach 14 Monaten

Das wird sich aber ändern. In der kommenden Woche gibt es am Olympiastützpunkt in Frankfurt (Oder) einen Nationalkader-internen Wettkampf, an dem auch französische und niederländische Sportler teilnehmen. "Wir fahren ja im Training keine bestimmten Disziplinen, wie Keirin, sondern trainieren die Distanzen. Es ist natürlich etwas ganz anderes, wenn man dann gegen echte Gegner fährt. Deshalb freue ich mich darauf."

Auch um zu wissen, auf welchem Leistungsniveau sich die Cottbuserin aktuell befindet, wie sie sagt. Seit Januar habe sie zwar an Trainingslagern auf Rhodos und in Südfrankreich teilgenommen, doch Wettkampfhärte bekomme sie so nicht. "Ich bin ein Wettkampftyp und gehe da ganz anders ran, als wenn ich nur Training habe. Man weiß nach über einem Jahr, gar nicht, wie die Konkurrenz so drauf ist. Und wo man selber steht."

Bis Mitte Mai will der Bund deutscher Radfahrer entscheiden, wen er zu den Olympischen Spielen nach Tokio schickt. "So weit will ich noch nicht nach vorn schauen. Ich möchte nächste Woche mal sehen, wie die Zeiten so sind. Und dann Schritt für Schritt nach Tokio blicken."

"Es ist krass, wie unterschiedlich die Corona-Krankheitsverläufe sind"

Als dreifache Weltmeisterin geht Emma Hinze davon aus, dass sie ihren Startplatz schon ziemlich sicher haben dürfte. Vorausgesetzt sie verletzt sich nicht oder erkrankt an Corona. Davor hat die 23-Jährige ziemlich viel Angst. Denn zuletzt gab es gehäuft Meldungen über Profisportler, die nach einer Erkrankung mit dem Leistungssport aussetzen mussten. Wie zum Beispiel Kanutin Steffi Kriegerstein. "Ich finde es wirklich krass, dass die Krankheitsverläufe so unterschiedlich sind. Mancher hat Einschränkungen, andere nicht. Ich möchte jedenfalls nicht krank werden."

Und deshalb vermeidet sie Kontakte außerhalb der Trainingsgruppe. Ihre Eltern in Niedersachsen hat Hinze zuletzt an Weihnachten gesehen. Der Weg nach Tokio ist nicht nur schweißtreibend, sondern auch voller Entbehrungen.

Sendung: rbb Inforadio, 14.04.2021, 15:15 Uhr

Beitrag von Andreas Friebel

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