Die Brüder Ole und Malte Braunschweig (Quelle: rbb)
Video: rbb UM6 | 29.04.2021 | Jonas Schützeberg | Bild: rbb

Schwimmer Ole und Malte Braunschweig - Zwei Tickets nach Tokio, bitte!

Die Schwimmer Ole und Malte Braunschweig werden im Sommer nach Tokio reisen. Mit ein paar Wochen Abstand. Der eine Bruder wird bei den Olympischen, der andere bei den Paralympischen Spielen an den Start gehen. Von Lynn Kraemer

Wenn Geschwister beschließen Leistungssport zu machen, ist es fast unvermeidbar, dass sich die Wettkampfzeiten irgendwann überschneiden und ausgelost werden muss, wer aus der Familie wen anfeuert. Vor dem bisher größten Turnier im Leben von Malte und Ole Braunschweig muss diese Entscheidung nicht fallen. Denn die beiden Berliner Schwimmer werden zwar beide zu den Spielen nach Tokio reisen, doch mit etwas Abstand.

Erst wird der 23-jährige Ole bei den Olympischen Spielen im Tokyo Aquantics Centre ins Wasser springen, bei den Paralympischen Spielen dann der 20-jährige Malte. "Es war von uns beiden von Anfang an der Traum, aber erst in den letzten Jahren hat es sich so ergeben, dass man es wirklich schaffen kann", sagt Ole.

Durch den Sport verbunden

Seit ihrer Kindheit verbringen die Braunschweig-Brüder die meiste Zeit im Wasser. Mit fünf Jahren begann Ole mit dem Schwimmen. Wie so oft bei Geschwistern, wollte Malte seinem großen Bruder nacheifern und folgte ihm drei Jahre später ins Becken. Und dort stellte er fest, dass er in seinem Element war. Zusammen besuchten sie die Sportschule in Berlin-Hohenschönhausen.

Ole sagt über seinen Bruder, dass er manchmal ein bisschen klugscheißerisch sei. Malte sagt, ihm nerve, dass Ole manchmal "einfach nicht ausgelastet und ein bisschen hyperaktiv ist". Doch sie vereint die Liebe zum Sport. Die Brüder trainieren auch heute in derselben Halle, haben aber andere Trainingsgruppen. Malte hat eine Dysmelie, eine Fehlbildung, des rechten Arms. "Ich schätze sehr an meinem Bruder, dass er nie aufgibt und auch nie die Hoffnung verliert", sagt Ole. Sie unterstützen sich gegenseitig, seit sie klein sind.

Zittern bis zum letzten Tag

Ob sie sich ihren Traum der gemeinsamen Spiele erfüllen können, blieb bis zum letzten Qualifikationstag der deutschen Schwimmer offen. Ole wusste nicht, ob er die Normzeit schaffen würde: "Dadurch, dass Malte schon qualifiziert war, hing es nur noch an mir, das zu verkacken. Es war ein bisschen Aufregung, weil ich mir selber beweisen wollte, dass ich es schaffe. Aber ich wollte es auch Malte beweisen."

Der fieberte vor dem Bildschirm mit: "Ich habe alle Rennen von zu Hause aus im Livestream angeschaut und war sehr aufgeregt. Es war eigentlich schon kurz vor dem Nervenzusammenbruch, das kann man schon so sagen." Das Wochenende sei sehr nervenaufreibend gewesen, so der 20-Jährige. Der internationale Schwimmverband fordert eine Zeit unter 53,85 Sekunden über 100 Meter Rücken. Ole schwamm 53,74 Sekunden.

Erlebnis Olympia

Für die Paralympischen Spiele hat sich Malte keine Medaillenziele gesetzt. "Ich möchte meine Erwartungen erstmal zurückhalten. Klar, ich möchte neue Bestzeiten schwimmen, aber in erster Linie möchte ich erstmal die Erfahrung sammeln", sagt der Berliner Schwimmer. Auch Ole will vor allem das Erlebnis Olympische Spiele genießen, doch ein Zwischenziel gibt er trotzdem aus: "Ich würde schon gerne mit der Lagen-Staffel ins Finale kommen. Das wäre schon mega."

Noch viel wichtiger als eine Medaille oder Bestzeit sind ihnen aber die zwei Menschen, die vor dem Fernseher mitfiebern werden. "Wir wollen es auch unseren Eltern beweisen, dass sich die ganze Zeit und das Geld, das sie in uns gesteckt haben, gelohnt hat und sie stolz auf uns sein können", sagt Ole.

Sendung: rbb UM6, 29.04.2021, 18 Uhr

Beitrag von Lynn Kraemer

2 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 2.

    Ach wir haben Ausgangsperre, aber die Herren Sportler fliegen nach Tokio, wo man ganz selbstverständlich Olympische Spiele abhält. Sind Sportfunktionäre die schlimmsten Querdenker?

  2. 1.

    Mann, da kann man den Beiden nur viel Erfolg wünschen! Und es ist schon fast zweitrangig wie weit oben sie sich platzieren. Dabei sein ist alles. Zu viel Ehrgeiz bringt es auch nicht. Immer locker bleiben. Hihihi.

Nächster Artikel