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Audio: Inforadio|22.04.21|Jakob Rüger

0:2 beim BVB - Unions Niederlage in Dortmund war nicht nur Pech

Zwei Aluminiumtreffer und eine Schwalbe lassen Union nach dem 0:2 in Dortmund hadern. Die Niederlage ist trotzdem verdient. Denn die Eisernen haben die Gastgeber mit Fehlern zu Toren eingeladen und waren dem BVB auch sonst nicht gewachsen. Von Till Oppermann

Union Berlins Niederlage beim Bundesliga-Gastspiel in Dortmund kann man aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Andreas Luthe war sich nach dem Spiel im Interview mit dem Bezahlsender Sky sicher: "Hier wäre auch ein Unentschieden drin gewesen." Sein Dortmunder Gegenpart widersprach: "Bis auf die ersten 15 Sekunden war das ein sehr verdienter Sieg", schmunzelt Marwin Hitz.

Beide Torhüter können sich wohl darauf einigen, dass die Borussen Glück hatten, als Union in ebenjenen Augenblicken nach dem Anstoß erst den Ball tief in der gegnerischen Hälfte gewann, den Marcus Ingvartsen dann mit einem sehenswerten Distanzschuss an die Unterkante der Latte beförderte. "Perfekt getroffen", urteilte Union-Manager Oliver Ruhnert in der Halbzeit. Aber trotzdem nicht gut genug für das zwölfte eiserne Tor in der Anfangsphase.

Ingvartsens Chance ist gleichzeitig das erste Argument für Luthes Position, dass ein Punkt beim BVB nicht unverdient gewesen wäre. Kapitän Christopher Trimmel verriet, wo sich weitere finden lassen: "Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt", so der Österreicher.

Gerade in den ersten zehn Minuten zeigten die Köpenicker, dass sie Urs Fischers Spielplan beherzigten. Der Trainer hatte seine Spieler aufgefordert, mutig nach vorne zu spielen. Anders könne man Dortmund nicht gefährden.

Obwohl Fischer diesem Auftrag die bewährte Dreierkette opferte und auf ein 4-2-3-1-System setzte, blieb die Rolle seines Kapitäns gleich: Damit Unions gefährliche Flügelverteidiger Trimmel und Christopher Lenz gewohnt bis weit in die gegnerische Hälfte aufrücken konnten, ließ sich der defensive Mittelfeldspieler Robert Andrich im Spielaufbau immer wieder zwischen die Innenverteidiger Marvin Friedrich und Robin Knoche fallen.

Eine Schwalbe sorgt für Dortmunds Führung

Oft versuchten sich die Unioner, spielerisch aus Dortmunds Pressing zu befreien. Mehrmals gelangen sehenswerte Ballbesitzphasen. Eine davon führte nach nur 58 gespielten Sekunden zum zweiten Abschluss durch Keita Endo. Die Führung erzielte ungefähr 25 Minuten später trotzdem der BVB.

Nachdem Andreas Luthe erst Erling Haalands Elfmeter parierte und danach auch noch seinen Nachschuss abwehrte, bugsierte Marco Reus den Ball über die Linie. Unglücklich. Insbesondere weil die Entstehung des Elfmeters für hitzige Diskussionen sorgte. Reus war nach einem Steilpass in den Strafraum der Unioner gestürmt. Hier brachte ihn Luthe – vermeintlich – zu Fall. Denn in der Zeitlupe wurde ersichtlich, dass der Dortmunder schon abhob, bevor der Keeper ihn berührte.

Er habe sofort gewusst, dass er Reus nicht zu Fall gebracht habe, beteuerte Luthe nach dem Spiel. Und Trimmel wollte zwar dem Schiedsrichter keinen Vorwurf machen, aber forderte Hilfe aus dem Kölner Keller: "Der Videobeweis muss eingreifen."

Bei allem Frust über den falschen Strafstoß: Die Unioner täten gut daran, sich die Entstehung in der Videoanalyse genau anzusehen. Vor dem Steilpass auf Marco Reus dribbelte der Dortmunder Kreativspieler Thorgan Hazard ungestört auf die stehende Viererkette der Berliner zu. Ihm blieb genug Raum, um den Tiefenlauf von Reus zu antizipieren und ihn ins Eins-gegen-Eins mit Luthe zu schicken.

Unions Fehler werden bestraft

Eine Szene, die sich angedeutet hatte. Mehrmals konnte Hazard mit viel Platz und hohem Tempo auf die Abwehr zulaufen. Nachdem auf diese Weise eine Großchance durch Haaland und ein gefährlicher Schuss aus der zweiten Reihe entstand, war die Elfmetersituation nur die logische Folge. Dabei hatte Urs Fischer im Vorfeld der Partie davor gewarnt, den Dortmunder Offensivkünstlern zu viel Raum zu geben. Luthe gab zu: "Dortmund hat uns eiskalt bestraft."

Trotz des Gegentores gelang es Unions defensiven Mittelfeldspielern Andrich und Grischa Prömel nicht, den Raum vor der Viererkette zu schließen. Möglicherweise, weil die Absicherung durch den dritten Innenverteidiger fehlte und Lenz und Trimmel deutlich tiefer und weniger aggressiv verteidigen mussten als gewohnt. Vielleicht fehlte aber auch die Entlastung durch Konter.

Nach der couragierten Anfangsphase gelangen den Eisernen kaum noch zwingende Torchancen. Zu oft wurden aussichtsreiche Umschaltsituationen mit ungenauen Anspielen verschenkt. Offensiv-Star Max Kruse musste sich aufgrund der engen Bewachung des Dortmunder Mittelfelds immer wieder in die eigene Hälfte fallen lassen, um ins Aufbauspiel eingebunden zu werden. Er hatte es einem ruhenden Ball zu verdanken, dass seine Klasse in der gefährlichen Zone vor dem Strafraum wenigstens in einer Situation aufblitzte. Kruses Freistoß in der 65. Spielminute wäre im Dortmunder Torwinkel gelandet, hätte nicht Hitz den Schuss in letzter Sekunde an den Innenpfosten gelenkt.

Insgesamt gewinnt Dortmund verdient

Kurz vor Spielende erzielte der BVB dann das 2:0. Nach einem Fehlpass von Robert Andrich reichte ein schneller Konter, um das Spiel zu entscheiden. "Es ist schon gegen uns gelaufen", haderte Luthe nach der Partie angesichts der beiden Aluminiumtreffer und wegen des Elfmeters. Dabei fehlte zu Unions erstem Punktgewinn beim BVB mehr als nur etwas Glück.

Ein Blick in die Statistik verrät, dass Dortmund die bessere Mannschaft war. 21 zu fünf Torabschlüsse sprechen eine klare Sprache. Zumal die Expected Goals den Chancen der Dortmunder eine deutlich höhere Qualität attestieren. In dieser Kategorie stand es nach Schlusspfiff 4,0 zu 0,2 für dem Gastgeber. Allein Erling Haaland schoss sieben Mal aufs Tor und scheiterte mehrmals freistehend am gut aufgelegten Luthe. Hitz hat Recht, wenn er von einem verdienten Sieg seiner Mannschaf spricht.

Dortmunds Dominanz in der zweiten Halbzeit erklärte Trimmel folgendermaßen: "Mit deren Wechseln wurde es immer schwieriger." Dortmund-Coach Terzic brachte mit Jadon Sancho unter anderem einen Spieler mit einem Marktwert von 100 Millionen Euro ins Spiel.

Zum Vergleich: Unions fünf Joker kosten laut transfermarkt.de zusammen 11 Millionen. Es ist umso respektabler, dass die Berliner an den letzten vier Spieltagen auch trotz der Niederlage in Dortmund um einen Europapokalplatz kämpfen. Andreas Luthe verspricht: "Wir wollen das Maximum rausholen." Am Samstag haben die Unioner im Heimspiel gegen Werder Bremen die nächste Chance.

Sendung: Inforadio, 22.04.2021, 08:26 Uhr

Beitrag von Till Oppermann

3 Kommentare

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  1. 3.

    Ich habe mit Fußball kaum noch etwas am Hut. Gestern habe ich das Spiel zufällig im TV gesehen und stelle fest Union wurde betrogen. Wenn der Schwalbenkönig Reus anläuft sollte ein guter Schiedsrichter sehen wie er fällt. Herr Reis hätte ganz klar mindestens die gelbe Karte sehen müssen.

  2. 1.

    Man kann nicht immer gewinnen und zum Glück hat Union auch nicht den Druck das immer zu müssen.
    Das Spiel war sehenswert und spannend.
    Danke Union für den schönen Abend, so kann man Corona mal ein bisschen vergessen.

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