Die BR Volleys jubeln über ihren elfte Meisterschaft (imago images/Matthias Koch)
Bild: imago images/Matthias Koch

Saison-Bilanz BR Volleys - Denn sie wissen, was sie tun

Die BR Volleys hatten sich die Meisterschaft zum Ziel gesetzt und diese am Ende auch erreicht. Warum das zwischendurch nur scheinbar fraglich schien und welches die nächsten Ziele sind. Von Ilja Behnisch

Hinterher, so heißt es, ist man immer schlauer. Im Fall der BR Volleys allerdings kann man getrost sagen: Das Happy-End, dass diese Achterbahn von Saison schließlich nahm mit ihrem fünften Meistertitel in Folge, es war absehbar.

Denn sie wissen ja, was sie tun beim Hauptstadtklub, der das Finale gegen den VfB Friedrichshafen mit 3:0 Siegen souverän für sich entscheiden konnte. Und vor allem wissen sie genau einzuschätzen, woran sie sind. So sagt Volleys-Manager Kaweh Niroomand im Gespräch mit dem rbb zu den anfänglichen Schwierigkeiten dieser Saison: "Ein Phänomen, dass uns diese Saison begleitet hat - Gott sei dank nicht am Ende -, war die Verletzungsthematik. Ich mache diesen Job seit über 40 Jahren, aber so etwas habe ich noch nie erlebt, dass im Prinzip die erste Sechs über mehrere Wochen verletzt ist."

Trotz Problemen die Ruhe bewahrt

Eine Niederlage gegen Bühl, gleich am dritten Spieltag der Saison, weitere Pleiten gegen Frankfurt und Friedrichshafen. Dazu das Ausscheiden im Pokal gegen die Netzhoppers aus Königs Wusterhausen. Für eine Mannschaft, die in der zum Leidwesen der Volleys abgebrochenen Saison zuvor noch gänzlich ungeschlagen war, ein ungewohntes Bild. Doch sie blieben ruhig im Verein, rückten nicht ab von ihrem vor der Saison geäußerten Selbstverständnis, auch in diesem Jahr den Meistertitel nach Berlin zu holen.

Dabei kamen zu den zahlreichen Verletzungen auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die die BR Volleys womöglich härter trafen als andere Vereine. Schließlich waren es vor Corona bis zu 5000 Zuschauer, die die Mannschaft in der Max-Schmeling-Halle nach vorne trieben. Ein Spitzenwert nicht nur in der Bundesliga, sondern in ganz Europa.

Zudem locken die Volleys ihre Top-Spieler wie Benjamin Patch nicht ausschließlich mit gut dotierten Verträgen, sondern auch mit den Möglichkeiten der Weltstadt. So sagt Kaweh Niroomand über eben jenen Benjamin Patch, den alles überragenden Spieler der Finalserie, man wisse, "dass er riesige Angebote hatte, wo er vielleicht das zwei- oder dreifache hätte verdienen können. Aber seitdem er hier ist, so wie er sich das Leben vorstellt, mit seinen ganzen künstlerischen Sachen, die er nebenbei betreibt (…); das ersetzt vielleicht den ein oder anderen Dollar- oder Euroschein." So habe der Spielerberater von Patch im Laufe der Verhandlungen über die Vertragsverlängerung zu Niroomand gesagt: "Was hast Du mit ihm gemacht? Der will ja gar nicht hier weg."

Die Volleys wissen, wie Playoffs funktionieren

Dass die Volleys die Verträge ihrer Leistungsträger Sergej Grankin und Benjamin Patch schon vor dem schwierigen Halbfinale gegen Düren verlängerte, sei übrigens durchaus Kalkül gewesen, so Niroomand. Man wollte der Mannschaft ein Signal der Stärke senden. "Das hat ganz bestimmt seine Wirkung gehabt", so der Volleys-Manager, der überzeugt davon ist, dass gerade auch der Kopf Spiele entscheidet. Umso mehr, da bei den Volleys aufgrund der vielen Ausfälle über weite Strecken der Saison wenig Spielverständnis, Abstimmung und Rhythmus aufkommen konnte.

Nicht wenige sahen deshalb den VfB Friedrichshafen als den Titel-Favoriten an und sich nach der schnellen 2:0-Satzführung im ersten Finalspiel bestätigt. Doch sie wissen was sie tun bei den BR Volleys. Oder wie Niroomand es formuliert: "Wichtig ist, dass man auch weiß, wie Playoffs funktionieren. Wir haben 0:2 zurückgelegen und das Selbstvertrauen war komplett weg. Dann gab es ein paar strittige Szenen (…), das hat Friedrichshafen aus dem Rhythmus gebracht." Für Niroomand, den die "Deutsche Volleyball Zeitschrift" 1990 einmal als "aufbrausenden Derwisch" mit "leidenschaftlicher Hingabe" bezeichnete, ein Wendepunkt. Denn seine Spieler, darunter zwei Olympiasieger, "die haben auch Erfahrung, die warten nur auf einen Moment, wo sie dann zurückschlagen können. Und genau das ist passiert."

Nächstes Ziel: Europa

Dann habe das "Momentum" gewechselt. Man habe es den Gesichtern der Friedrichshafener auch angesehen, so Niroomand, "als sie zum zweiten Spiel in Berlin waren - die Verunsicherung." Spiel drei hingegen sei quasi ein Selbstläufer gewesen, "der Rhythmus war dann da."

Zwei Titel fehlen den Volleys noch, um mit Rekordmeister Friedrichshafen (13) gleichzuziehen. Es scheint, als sei dies mehr Pflicht denn Herausforderung. Für Niroomand, der 2015 gegenüber dem "Tagesspiegel" sagte, "Erfolg ist wie eine Treppe. Man muss Stufe für Stufe hochgehen", richtet sich der Blick vor allem nach Europa. Dort wolle man "endlich auch mal (…) einen Schritt setzen." Zwar würden sechs Spieler (Éder Carbonera, Renan Michelucci, Davy Moraes, Pierre Pujol, Robin Baghdady und Julian Zenger) die Mannschaft verlassen, doch die Leistungsstärke soll dadurch nicht beeinträchtig sein, so Niroomand: "Wir werden nächstes Jahr eine Mannschaft haben, wo wir die ein oder andere Schwachstelle aus dieser Saison auch schließen können." Für die Konkurrenz sollte das wie ein Alarmsignal klingen. Sie wissen schließlich, was sie tun beim Hauptstadtklub.

Sendung: rbb24, 18.04.2021, 22 Uhr

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