BR Volleys vor Finale gegen Friedrichshafen - Vom "Coco Loco" in die Schlacht

Video: rbb24 | 07.04.2021 | Dennis Wiese

Vier Mal in Folge wurden die BR Volleys zuletzt Deutscher Meister im Volleyball. Jeweils im Finale gegen Friedrichshafen. Auch in diesem Jahr treffen die beiden Teams im Endspiel aufeinander. Und doch ist alles anders. Von Ilja Behnisch

Bevor sich Timothée Carle (25) im Sommer 2020 den BR Volleys anschloss, zog es den Franzosen ins "Coco Loco". Die Bar liegt an der Riviera-Küste von Cannes und wird unter anderem betrieben von Samuel Tuia (34), "König des Pazifiks", und fortan Carles Mitspieler bei den BR Volleys.

Sollte Carle im "Coco Loco" gefragt haben, was in der Volleyball-Bundesliga auf ihn warten würde, die Antwort von Tuia dürfte relativ klar gewesen sein: Eine Finalserie gegen Friedrichshafen. Schließlich ist die am Donnerstag (8. April) beginnende Finalserie (Best of five) das achte Duell in Serie, bei dem die BR Volleys im Endspiel um die deutsche Meisterschaft auf den Rekordmeister (13 Titel) treffen. Und immerhin die Statistik sollte Carle Lust gemacht haben. Schließlich konnten die Berliner die letzten vier dieser Vergleiche für sich entscheiden.

Favorit Friedrichshafen

Dennoch gilt die Mannschaft von Cédric Énard (45) in dieser Saison gemeinhin nicht als Favorit. Dafür haben die Volleys zu schwankend gespielt in der Hauptsaison. Dafür war Friedrichshafen zu stark, zu konstant. Sie haben überhaupt nur eine von 20 Partien verloren, beim Tabellenzweiten aus Düren. Auch die beiden direkten Duelle gegen Berlin gingen an das Team vom Bodensee (3:0; 3:1).

Für Timothée Carle spielt das jedoch keine Rolle. Er sagt: "Jetzt sind Playoffs, das ist das Finale, das ist etwas anderes. Wir haben das Ziel, Meister zu werden. Jeder ist wirklich mit dem Kopf bei der Sache. Wir werden diesen Titel gewinnen." Dann lächelt er, der 1,98-Meter-Mann, und wirkt dabei wie einer, der liebend gern sein Lieblingsrezept für Quiche Lorraine teilt. Nur um dann zu sagen: "Es war ein bisschen wie Krieg. Aber es ist noch nicht vorbei."

Dank Zuschauer zur Wende

"Es", das war das Halbfinale der Volleys gegen Düren. Das erste Spiel in Düren ging verloren (1:3). Im zweiten Spiel in Berlin gelang die Wende. Auch, weil plötzlich wieder Zuschauer erlaubt waren in der heimischen Max-Schmeling-Halle. Das zumindest glaubt Außenangreifer Cody Kessel (29): "Für einige von uns hat sich das angefühlt, wie wieder zurück ins Leben zu kommen." Ein Gefühl, das auch beim 3:1-Erfolg im Entscheidungsspiel in Düren behilflich war. "Wir waren in der Lage, diese Energie ins dritte Spiel zu retten", so Kessel.

Dass sich auch Friedrichshafen im Halbfinale gegen Lüneburg schwerer tat als gedacht, beide Spiele "nur" mit 3:2 für sich entscheiden konnte, spielt für die Volleys keine Rolle. Ebensowenig wie die Pleiten in der Hauptrunde. Kessel sagt: "Wir hatten in dieser Saison viel schwierige Momente. Ich glaube, wir sind jetzt viel stärker." Und auch beim Gegner scheint die Überzeugung groß, dass das Finale wenig mit den Spielen der Hauptrunde zu tun haben wird. So sagt Friedrichshafens Trainer Michael Warm (53): "Die Berliner haben bewiesen, dass sie unter Druck funktionieren." Und auch sein Kapitän Dejan Vincic (34) sagt in Hinblick auf die zwei bisherigen Saisonspiele beider Teams: "Davon dürfen wir uns nicht blenden lassen."

Moculescu und das "Bauchgefühl"

Fragt man einen, der es wissen muss, weil er einst beide Teams trainierte, kehrt sich die allgemein vermutete Favoritenrolle sogar um. So sagte Stelian Moculescu (70, 1997-2016 Trainer von Friedrichshafen, 2018 Trainer der BR Volleys) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: "Es ist eng, aber Berlin in meinen Augen leicht favorisiert." Auch wenn der Hauptstadtklub noch nicht immer das auf das Feld gebracht habe, "was mit dieser gut besetzten Mannschaft meiner Meinung nach möglich wäre", so der Rumäne. "Dennoch sagt mir mein Bauchgefühl, dass sie es packen."

Timothée Carle sieht das ähnlich. Für ihn ist klar: "Wir müssen aggressiv sein." Den Wechsel nach Berlin habe er aber so oder so nicht bereut. Auch wenn er aufgrund der Corona-Maßnahmen keine Museen, Bars und Restaurants besuchen konnte, seit er in der Hauptstadt lebt. Und immerhin das mit dem Finale um die deutsche Meisterschaft ist genauso gekommen, wie er sich das vorgestellt hat. Im Sommer 2020, im "Coco Loco" an der französischen Riviera.

Sendung: rbb24, 06.04.2021, 22 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    "Wer zuerst drei Partien gewinnt, ist deutscher Meister." Das ist richtig, daher heißt der Modus "Best-of-Five", nicht "Best-of-three", da es maximal fünf Spiele geben kann.

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