Interview | Abgesagte Eishockey-WM - "Ob das auch passiert wäre, wenn die Männer in Kanada gespielt hätten?"

Eishockey-Nationalspielerin Laura Kluge (Quelle: imago images/nordphoto GmbH/Hafner)
Bild: imago images/nordphoto GmbH/Hafner

Die Koffer für die Eishockey-WM waren schon gepackt, doch am Tag vor der Abreise wurde das Turnier abgesagt. Die Berlinerin Laura Kluge und ihre Mitspielerinnen beschwerten sich öffentlich. Inzwischen gibt es einen Ersatztermin im Sommer.

rbb|24: Frau Kluge, als die Absage kam, waren Sie im Trainingscamp in Füssen und haben sich auf die Abreise zur WM vorbereitet. Wie wurde die Nachricht in der Mannschaft aufgenommen?

Laura Kluge: Ich glaube, dass wir alle relativ überrascht waren, weil es uns einen Tag vor der Abreise am Abend mitgeteilt wurde. Wir hatten auch schon alle Sachen gepackt. Einige waren noch im Eisstadion, andere im Hotel und dann wurde kurzfristig ein Teammeeting einberufen. Uns wurde gesagt, dass wir morgen doch nicht abfliegen können, sondern die WM abgesagt wurde.

Wie haben sie sich nach der Absage und späteren Verschiebung gefühlt?

Das war natürlich eine Enttäuschung. Man bereitet sich die ganze Saison auf so ein Event vor. So eine WM ist immer das Highlight des Jahres, worauf man auch hintrainiert. Klar, jetzt freut man sich, dass die WM doch wieder stattfindet, aber man muss es jetzt erstmal abhaken.

Seit zwei Jahren gab es für die Frauen kein internationales Turnier mehr. Gleichzeitig konnte aber die U20-WM der Männer im Winter stattfinden. Die Inzidenzwerte an den Austragungsorten kann der internationale Eishockeyverband (IIHF) nicht beeinflussen, aber sehen Sie da einen Doppelstandard?

Das ist immer schwierig zu sagen. Klar, die Männer-WM hat jetzt stattgefunden, aber an anderen Austragungsorten. Es wäre die Frage, ob es auch passiert wäre, wenn die Männer in Kanada gespielt hätten. Man weiß es nicht. Natürlich ist es für uns schade, dass jetzt zwei Jahre nichts stattfinden konnte und die Männer spielen dürfen. Aber da die WM verschoben wurde, hoffen wir, dass es ein klares Zeichen ist, dass die Frauen wertgeschätzt werden.

Nach der Absage beschwerten sich international viele Spielerinnen, weil kein Ersatztermin geplant war. Glauben Sie, dass es ohne diese Empörungswelle bei der Absage geblieben wäre?

Ich hoffe mal nicht, aber ich glaube auch schon, dass gerade die Aussagen der Spielerinnen die IIHF dazu bewegt hat, doch noch mal intensiver nach einer Möglichkeit zu suchen. Aber es ist schwer zu sagen.

Als Reaktion auf die Beschwerden schrieb der internationale Hockeyverband, dass es zu teuer gewesen wäre, einen Ersatzstandort als Alternative mitzuplanen. Zählt das für Sie als Argument?

Ja, ich glaube schon, dass Geld da auf jeden Fall eine Rolle spielt. Frauen-Eishockey bringt keine großen Gewinne für den Verband ein. Und als Ersatz ein Hotel mit 200 Zimmern auf Reserve zu haben, ist teuer. Die Alternative, über die man hätte nachdenken müssen wäre, von Anfang an den Ort zu verschieben und nicht dahin zu versetzten, wo man weiß, dass es schwierig wird. Das ist eher das Problem, dass man konsequent mit dem Plan durchgefahren ist.

Wie stark unterscheidet sich die Wertschätzung zwischen dem Eishockey der Männer und der Frauen? Sehen Sie da eine Veränderung?

Ich glaube schon, dass Frauen-Eishockey generell mehr Anerkennung bekommt. Aber gerade in Deutschland, egal ob Männer oder Frauen, Eishockey immer noch einen relativ geringen Stellenwert hat im Vergleich zu anderen Sportarten.

Spiegelt sich die Wertschätzung für Frauen-Eishockey auch beim Deutschen Eishockey-Bund wider?

Gerade in den letzten Jahren hat sich da viel getan. Ich glaube, dass der Verband komplett hinter uns steht. Bei der Vorbereitung wurden enorme Summen ausgegeben, um uns eine WM-Teilnahme zu ermöglichen und es wurde jetzt auch klar gesagt, dass die Unterstützung weiterhin da sein wird.

Wir hatten drei Vorbereitungslehrgänge und das sind Summen, die im Prinzip verschenkt worden sind und man jetzt nochmal neu aufbringen muss. Der Verein leistet da echt gute Arbeit.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lynn Kraemer, rbb sport.

Sendung: rbb UM6, 12.05.2021, 18 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Ich wusste noch nicht einmal das die auch Eishockey spielen, naja interessiert ja auch niemanden !!!

  2. 1.

    Jetzt werde ich mal googeln müssen, wo die WM hätte stattfinden sollen. Schade, hätte auch in der Einleitung stehen können.

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