Hertha BSC empfängt den 1. FC Köln - Abstiegsgefährdet und abstiegsgefährdeter

Fr 14.05.21 | 15:02 Uhr | Von Lynn Kraemer
Sportdirektor Arne Friedrich beschwört die Hertha-Mannschaft im Kreis nach dem Spiel gegen Schalke (Quelle: imago images / Poolfoto / Ulrich Hufnagel)
Audio: Inforadio | 15.05.2021 | Jakob Rüger | Bild: imago images / Poolfoto / Ulrich Hufnagel

Noch ist Herthas Abstiegskampf nicht überstanden. Gegen den 1. FC Köln kann am Samstag der Klassenerhalt gesichert oder die Zitterpartie eingeläutet werden. Die Ansage von Trainer Pal Dardai ist klar: “Wir wollen dieses Jahr nicht mehr verlieren.” Von Lynn Kraemer

Das Personal

Wenn es ihn geben sollte, dann ist der auf Vorrat gekaufte Stapel mit blau-weißen Gute-Besserungs-Karten bei Hertha BSC nochmal geschrumpft. Es bleibt zu hoffen, dass sich Trainer Pal Dardai beim Schreiben der Genesungswünsche nicht auch noch eine Sehnenscheidenentzündung geholt hat. Oder inzwischen direkt Sprachnachrichten verschickt. Denn die Mehrbelastung macht sich bei Hertha BSC deutlich bemerkbar.

Krzysztof Piatek fällt am Samstag gegen Köln (15:30 Uhr) mit einer Fraktur im Sprunggelenk aus. Matheus Cunha und Maximilian Mittelstädt sind frühestens gegen Hoffenheim wieder dabei. Auch bei Sami Khedira und Jessic Ngankam ist noch nicht klar, ob sie spielen werden. Bei beiden will Dardai das Abschlusstraining abwarten. Ngankams Knie sei nach dem Spiel gegen Schalke angeschwollen gewesen, erklärte der Trainer.

Umso ärgerlicher, dass Dodi Lukebakio sein rotes Trikot im Spiel gegen Schalke so gut gefiel, dass er aus seiner gelben eine rote Karte machte und vom Platz geschickt wurde. Der Ärger des Trainers war ihm gewiss: "Das war unnötig. Jetzt kommt der böse Trainer zu ihm. Irgendwann reicht es mit nett sein." Dazu fällt Vladimir Darida wegen seiner fünften gelben Karte aus.

Trotz des ausgedünnten Kaders blickt Pal Dardai positiv auf das Spiel gegen Köln: "Ich weiß, welcher Nachwuchsspieler welche Stärke hat und fülle damit auf." Durch seine Arbeit in der Nachwuchsakademie kenne er die Spieler.

Es fehlen gesperrt: Dodi Lukebakio, Vladimir Darida

Es fehlen verletzt: Krzysztof Piatek, Jhon Cordoba, Matheus Cunha (alle Sprunggelenksverletzung), Maximilian Mittelstädt (nach Gehirnerschütterung), Matteo Guendouzi (Mittelfußbruch). Ebenso: Rune Jarstein (nach Covid-19-Erkrankung) sowie Eduard Löwen und Luca Netz (beide im Aufbautraining)

Die Form

Beim 2:1-Sieg gegen Schalke lief bei weitem nicht alles optimal. Die Raumaufteilung funktionierte nicht richtig und wenn der Pfosten bei den letzten zwei Torversuchen der Gelsenkirchener nicht im Weg gewesen wäre, hätte das Spiel auch anders ausgehen können.

Nach Abpfiff kam die Mannschaft nochmal im Kreis zusammen und konnte sich trotzdem Komplimente von Sportdirektor Arne Friedrich abholen: "Ich sehe die Entwicklung in der Truppe, wir werden eine Mannschaft gerade." Es sei ein unglaublich wichtiger Sieg gewesen, "aber wir müssen auf jeden Fall aufpassen, dass wir nicht zu locker ins Spiel gehen", mahnte Friedrich bei der Pressekonferenz vor dem Köln-Spiel.

Für Pal Dardai gibt es nur ein Ziel: "Wir spielen immer auf Sieg." Er wolle vor Saisonende nicht mehr verlieren und mit einer positiven Serie in die nächste Saison gehen. "Ich werde morgen eine gute Mannschaft haben. Und solange ich ein gutes Gefühl habe, ist alles gut", sagte der Trainer.

Der Gegner

Der 1. FC Köln ist mal wieder massiv abstiegsgefährdet und steht auf dem 17. Tabellenplatz. Gegen die 29 Punkte der Kölner wirken Herthas 34 Punkte fast schon komfortabel. Beide Mannschaften brauchen den Sieg. Wenn Hertha gewinnt, ist der Klassenerhalt gesichert. Bei einem Unentschieden würde es im schlimmsten Fall in die Relegation gehen.

Das dardaische Aufstellungskarussell macht es den Kölnern schwer, sich genau auf das Spielsystem der Berliner vorzubereiten. Und Köln-Trainer Friedhelm Funkel will sich nicht darauf verlassen, dass Hertha wegen der Mehrbelastung angreifbarer sein könnte. "Wir müssen versuchen, sie von der ersten Sekunde an zu beschäftigen. Wenn wir das schaffen, können wir Oberwasser gewinnen", so Funkel bei der Pressekonferenz vor dem Spiel: "Wir müssen an die Leistungsgrenze gehen und versuchen, Hertha an die Leistungsgrenze zu bringen. Dann schauen wir, was dabei rauskommt."

Herthaner im Fokus

Beginnt kurz vor Saisonende die Stunde des Jessic Ngankam? Sein Siegtreffer gegen Schalke war für den Abstiegskampf immens wichtig. "Ich bin ein richtiger Herthaner. Da ist man umso stolzer, der Mannschaft ein bisschen geholfen zu haben", freute sich Ngankam nach seinem zweiten Bundesligator.

Mit sechs Jahren kam er zu Hertha BSC, wurde 2018 deutscher A-Jugendmeister und 2019 Torschützenkönig in der A-Junioren-Bundesliga. Der 20-Jährige durfte auch schon für die Jugend-Nationalmannschaft auflaufen.

Bei so vielen verletzten Spielern könnte Ngankam als verbleibender Stürmer auch gegen Köln Einsatzzeit bekommen. Ausnahmsweise steht er nicht in Konkurrenz zu Cordoba und Piatek. Wenn sein Knie keine Probleme macht und er nach dem Abschlusstraining die Freigabe bekommt, kann sich Ngankam wieder beweisen. Ansonsten ist es wahrscheinlich, dass Pal Dardai einem anderen Nachwuchsspieler die Chance gibt, sich auf der großen Bundesligabühne zu zeigen.

Besonderheiten

Das von der DFL beschlossene Quarantäne-Trainingslager für die Vereine der 1. und 2. Bundesliga hat am 12. Mai begonnen. Das Hygienekonzept gilt weiter und die Vereine sollen sicherstellen, dass Spieler, Trainerteam und Betreuerstab nur noch untereinander Kontakt haben. Die Erinnerungen an die Isolation zuhause dürften bei den Hertha-Spielern noch frisch sein. Für die Bundesliga-Quarantäne haben sie für die letzten Spiele ein gemeinsames Hotel in Berlin bezogen. Während bei den Bayern sogar Familienmitglieder miteingezogen sind, geht es bei Hertha etwas ruhiger zu. "Im Moment ist es bei uns so, dass wir essen, uns behandeln lassen, wieder essen. Es ist sehr eintönig momentan", so Arne Friedrich. Nach dem Köln-Spiel müsse man schauen, ob es etwas Abwechslung gebe.

Sendung: rbb UM6, 14.05.2021, 18 Uhr

Beitrag von Lynn Kraemer

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