Pokalhalbfinale | Fürstenwalde gegen Luckenwalde - Eine Frage des Blickwinkels

Matthias Mauksch, Trainer von Union Fürstenwalde (imago images/Darius Simka)
Video: rbb24 | 05.05.2021 | Uri Zahavi | Bild: imago images/Darius Simka

Bereits in der letzten Saison duellierten sich die Teams von Union Fürstenwalde und FSV Luckenwalde im Halbfinale des Landespokals Brandenburg. Damals siegte Fürstenwalde und holte auch den Titel. Weshalb sie jetzt womöglich auf Karl Marx hoffen. Von Ilja Behnisch

Wenn es nach Karl Marx geht, sieht es nicht gut aus für den FSV 63 Luckenwalde. "Die Geschichte wiederholt sich immer zweimal – das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce", soll der Philosoph und Gesellschaftstheoretiker gesagt haben. Nun trifft Luckenwalde an diesem Sonntag im Halbfinale des Länderpokals Brandenburg zum dritten Mal auf Union Fürstenwalde. 2017 gab es eine Zweitrunden-Niederlage (1:2), im vergangenen Jahr unterlag Luckenwalde im Halbfinale mit 1:4. Folgt in diesem Jahr also die Farce?

Wenn es nach Luckenwaldes Interimstrainer Steve Müller geht, funktioniert die Sache mit dem Blick in die Geschichtsbücher eher anders herum. "Einen Pokal in die Höhe zu reißen ist geil, und unsere Jungs sind nach vielen vergeblichen Anläufen mal dran", so Müller gegenüber "Sportbuzzer" [sportbuzzer.de]. Severin Mihm, nach dem beruflich bedingten Abschied von Jan Kistenmacher zusammen mit Müller Interimstrainer beim FSV, schöpft ebenfalls Hoffnung. Gegenüber der "Lausitzer Rundschau" sagte er: "Wir konnten einen verdienten Derby-Sieg gegen Babelsberg einfahren und bei Energie Cottbus erspielten wir einen Punkt. Wir haben gezeigt, dass wir gegen die Großen mithalten können und für jeden Gegner eklig zu bespielen sind."

Fürstenwaldes Vorbereitung nicht optimal

Als eklig erwies sich für Luckenwalde jedoch immer auch Fürstenwalde. Neben den zwei Pokalpleiten gab es auch in der Regionalliga Nordost zuletzt nur einen Punkt aus drei Spielen. Hoffnung macht da höchstens, dass es in der Vorbereitung nicht sonderlich rund lief bei Fürstenwalde. Das Team von Trainer Matthias Mauksch, der den Verein am Ende der Saison verlassen wird, kassierte Testspiel-Niederlagen gegen Optik Rathenow (2:6) und den Berliner AK (2:3), stieg zudem später wieder ins Training ein als Luckenwalde. Der Faustpfand für den Titelverteidiger: "Aber wir haben Heimrecht!"

Für Luckenwaldes Severin Mihm darf sein Gegenüber noch auf eine andere Stärke bauen: "Fürstenwalde spielt einen unkomplizierten Fußball. Sie haben drei, vier richtig gute Kicker, die auch mal ein Spiel entscheiden können." Dabei dürfte er vor allem an Linksaußen Darryl Geurts gedacht haben, mit sechs Tore Toptorschütze Unions. Doch auch der zentrale Mittelfeldspieler Joshua Putze kam in den lediglich elf absolvierten Spielen der diesjährigen Regionalliga-Saison auf starke drei Tore und fünf Torvorlagen.

Ehernes Pokalgesetz

Obwohl Gegner Luckenwalde auf zwei Saisonspiele mehr kam in der Regionalliga, sammelte es weniger Punkte (15 statt 16 wie Fürstenwalde) und erzielte zudem deutlich weniger Tore (14 gegenüber 22 bei Union). Ein Offensivfeuerwerk sollte von den Gästen am Sonntag also eher weniger erwartet werden. Zudem sagt Trainer Mihm: "Es war schwer, ins Leere zu trainieren. Das Training wurde teilweise individuell zu Hause durchgeführt." Dem gegenüber steht die Motivation seiner Spieler: "Natürlich ist der wirtschaftliche Aspekt ein großer Anreiz. Aber unsere Mannschaft wird auch angetrieben, ein Stück Luckenwalder Geschichte zu schreiben."

Zur Luckenwalder Geschichte hat sich Karl Marx übrigens nicht nachhaltig geäußert. Zum Pokal an sich würde er vielleicht von einem "antagonistischen Interessengegensatz" sprechen. Vor allem aber gilt seit jeher, ganz im Sinne jeden Klassenkampfes: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze.

Der rbb überträgt die Pokalhalbfinalspiele zwischen Energie Cottbus und dem SV Babelsberg, sowie zwischen Union Fürstenwalde und dem FSV 63 Luckenwalde live. Die Konferenz beider Paarungen gibt es sowohl im TV, als auch im Livestream auf rbb24 und auf Facebook.

Sendung: rbb24, 07.05.2021, 16 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

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