Auswärts bei Absteiger Schalke - Herthas letztes Bonusspiel

Di 11.05.21 | 14:28 Uhr | Von Dennis Wiese
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Hertha-Coach Pal Dardai und Co-Trainer Andreas "Zecke" Neuendorf / IMAGO / Contrast
Bild: IMAGO / Contrast

Mit der Partie auf Schalke (Mittwoch, 18 Uhr) endet Herthas Aufholjagd in den Nachholspielen. Mit einem Sieg hätten die Berliner drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und damit einen Matchball im Abstiegskampf. Von Dennis Wiese

Personal

Selbst Herthas Torwarttrainer ist verletzt. So langsam humpeln sich die Blau-Weißen durch den Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga. Mit einer gerissenen Achillessehne hat es Torwarttrainer Ilja Hofstädt am heftigsten erwischt. Doch auch viele Profis fehlen im Schlussspurt: Maximilian Mittelstädt hat im Heimspiel gegen Bielefeld eine Gehirnerschütterung erlitten. Der Zauberfuß von Matheus Cunha ist ziemlich dick angeschwollen, auch der Brasilianer hat sich gegen Bielefeld verletzt – fällt mit lädiertem Sprunggelenk aus. Gleiches gilt für Sturmkollege Jhon Cordoba.

Trainer Pal Dardai blieb auf der Spieltags-Pressekonferenz (vor dem Spiel auf Schalke, Mittwoch, 18 Uhr) am Dienstagvormittag nüchtern: "Ich war noch nie ein Trainer, der geheult hat. Wir haben einen Plan im Kopf. Aber klar, langsam merkt man bei den vielen Verletzungen, dass wir gerade von der Couch kamen. Koordination ist nicht so da, dafür Müdigkeit", so Dardai. Nach Ende der Quarantäne haben sich besonders viele Spieler verletzt. Auch der Einsatz von Mittelfeld-Routinier Sami Khedira ist fraglich, Lockenkopf Matteo Guendouzi fällt mit gebrochenem Mittelfuß sicher aus. Dodi Lukebakio und Marvin Plattenhardt könnten nach ihren Coronaerkrankungen in den Kader zurückkehren. Von den Ärzten habe Dardai grünes Licht erhalten. Jetzt wolle sich der Trainer noch ein genaues Bild von der Verfassung der beiden Kicker machen.

Es fehlen: Jhon Cordoba (Sprunggelenksverletzung), Matheus Cunha (Sprunggelenksverletzung), Maximilian Mittelstädt (nach Gehirnerschütterung), Matteo Guendouzi (Mittelfußbruch). Ebenso: Rune Jarstein (nach Covid-19-Erkrankung) sowie Eduard Löwen und Luca Netz (beide im Aufbautraining)

Die Form

Fast hätte man bei Hertha BSC an eine wundersame Quarantäne-Auferstehung glauben können. Bei Mainz 05, so etwas wie das Bundesliga-Team der Stunde, erkämpfte sich Hertha beim Comeback ein 1:1. Nur drei Tage später feierten die Berliner gegen Freiburg ein überzeugendes 3:0 – mit viel Spielfreude, vorne effektiv, hinten abgeklärt.

Dann aber kam das ideenlos-schlaffe 0:0 gegen punktgleiche Bielefelder. "Typisch Hertha", wäre die negative Interpretation, "einen wichtigen Punkt gegen einen direkten Verfolger geholt" die positive Lesart. Klar ist, dass Hertha weiter um den Klassenerhalt kämpfen muss. Auf Schalke steht das vierte Spiel innerhalb von zehn Tagen an.

Der Gegner

Seit 1991, seit 30 Jahren also, spielte Schalke 04 durchgängig in der Bundesliga, gewann 1997 mit seinen "Eurofightern" den UEFA-Pokal und war 2001 Deutscher Meister. Zumindest glaubten die Königsblauen das für vier Minuten, bevor ein Tor in der Nachspielzeit Bayern München zum wahren Meister und Schalke nur zum tränenreichen "Meister der Herzen" machte. 2002 und 2011 gewann Schalke den DFB-Pokal.

Nun der Grund für diesen "Nachruf": Fehlbesetzungen in der sportlichen Leitung und auf dem Platz sorgten für den krachenden Absturz der Schalker. Seit dem ersten Spieltag dieser Saison standen die Gelsenkirchener immer auf einem direkten Abstiegsplatz, nur zwei von 31 Spielen konnte S04 gewinnen. Das Hinspiel entschieden ebenfalls kriselnde Herthaner Anfang Januar mit 3:0 für sich.

Am Montag wurde ein Schalker Spieler positiv auf das Coronavirus getestet. Hertha geht aber, Stand Dienstagvormittag, davon aus, dass das Spiel stattfinden kann. Hertha-Pressesprecher Max Jung erklärte: "Es handelte sich um einen Schnelltest, bevor die Spieler gemeinsam auf den Platz gehen. So kann normalerweise schon vorher ausgesiebt werden, bevor es zum Kontakt mit den Mitspielern kommt. Wir planen so, dass wir am Mittwoch spielen werden."

Herthaner im Fokus

Pal Dardai hat gute Karten, die Mission Klassenerhalt zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Seit sechs Spielen sind Dardais Herthaner ungeschlagen, der Ungar strahlt Ruhe aus. Diese strahlt auch auf seine Spieler ab, so der Ungar vor den letzten drei Saisonspielen: "Ich spüre Ruhe, keiner ist hektisch, ich brauche auch keinen, der jetzt schon sagt: 'Ja, morgen gewinnen wir.' Die Spieler sollen erstmal ruhig schlafen, morgen in Ruhe frühstücken. Und dann kümmern wir uns um die Startaufstellung und den ganzen Rest. Wenn der Schiedsrichter pfeift, müssen die Spieler da sein", so Dardai.

Besonderheiten

Die Tabellenrechner glühen in Fußball-Deutschland, denn der Abstiegskampf ist spannend. Nach dem sicheren Abstieg von Hertha-Gegner Schalke ist ein weiterer direkter Abstiegsplatz zu vergeben. Ebenso der Relegationsplatz 16. Sechs Vereine können noch auf einem dieser beiden Plätze landen, darunter Hertha BSC.

Aber: Hertha kann im Bonusspiel (dem letzten verbliebenden Nachholspiel) auf Schalke einen großen Schritt machen. Mit einem Sieg würde Hertha auf den 14. Tabellenplatz klettern, hätte dann 34 Punkte. Das wären drei mehr Punkte als Bielefeld auf dem Relegationsplatz und ganze fünf Zähler Vorsprung auf den Vorletzten, den 1. FC Köln. Zudem haben die Berliner die beste Tordifferenz aller Abstiegskandidaten. Am Sonnabend steht der vorletzte Spieltag der Saison an. Hertha empfängt Verfolger Köln. Ein Sieg auf Schalke würde das letzte Heimspiel dieser Spielzeit also zu einem Matchball im Abstiegskampf machen.

Sendung: rbb Inforadio, 11.05.2021, 13:15 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

1 Kommentar

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  1. 1.

    Das Duell der königsblauen Versager. Beide Clubs und Fanlager sind sich so ähnlich, dass kann kein Zufall sein :)
    Mal sehen ob Schalker Spieler für neue Vereine vorspielen.

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