Kommentar | Rauswurf nach rassistischer Nachricht - Der falsche Herr Lehmann

Jens Lehmann als TV-Experte vor einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft (Archiv). Quelle: imago images/Sven Simon
Audio: Inforadio | 05.05.21 | Simon Wenzel | Bild: imago images/Sven Simon

Der Rassismus-Eklat von Jens Lehmann trifft Hertha zur Unzeit. Und erneut wird deutlich: Investor Lars Windhorst hat bislang kein Glück mit seiner Personalauswahl. Dabei steht der richtige Mann schon bereit, kommentiert Simon Wenzel.

Herr Lehmann, was für ein Typ. Hängt besoffen in der Bar, macht leere Versprechungen und hat sein Leben nicht im Griff. Die Romanfigur von Sven Regener ist aber immerhin ein Kreuzberger Original und wäre alleine deshalb wohl ein besseres Aufsichtsratsmitglied für Hertha BSC gewesen, als der Herr Lehmann, den die Alte Dame vor einem knappen Jahr bekam. Der Herr Jens Lehmann nämlich, der bekommt garantiert keinen Berliner Kult-Status mehr.

Reaktion von Windhorst ist gut, die Schlagzeilen bleiben trotzdem

Ein Alkohol-Problem ist bei ihm zwar nicht bekannt, dafür aber das Donald Trump-Syndrom: Zu viel am Handy rumspielen und fragwürdige Nachrichten in die Welt senden. Lehmanns wilde Corona-Thesen letztes Jahr waren beinahe noch pille-palle, jetzt hat er komplett ins Klo gegriffen. Eine eindeutig rassistische Whatsapp über den ehemaligen Fußball-Nationalspieler und heutigen Fernsehexperten Dennis Aogo schickte Lehmann nicht an den Bekannten, den er für so geschmacklos hielt, dass der das witzig finden könnte, sondern eben an Dennis Aogo selbst.

Der veröffentlichte die Nachricht und Lehmann ist seinen Job im Aufsichtsrat los. Die schnelle Reaktion von Investor Lars Windhorst in diesem Fall ist gut. Sie zeigt, dass er die vorgelebte Toleranz-Kultur von Hertha BSC verstanden hat. Aber die Schlagzeilen sind da und die Unruhe kommt zur Unzeit - mitten in der sportlich wichtigsten Phase seit dem Einstieg der Tennor Holding. Dafür können weder Hertha noch Windhorst etwas, es passt allerdings ins unglückliche Bild, das der ehemals liebevoll als "Alte Dame" bezeichnete und neuerdings als Big City Club verschmähte Verein in den letzten zwei Jahren abgibt.

Neues Aufsichtsratsmitglied gesucht

Investor Windhorst - so ehrlich muss man sein - hat bei der Auswahl seiner sportlichen Berater bislang kein goldenes Händchen bewiesen. Auch Lehmanns Vorgänger Jürgen Klinsmann hatte sich (damals schon als Trainer) spektakulär und digital vom Verein verabschiedet. Nun muss Herthas Anteilseigner wieder einen neuen Mann für den Aufsichtsrat suchen. Folgt er seinem bisherigen Schema, dann wird es erneut ein großer Name, der irgendetwas mit dem "Sommermärchen" 2006 rund um die deutsche Nationalmannschaft und die WM im eigenen Land zu tun hatte.

Ein kleiner Tipp an dieser Stelle: Arne Friedrich war damals auch dabei und sucht für die Zukunft noch seine neue Rolle im bald stark aufgepumpten Management der Hertha. Er hängt zwar nicht regelmäßig besoffen über der Theke, genießt aber fußballerischen Kult-Status in Berlin.

Sendung: rbbUM6, 05.05.21, 18 Uhr

Beitrag von Simon Wenzel

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