Saisonfinale gegen Leipzig - Stürmt Union von der Pole-Position nach Europa?

Fr 21.05.21 | 17:10 Uhr | Von Johannes Mohren
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Wollen den letzten Schritt nach Europa machen: Die Profis des 1. FC Union. / imago images/Jürgen Schwarz
Audio: Inforadio | 19.05.2021 | Johannes Mohren | Bild: imago images/Jürgen Schwarz

Der 1. FC Union könnte am Samstag erstmals seit 20 Jahren in einen europäischen Wettbewerb einziehen. In den finalen Krimi gehen die Köpenicker mit mehreren Vorteilen, müssen aber auch auf einen ganz wichtigen Spieler verzichten. Von Johannes Mohren

Das Personal

Er hat die letzten vier Bundesliga-Tore des 1. FC Union geschossen - im Bundesliga-Finale muss Joel Pohjanpalo nun passen: Mit dem finnischen Torjäger fehlt den Köpenickern am Samstag (15:30 Uhr) gegen Leipzig ausgerechnet ihr aktuell erfolgreichster Stürmer. Der 26-Jährige habe Probleme "im Beinbereich", sagte Trainer Urs Fischer - und: "Er war nach dem letzten Spiel gegen Leverkusen angeschlagen. Seine Situation lässt keinen Einsatz zu."

Es ist ein weiterer Ausfall in der ohnehin gebeutelten Offensive. Und auch sonst ist die personelle Situation vor dem finalen Kampf um die Europa Conference League angespannt. "Wir haben den einen oder anderen Verletzten, der uns nicht zur Verfügung steht und mit Robert Andrich einen wichtigen Spieler, der gesperrt ist", sagte Fischer. Der Abräumer und Stabilisator im Mittelfeld hatte in Leverkusen seine fünfte Gelbe Karte gesehen.

Es fehlen: Joel Pohjanpalo (Probleme im Beinbereich), Grischa Prömel, Florian Hübner (beide muskuläre Probleme), Anthony Ujah (im Aufbautraining), Leon Dajaku (Fußverletzung) und Robert Andrich (gelbgesperrt)

Die Form

Mit einem völlig verdienten 1:1 bei Bayer Leverkusen hat sich der 1. FC Union am vergangenen Spieltag an Gladbach vorbei und damit auf die Pole-Position im Kampf um die Europa Conference League geschoben. "Die Freude ist bei uns allen groß. Wir spielen am 34. Spieltag um das internationale Geschäft. Ich glaube, das hat so von uns keiner erwartet", sagte Fischer - mahnte aber gleichzeitig auch: "Wichtig ist, dass wir uns nicht zu fest freuen, sondern dass wir klar im Kopf bleiben und den Fokus hinbekommen. Wichtig ist, dass wir von der ersten Minute an im Spiel sind."

Die Köpenicker sind bisher ordentlich durch ihr hartes Programm im Schlusspurt gekommen (zuletzt zwei Siege, zwei Remis, eine Niederlage) und profitieren zudem davon, dass die Konkurrenz um Platz sieben seit geraumer Zeit schwächelt. Allen voran der ärgste Verfolger Borussia Mönchengladbach, der gleich drei seiner letzten vier Partien verlor. Die Gladbacher müssen auswärts in Bremen ran - und lauern nun einen Punkt hinter Union. Auch Stuttgart und Freiburg (je zwei Punkte zurück) könnten die Eisernen am letzten Spieltag noch abfangen.

Da kann es nicht schaden, dass diese auf eine besondere Qualität bauen können: Zuhause sind sie fast unschlagbar. Auf die Pleite gegen Augsburg am ersten Spieltag folgten bis jetzt 15 (!) Spiele ohne Niederlage in Folge. Und nun kommt auch noch die lange herbeigesehnte Unterstützung von den Rängen dazu (siehe: Besonderheiten). Damit die Heimserie Bestand hat, muss das Team von Urs Fischer eine andere brechen: Gegen Leipzig ist es im Fußball-Oberhaus noch gänzlich ohne Punkte. In bislang drei Spielen gab es drei Niederlagen.

Der Gegner

... ist Tabellenzweiter und wird es unabhängig vom Ergebnis am Samstag auch bleiben. Durchaus möglich, dass die Köpenicker davon profitieren - gerade unter den aktuellen Bedingungen. "Das Quarantäne-Trainingslager gehört dazu und ist sehr verständlich. Aber es ist für sehr, sehr viele schon mühsam. Ich glaube, wenn man jetzt vielleicht schon eine Position hat, wo sich nicht mehr viel tut, kann schon sein, dass die Luft ein bisschen rausgeht", sagte Christopher Trimmel. Zu unterschätzen sei die letzte Aufgabe dennoch keinesfalls. Ganz im Gegenteil. Leipzig sei eine "außergewöhnliche Mannschaft mit super Spielern", so der Kapitän - und: "Ich denke, dass sich der Nagelsmann auch mit einem positiven Ergebnis verabschieden möchte."

Beim Trainer der Leipziger flossen unter der Woche bei seiner Rede zum Abschied "auch ein paar Tränen". Das erzählte der 33-Jährige selbst, der ab der kommenden Saison bei Bayern München auf der Bank sitzt - ausgestattet mit einem Fünfjahresvertrag. In seinem letzten Spiel mit den Sachsen muss er auf einige Leistungsträger verzichten. Die beiden Spanier Dani Olmo und Angelino fehlen ebenso verletzt wie Tyler Adams und Stammtorwart Peter Gulacsi. Er wird von Josep Martinez ersetzt, der damit seine ersten Pflichtspiel-Minuten für den Vizemeister betreiten wird. Der Einsatz von Nationalspieler Marcel Halstenberg ist noch fraglich.

Unioner im Fokus

Er lebe momentan "auf gepackten Koffern", erzählte Christopher Trimmel gut gelaunt bei der Presserunde am Dienstag, "man muss ja sehr flexibel sein." Aktuell das Quarantäne-Trainingslager, der kurze private Urlaub und dann - wie seit Mittwoch feststeht - die EM-Vorbereitung mit der österreichischen Nationalmannschaft: Es ist aktuell einiges los im Leben des Kapitäns der Köpenicker.

Wie der Sommer laufen wird, weiß der 34-Jährige noch nicht. Die Nominierung für Österreich ist noch vorläufig, einige Spieler werden vor dem Turnier noch aus dem Kader fallen. Da tut ein wenig Planbarkeit auch mal ganz gut. Und die hat Trimmel offiziell seit Donnerstag: Zum Trainingsstart wird er - ganz egal, was der Sommer bringt - wieder in Köpenick sein. Sein Vertrag wurde - wie es in der Mitteilung des Klubs hieß - nach intensiven Gesprächen verlängert, die schon jetzt siebenjährige Zeit Trimmels bei den Eisernen geht also weiter. "Für uns geht es darum, Union in der Bundesliga zu etablieren und den ersten zwei Spielzeiten weitere hinzuzufügen. Das ist und bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe, der ich mich gerne stelle", sagte Trimmel.

Besonderheiten

Fast sieben Monate - oder anders gesagt: 254 Spiele. Es war eine lange Zeit in der Fußball-Bundesliga ohne Fans auf den Rängen. Am Samstag endet sie. 2.000 Zuschauer werden beim Saisonfinale im Stadion An der Alten Försterei dabei sein. Der Senat stimmte zu Beginn der Woche einem Antrag des 1. FC Union zu. "Fußball lebt von Emotionen und die 2.000 Fußballfans werden sicher für Stimmung sorgen", sagte Sportsenator Andreas Geisel (SPD).

Eine Atmosphäre, nach der sich die Profis der Köpenicker lange gesehnt haben. "Ich freue mich riesig, dass Fans im Stadion sein werden. Es ist der Saisonabschluss - und wir vermissen uns schon gegenseitig. Für sehr viele Spieler ist es auch das letzte Spiel bei uns. Man kann sie ordentlich verabschieden, so wie es sich gehört: unten am Platz", sagte Trimmel. Seinem Team könnte die Teil-Rückkehr der Anhänger zudem einen entscheidenden Push im finalen Kampf um den europäischen Startplatz geben. Doch es gehe ihm weniger um einen möglichen eigenen Vorteil. "Ich glaube, auch die Leipzig-Spieler freuen sich, wenn wieder Fans im Stadion sind", sagte der 34-Jährige. "Das ist insgesamt für den Fußball sehr wichtig und schön."

Sendung: rbb UM6, 21.05.2021, 18:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

6 Kommentare

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  1. 6.

    Ich bin seit 1965 Union Fan hab tolle Spiele erlebt schlechte Zeiten auch aber es wird zuviel Kommerz gemacht das wollten wir echten unioner nie es gibt mehr guten Sport in Berlin wollte ich nur sagen und vor den gefahren warnen diese doppelte Belastung hat vielen Vereinen das Genick gebrochen und ein Derby ist nun Mal das wichtigste war immer so

  2. 5.

    Aha, "eine normale 2. Saison" also - in der man am letzten Spieltag noch um einen internationalen Rang spielt?! Was wäre für Sie denn einen Super-Saison, Platz 16 aber 'Stadtmeister', oder was?
    Halten Sie sich doch lieber an Alba, Eisbären oder BR Volleys, denn vom FCU resp. Fussball scheinen Sie nicht allzu viel Ahnung zu haben, womine.

  3. 4.

    Achso ich gratuliere Alba den volleys und den Eisbären für eine wirklich geile Saison

  4. 3.

    Ich bin enttäuscht ,Europa nein danke denken andere Clubs denen Europa das Genick gebrochen hat ( Mehrbelastung ) was bleibt kein Sieg im Derby gegen schwache hertha Stadtmeisterschaft wieder nicht man kann vieles schön reden es bleibt eine normale 2. Saison

  5. 2.

    GUTES GELINGEN wünschen wir Euch und freut Euch auf die 2000 Fans vor Ort und an ALLE VOR der Alten Försterei, bitte, bitte, bitte liefert allen Neidern keine Vorlage für den nächsten Vorfall !!!!! Maske auf und mit 1,5 m Abstand Toben !!!!

  6. 1.

    Auf geht's nach Europa, Jungs, EISERN UNION!
    Und wenn nicht, auch egal
    GEILE SAISON

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