Amateurverein mit Tüv-Zertifikat - Nachhaltig am Ball

Mitglieder des FC Internationale (Quelle: FC Internationale)
Bild: FC Internationale

Der FC Internationale setzt auf Fairtrade-Bälle und Kleidertausch. Als erster Amateurverein Deutschlands hat er nun ein Tüv-Nachhaltigkeitszertifikat erhalten. Die Schöneberger krempeln dafür vieles im Verein um.

Schon auf den ersten Blick wird deutlich: Beim FC Internationale wächst etwas heran. "Wir haben schon angefangen, bei uns auf der Sportanlage Blumen zu pflanzen und Beete anzulegen", erklärt der erste Vorsitzende Gerd Thomas. Doch nicht nur die Pflanzen sprießen aus dem Boden. Bei dem Fußballverein aus Schöneberg ist in den letzten Monaten auch etwas anderes aufgeblüht: das Bewusstsein und Engagement für Nachhaltigkeit.

Das Nachhaltigkeitszertifikat des FC Internationale (Quelle: FC Internationale)
Als erster Amateurverein hat der FC Internationale vom TÜV ein Nachhaltigkeitszertifikat erhalten. | Bild: FC Internationale

Nachhaltigkeitsziele der UN als Orientierung

Als erster Amateurverein Deutschlands haben die Berliner das Tüv-Nachhaltigkeitszertifikat erhalten. Es wurde im Rahmen eines Pilotprojekts zwischen dem Verein, dem Tüv Rheinland und der Uni Witten/Herdecke (Nordrhein-Westfalen) vergeben. Als sich junge Mitglieder des Vereins engagieren wollten und das Thema Nachhaltigkeit immer stärker in den Fokus rückte, bildete sich im Verein eine Nachhaltigkeitsgruppe. Oliver Brendle, seit über 40 Jahren im Verein und beim Tüv tätig, brachte dann die Zertifizierung ins Spiel. Die orientiert sich an den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN, zu denen unter anderem Klimaschutz, hochwertige Bildung und keine Armut zählen.

In vielen Bereichen sind die Schöneberger schon seit Jahren engagiert. Der Gang in den Fanshop zeigte aber, wo noch Luft nach oben ist, so Brendle. "Bei den Trikots haben wir gesehen, das kommt alles aus Asien und natürlich wissen wir nicht, wie es hergestellt worden ist", sagte er. Also sei der Entschluss gereift: "Das wollen wir einfach besser werden."

Fairtrade-Trikots, regionales Essen und Kleidertausch

Ideen und Projekte gibt es viele. Fairtrade-Bälle hatte der FC Internationale bereits. Nun wollen sie auch die Trikots umstellen und beim Catering auf Regionales setzen. Beim Kleidertausch sollen zu klein gewordene Trikots oder Fußballschuhe an die nächste Generation weitergegeben werden, statt neu zu kaufen. Doch bei der Nachhaltigkeit geht es nicht nur um den Klimaschutz. "Dass da auch ein großer Fokus auf dem Sozialen liegt, wissen viele nicht", erklärt Brendle. Der Verein wird daher einen Nachhaltigkeitsfond einrichten, um ärmere Mitglieder zum Beispiel bei den Kosten für Trainingslager zu unterstützen.

Fairtrade-Bälle liegen auf dem Rasen (Quelle: FC Internationale)
Fairtrade: Die Bälle beim FC Internationale. | Bild: FC Internationale

Mit der Aktion sollen andere zum Nachmachen animiert werden. "Wir wollen Mut machen und zeigen, dass es geht", sagt der erste Vorsitzende Gerd Thomas. Dafür müssten zunächst die Bereitschaft und das Bewusstsein da sein. Das werden sie auch beim FC Internationale noch brauchen, denn "es ist ja nicht so, dass wir die Zertifizierung haben und auf einmal ist alles toll. Wir müssen uns entwickeln."

Verein will bis 2022 klimaneutral werden

Die nächsten Ziele sind bereits gesteckt. Bis 2022 will der Verein klimaneutral werden, künftig noch mehr Abfall vermeiden und seine Reinigungsmittel umstellen. Doch nicht alles könne der Verein allein schaffen. Deshalb fordert er Unterstützung aus der Politik. So habe man auf die Sportanlagen, die den Bezirken gehören, nur wenig Einfluss. Doch auch da hat der FC Internationale schon erste Erfolge gehabt, bei einem neu geplanten Sportplatz. "Da haben wir durchgesetzt, dass ein besserer Kunstrasen hinkommt, also Kork und kein Gummigranulat."

Gerade der Sport müsse noch viel nachhaltiger werden. In vielen Vereinen werde auch schon einiges für die Nachhaltigkeit getan, sagt Oliver Brendle. Und so könnten vielleicht noch mehr Vereine die Zertifizierung, für die man etwa eine vierstellige Summe aufbringen müsse, erhalten. "Viele Vereine haben die Basis. Der Schritt ist nicht so weit. Es kostet Mühe, man muss schon fleißig sein am Anfang. Aber es macht ja auch Spaß und ich denke, dass ein Großteil der Vereine das gut schaffen könnte."

Sendung: rbb UM6, 12.05.2021, 18 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Super Sache - vllt werde sogar ich als Fussball-Gleichgültiger da noch zum Fan. Jedenfalls ist es viel schöner, solche Geschichten zu lesen als irgendwelches Personality-Gezänk aus Upper-Class-Vereinen wie den Münchener Bayern oder aus dem DFB vorgesetzt zu kriegen.

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