Nach rassistischer Aussage - Lehmann verliert Posten im Aufsichtsrat von Hertha

Archivbild: Trainer Jens Lehmann bei einem Bundesligaspiel im Fußballstadion. (Quelle: imago images/T. Bachun)
Audio: Inforadio | 05.05.2021 | J. Rüger | Bild: imago images/T. Bachun

Hertha-Investor Windhorst hat den Beratervertrag mit Jens Lehmann gekündigt. Damit endet auch dessen Mandat im Aufsichtsrat. Lehmann hatte sich diskriminierend gegenüber Ex-Spieler Dennis Aogo geäußert. Aogo nimmt eine Entschuldigung von Lehmann an.

Jens Lehmann ist nicht mehr Teil des Aufsichtsrats des Fußball-Bundesligisten Hertha-BSC. Das teilte ein Sprecher von Tennor, dem Unternehmen von Hertha-Investor Lars Windhorst, dem rbb mit. Zuvor hatte sich Lehmann in einer Textnachricht rassistisch gegenüber dem ehemaligen Nationalspieler Dennis Aogo geäußert.

Aogo nimmt Entschuldigung an

Lehmann räumte den Vorfall am Mittwochmorgen per Twitter ein und teilte mit, er habe sich inzwischen entschuldigt. "In einer privaten Nachricht von meinem Handy an Dennis Aogo ist ein Eindruck entstanden, für den ich mich im Gespräch mit Dennis entschuldigt habe", schrieb Lehmann. Er ergänzte, Aogo sei "sehr fachkundig und hat eine tolle Präsenz und bringt bei Sky Quote."

Am Dienstagabend äußerte sich Aogo erneut zu dem Vorfall - und nahm die Entschuldigung von Lehmann an. "Ich habe heute schon zweimal mit ihm telefoniert und nehme seine Entschuldigung an", erklärte der Ex-Spieler in einem Statement auf seinem Instagram-Kanal. "Ich fand das, was er geschrieben hat, nicht gut. Ich finde das auch ein Stück weit respektlos. Trotzdem will ich sagen, dass jeder Mensch Fehler macht", so Aogo weiter. Jeder Mensch habe ein zweite Chance verdient und er fände es nicht richtig, "dass sich alle jetzt auf ihn stürzen". Für Aogo sei das Thema jetzt erledigt, er habe Lehmann seine Entschuldigung abgenommen.

Whatsapp-Nachricht als Auslöser

Zuvor hatte der ehemalige Nationaltorwart in einer Whatsapp-Nachricht, offensichtlich am Dienstag, über Ex-Nationalspieler Dennis Aogo geschrieben: "Ist Dennis eigentlich euer Quotenschwarzer?" Aogo war am Dienstagabend als Experte bei der Champions-League-Übertragung des Senders Sky im Einsatz.

Die Nachricht ging allerdings an Aogo selbst, der sie als Storypost auf seinem Instagram-Account veröffentlichte. Aogo adressierte Lehmann via Instagram mit den Worten "WOW dein Ernst? Die Nachricht war wohl nicht an mich gedacht!!!" Zahlreiche Fans von Hertha BSC reagierten im Internet entsetzt auf Lehmanns Äußerung.

Stellungnahmen von Tennor und Hertha BSC

Windhorst zog wenig später Konsequenzen. "Der Vertrag von Jens Lehmann wird mit sofortiger Wirkung aufgelöst", sagte Tennor-Sprecher Andreas Fritzenkötter am Mittwochvormittag dem rbb. "Damit entfällt auch das Mandat im Aufsichtsrat." Fritzenkötter ergänzte: "Wir finden das persönlich sehr schade. Aber das ist mit den Grundsätzen von Tennor und Lars Windhorst nicht vereinbar - erst recht vor dem Hintergrund, dass wir viele Colour-People als Mitarbeiter haben."

Auch Hertha-Präsident Werner Gegenbauer distanzierte sich von der Aussage des ehemaligen Nationaltorhüters. "Solche Einlassungen entsprechen in keiner Weise den Werten, für die Hertha BSC steht und sich aktiv einsetzt. Hertha BSC distanziert sich von jeglicher Form von Rassismus. Wir begrüßen daher den Schritt der Tennor Holding", sagte Gegenbauer am Mittwoch.

Auch Trainer Pal Dardai äußerte sich kurz bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Freiburg am Donnerstag: "Die neue Führung von Hertha ist sehr konsequent, und das ist sehr positiv." Die Entscheidung bezeichnete er als "sehr gut". Dardai wies außerdem darauf hin, dass er nicht gespürt habe, dass Lehmann nah an der Mannschaft gewesen sei. "Wir müssen uns aufs Fußballspielen konzentrieren", sagte der Trainer.

Lehmann hatte vor einem Jahr den geschassten Jürgen Klinsmann als Vertreter von Investor Windhorst im Aufsichtsrat der Hertha BSC KG beerbt.

Der Sportchef des Fernsehsenders Sky teilte mit, dass Lehmann nicht mehr als Gast in Sendungen eingeladen werde. "Wir bei Sky verurteilen jegliche Form von Rassismus und geben Rassismus keinen Raum und keine Plattform", sagte Charly Classen. Der Sender sei sehr froh Dennis Aogo im Team zu haben.

Sendung: rbb UM6, 05.05.2021, 18 Uhr

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