Pokalhalbfinale | Viktoria - BFC Dynamo - Alle gegen einen

Viktoria Berlin gegen Tennis Borussia Berlin im Viertelfinale des Landespokals (imago images/Matthias Koch)
Bild: imago images/Matthias Koch

Aufgrund der Regelung, den Berliner Pokalsieger coronabedingt nur unter den Regionalligisten zu ermitteln, kommt der Wettbewerb wie eine Fortsetzung der abgebrochenen Saison daher. Damit ist die Favoritenrolle klar. Von Ilja Behnisch

Christian Benbennek ist zufrieden. "Die Jungs ziehen toll mit", sagt der Trainer des BFC Dynamo vor dem Landespokal-Halbfinale am kommenden Samstag gegen Viktoria Berlin (ab 11.55 Uhr im Livestream auf rbb24.de und bei Facebook). Und das, obwohl die Mannschaft wichtige Abgänge zu verzeichnen hat.

So wechselte etwa Top-Scorer Benjamin Förster (sechs Tore, drei Vorlagen in neun Spielen) zum Liga-Konkurrenten ZFC Meuselwitz. Zuletzt gab auch Kapitän Ronny Garbuschewski bekannt, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Im Pokalspiel gegen Viktoria fehlt der 139-fache Drittligaspieler jedoch ohnehin verletzungsbedingt. Und dennoch, so Trainer Benbennek gegenüber rbb|24: "Wir haben die Chance, mit zwei Siegen in die erste Runde des DFB-Pokals einzuziehen. Das ist eine Riesen-Motivation für alle. Jetzt haben wir ein richtiges Brett vor uns und wir hoffen, wir können es zu einem richtigen Pokalfight machen."

Dieses "Brett" hört auf den Namen Viktoria Berlin und ist nach elf Siegen aus elf Spielen zum Meister der abgebrochenen Saison in der Regionalliga-Nordost gekürt worden. Immerhin, so Benbennek angesichts des bis dahin absolvierten Pensums: "Wir zählen nicht zu den elf Mannschaften, die sie geschlagen haben." Der jedoch auch findet: "Wir können schon sagen, dass wir krasser Außenseiter sind in diesem Spiel." Eine Einschätzung, an der wohl auch der Viertelfinal-Auftritt der Viktoria ihren Anteil hat. Er habe das Spiel gegen Tennis Borussia (3:0 für Viktoria) gesehen. Viktoria habe "hochverdient und souverän gewonnen. Von daher scheint es nahtlos so weiterzugehen, wie sie auch in der Liga gespielt haben."

Viktoria weiß um die eigene Schwäche

Darüber war sich Viktorias Trainer Benedetto Muzzicato vor dem Spiel gegen TeBe alles andere als sicher. Umso euphorischer fällt im Gespräch mit rbb|24 sein Fazit aus: "Als erstes Pflichtspiel nach über sieben Monaten war das schon sehr überzeugend." Auch wenn man "schon mit ein bisschen mehr gerechnet" habe beim Gegner. Dennoch, die Unsicherheit vor dem Spiel gegen die "Veilchen" scheint Zuversicht gewichen zu sein. So denke er schon, "dass es von Vorteil ist", dass seine Mannschaft dieses Spiel in den Beinen und Köpfen habe, während der BFC Dynamo "dank" eines Freiloses im Viertelfinale noch immer nicht so genau weiß, wie es um den aktuellen Leistungsstand bestellt ist.

Eine Ungewissheit auch für Muzzicato, der zwar ebenfalls befindet, der BFC habe im "Winter gute Jungs verloren", ansonsten aber nicht so recht weiß, "was uns erwartet". Immerhin, man habe sich über das Testspiel des BFC gegen Fürstenwalde informieren können und erwarte den Gegner "offensiv sehr zielstrebig" und als einen, der sein Glück im schnellen Umschaltspiel suchen werden. Auch, weil Viktoria genau da anfällig sei. Was Muzzicato anschließend recht locker kommentiert: "Es muss ja immer auch Schwächen geben."

Einspruch durch Blau-Weiß 90

Zu einem viel größeren Problem für beide Teams könnte eine Mannschaft werden, die gar derzeit nicht mitspielt, mitspielen darf. Denn Oberligist Blau-Weiß 90 Berlin protestierte bereits vor dem Viertelfinale gegen die Ausführung des diesjährigen Pokalwettbewerbs, an dem angesichts der Corona-Pandemie nur die Berliner Regionalligisten teilnehmen. Blau-Weiß 90 hätte sich eine "sportlich gerechte Lösung" gewünscht, auch wenn "auf Grund der coronabedingten Verordnungslage notfalls bis zu den Halbfinals das Los entscheiden müsste", wie es im beim Berliner Fußball-Verband hinterlegten Einspruch heißt.

Für Christian Benbennek wäre das Losverfahren ebenfalls das Mittel der Wahl gewesen: "Zieht ein Los für den Gewinner von Berlin. Und die sollen dann das Geld mit den anderen 31 Vereinen aufteilen. (…) Wenn man Regionalligist ist, kann man sich freuen. Sportlicher Wettbewerb sollte eigentlich anders aussehen." Auch Viktorias Qualifikation für die Dritte Liga kommentierte Benbennek in diesem Zuge: "Aufstieg nach elf Spielen ist auch so eine Sache." Andererseits sei es aber auch "ein Ausnahme-Jahr."

Klare Ansage

Und auch Benedetto Muzzicato kann Blau-Weiß 90 "verstehen. Da verurteile ich niemanden." Bei Viktoria werde aber über die möglichen Konsequenzen eines erfolgreichen Einspruchs durch Blau-Weiß 90 nicht geredet. Das "wurde nicht einmal erwähnt in meiner Ansprache. Das existiert einfach nicht. Bis diese Entscheidung getroffen wurde, geben wir alles dafür, dass die Jungs fokussiert auf dieses Spiel sind."

Würden sie angesichts der drohenden Annullierung die Anspannung verlieren und die Vorbereitung aus den Augen lassen, und hinterher gehe aber doch alles über die Bühne, Viktoria jedoch sei ausgeschieden, sei das "eine schöne Scheiße". Oder wie sein Kollege Benbennek sagt: "Wir freuen uns jetzt einfach, dass wir endlich wieder ein Pflichtspiel haben."

Sendung: rbb24, 20.05.2021, 22 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Auweia - BW90 plädiert für ein Losverfahren bis zum Halbfinale, weil das die sportlichere Lösung sei?
    Wie hohl ist das denn bitte?
    Tempelhofer Logik, der wohl kaum jemand folgen kann...

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