Letzte DDR-Oberliga-Saison von BFC Dynamo - Den Absprung verpasst

Heiko Scholz (Dynamo Dresden, li.) gegen Jörg Fügner (FC Berlin) (Quelle: imago images/WEREK)
Video: rbb UM6 | 26.06.2021 | Stephanie Baczyk | Bild: imago images/WEREK

Vor 30 Jahren endete die letzte Saison der DDR-Oberliga. Während der BFC Dynamo dort über Jahre dominierte, verpasste der Klub nach der Wende den Sprung in den Profifußball. Heute bleiben den Berlinern nur die Erinnerungen.

Wenn Waldemar Ksienzyk durch den Spielertunnel im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark läuft, sind sie wieder da, die Bilder. "Einige Erinnerungen sind hängengeblieben. Speziell die letzten Spiele, die Aufstiegsrunde", sagt der 57-Jährige. Damals spielte er beim BFC Dynamo, der zu dieser Zeit FC Berlin hieß - und wie alle DDR-Klubs am Scheideweg stand.

Vereins-Steckbrief

- 1966 gegründet

- Rekord-Meister der DDR (zehn Titel in Folge von 1979-1988)

- sechs Mal Berliner Pokalsieger

- seit 2014 in der Regionalliga Nordost

Dauermeister der DDR-Oberliga

Denn am 25. Mai 1991 fand das letzte Hauptrunden-Spiel der DDR-Oberliga statt. In dieser Spielzeit qualifizierten sich acht Teams für die 1. oder 2. Bundesliga. "Das war die Möglichkeit, dem Verein eine Chance zu geben, im bezahlten Fußball spielen zu können und nicht komplett in der Versenkung zu verschwinden", erinnert sich Ksienzyk.

Und viele hätten die Berliner ein paar Jahre zuvor wohl als sicheren Kandidaten für den Profifußball gesehen. "Der BFC muss in die Bundesliga rein, denn die Oberliga ist zu klein", sangen die Anhänger des Vereins bei den Spielen. Und diese selbstbewusste Haltung kam nicht von ungefähr. Zehn Jahre in Folge, von 1979 bis 1988, war der BFC DDR-Meister, steht in der ewigen Tabelle der DDR-Oberliga auf Platz zwei.

Mit der Wende kam der sportliche Fall

Doch dann kam die Wende. Der oftmals als "Stasiklub" geschmähte Verein, der als Teil der Sportvereinigung Dynamo ein Klub der Sicherheitsorgane war, verlor Teile der - auch finanziellen - Unterstützung aus der Politik. Vor allem aber wanderten die Leistungsträger in den goldenen Fußball-Westen ab. Thomas Doll und Frank Rohde (beide Hamburger SV), Rainer Ernst (Kaiserslautern) sowie Andreas Thom und René Rydlewicz (beide Leverkusen) zog es beispielsweise in die Bundesliga.

"Wir hatten trotzdem eine sehr gute Mannschaft, obwohl wir in dem Jahr zuvor fast unsere komplette Offensive verkaufen mussten", sagt Ksienzyk rückblickend. Gereicht hat es dennoch nicht. Der FC Berlin scheiterte knapp in der Qualifikationsrunde für die 2. Bundesliga. Stattdessen qualifizierte sich Stahl Brandenburg. Nicht wenige BFC-Fans sind bis heute überzeugt, die ebenfalls in der Gruppe spielenden Unioner hätten absichtlich gegen Stahl verloren, um den Aufstieg des Lokalrivalen zu verhindern.

Auch abseits des Sportlichen gab es negative Schlagzeilen. Immer wieder kam es in der DDR-Oberliga zu Gewaltausschreitungen, die ihren traurigen Höhepunkt am 3. November 1990 fanden. Als die Berliner bei Sachsen Leipzig zu Gast waren, wurde der 18-jährige BFC-Fan Mike Polley von einem Polizisten erschossen. Einige Tage später fand ein großer Trauermarsch statt, an dem auch Waldemar Ksienzyk teilnahm. "Es hatte schon einen sehr bitteren Beigeschmack, weil es mit dem Fußball verbunden wurde und natürlich negativ für den BFC war", erinnert er sich. "Welche Schuldigkeiten es da von anderen Seiten gab, hat man nie so richtig rausbekommen."

Der "reichste Amateurverein Deutschlands" schwächt sich selbst

Das negative Image begleitete den BFC auch danach, als der Klub in der Saison darauf (1991/1992) in der drittklassigen Oberliga Nordost antreten musste. Als "reichster Amateurverein Deutschlands" wurden die Berliner zudem betitelt, hatten sie doch rund elf Millionen Mark durch die vielen Transfers ihrer Topspieler erhalten. Beste Voraussetzungen also, um an alte Erfolge anzuknüpfen. Doch aufgrund von Misswirtschaft wurde aus den guten Perspektiven nichts. Trotz der Bekanntheit auch im internationalen Fußball und der Erfolge der vergangenen Jahre schaffte es der 1999 wieder in BFC Dynamo umbenannte Verein nicht, sich wieder aus dem Amateurfußball herauszukämpfen. Seit 2014 spielt der Klub in der viertklassigen Regionalliga Nordost. Was bleibt, sind die Erinnerungen an erfolgreiche Jahre in der DDR-Oberliga, an die viele BFC-Spieler wie Waldemar Ksienzyk auch heute noch gerne zurückdenken.

Sendung: rbb UM6, 26.05.2021, 18 Uhr

9 Kommentare

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  1. 9.

    Also mal den fussball flach halten, bin seit meiner kindheit fan des bfc dynamo. Wenn ich hier lese wie unfair die anderen Mannschaften in der Oberliga behandelt wurden, alles so schlimm gewesen. Und heute ohne grosse sponsoren wäre die bundesliga und zwar alle nix wert.

  2. 8.

    Und niemals vergessen 8:0!

  3. 7.

    Zitat: "Mit Ende der DDR endete auch seine Existenzberechtigung."

    Na ja, seine Existenzberechtigung hat er schon noch. Aber der Verein wird m. E. auf unabsehbare Zeit im sportlichen Mittelmaß stecken bleiben und auch keine nennenswert neuen Zuschauerschichten aquirieren können. Man bleibt dort gerne unter sich.

  4. 6.

    "Nicht wenige BFC-Fans sind bis heute überzeugt, die ebenfalls in der Gruppe spielenden Unioner hätten absichtlich gegen Stahl verloren, um den Aufstieg des Lokalrivalen zu verhindern."

    Nee, is klar - genauso wie nicht wenige BFCler davon überzeugt sind, dass beim Poklaspiel gegen Kaiserslautern vor zehn Jahren "False Flag"- Unioner die Randale angezettelt und dabei auch Frauen und Kinder verletzt haben . . . wie mir mal ein Weinroter weissmachen wollte.

  5. 5.

    Mit diesem Verein ist es wie heute mit RB Leipzig. Wenn da Herr Mattenschutz aussteigt bleibt eben nur Markranstädt übrig. Und das ist gut so.Dieser Verein konnte nur durch Mielke erfolgreich sein. Mit Ende der DDR endete auch seine Existenzberechtigung.

  6. 1.

    Ja, ja, der BFC Dynamo war Rekordmeister der DDR-Oberliga. Und alles ganz ohne die eine oder andere Hilfe seines mächtigsten Fans oder durch Schiedsrichter, die wussten, was von ihnen erwartet wurde.

    Und nach 1990 hat der Verein dann diese Geschichte mustergültig aufgearbeitet und nicht etwa unter den Teppich gekehrt und sich - zumindest fußballhistorisch - völlig zu recht auf einer Stufe mit dem FC Bayern gewähnt und sich dann auch noch wieder seinen belasteten Namen gegeben. Ja, ja. Nicht zu vergessen die vorbildliche Auseinandersetzung mit einem bestimmten Teil seiner Anhängerschaft.

    Das alles macht natürlich besonders traurig, dass heute der Berliner Osten in der Bundesliga durch den 1. FC Union repräsentiert wird und nicht durch den BFC Dynamo.

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