Medienbericht - Eltern werfen Nachwuchszentrum von Union Berlin Diskriminierung vor

Außenansicht Stadion Alte Försterei / IMAGO / Contrast
Audio: rbb UM6 | 11.05.2021 | Simon Wenzel | Bild: IMAGO / Contrast

Aus einem Medienbericht gehen Anschuldigungen gegen den 1. FC Union hervor. Eltern werfen dem Nachwuchsleistungszentrum des Vereins Diskriminierung vor - aufgrund des Migrationshintergrunds. Union nimmt öffentlich Stellung.

Das Nachrichtenportal BuzzFeed News Deutschland [buzzfeed.de] und die "Märkische Allgemeine Zeitung" (MAZ) haben am Dienstagmorgen von schweren Vorwürfen gegen den Bundesligisten 1. FC Union Berlin berichtet. Im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Vereins soll eine "Ausländerquote" ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass "extrem viele Spieler mit Migrationshintergrund aussortiert" wurden. Wie beide Medien übereinstimmend berichten, stammt der Vorwurf aus einem Schreiben einiger Eltern von ehemaligen Spielern an den Berliner Fußballverband (BFV). Es ist die Rede von "19 Spielern aus den Jahrgängen 2003 und 2004".

Die Eltern fragen in ihrem Schreiben, welches rbb|24 vorliegt, ob die sportliche Leitung des NLZ eine "Ausländerquote" durchgesetzt habe, "so dass in den Nachwuchsmannschaften wieder nur einige wenige Spieler mit Migrationshintergrund zu sehen sind." Jugendliche mit Migrationsgeschichte sollen innerhalb der Mannschaften anders behandelt worden sein als "Deutsche [Spieler]".

Zudem berichten BuzzFeed und MAZ von enormen Drucksituationen, denen Spieler im NLZ ausgesetzt gewesen sein sollen. Betroffene haben den Recherchen zufolge von "harten disziplinarischen Maßnahmen, von fehlendem pädagogischen Gespür und von Willkür" von Seiten der Verantwortlichen im NLZ gesprochen. In persönlichen Gesprächen soll es zu Beleidigungen und verbalen Erniedrigungen von Jugendspielern gekommen sein.

Union weist Vorwürfe zurück

Union reagierte bereits vor Veröffentlichung der Recherche auf die Vorwürfe. Der Verein gab bereits am Montag eine Erklärung [fc-union-berlin.de] ab, in der er die Anschuldigungen zurückwies und Antworten auf einen von den Journalisten versandten Fragenkatalog veröffentlichte. Die Vorwürfe, die aus dem Fragenkatalog der recherchierenden Journalisten hervorgehen, sind anonymisiert.

Union Berlin erklärte, bereits seit Monaten mit "anonym und über Dritte vorgetragene Vorwürfen zum Umgang mit Spielern im Nachwuchsleistungszentrum konfrontiert" worden zu sein. Der Verein weist die Vorwürfe jedoch mit Hinweis auf seine Vereinssatzung zurück, gemäß derer der Verein "demokratischen und humanistischen Grundwerten verpflichtet" sei. "Grundsätzlich werden alle Gespräche persönlich, direkt und in einem angemessenen Rahmen geführt. In den Gesprächen werden dem Spieler Inhalte klar, altersgerecht und verständlich erklärt", hieß es von Union.

Lutz Munack, Geschäftsführer Nachwuchs- und Amateurfußball bei Union, sagte gegenüber dem rbb, man sei aufgrund der Vorwürfe vereinsintern bereits sehr früh mit der Leitung des NLZ ins Gespräch gegangen. "Fehlverhalten kann man nirgendwo ausschließen, auch bei uns nicht", begründete er diesen Schritt. Den im Raum stehenden Vorwürfen könne man dennoch "nicht folgen", erklärte er, da sie nicht belegt worden seien.

Interview kurzfristig abgesagt

Im Hinblick auf den Vorwurf der unterschiedlichen Behandlung von Spielern mit Migrationshintergrund hieß es vom Verein: "Die Auf- und Übernahmekriterien unseres NLZ sind auf die Sportliche und schulische Leistungsfähigkeit sowie auf das Sozialverhalten ausgerichtet. Andere Kriterien, wie Religionszugehörigkeit oder Migrationshintergrund, existieren nicht und werden deshalb von uns nicht erfasst."

Union wirft den Journalisten zudem vor, ehemalige Mitarbeiter und Eltern ehemaliger NLZ-Spieler "mit suggestiven Fragen zu möglicher Diskriminierung von Spielern aufgrund ihrer Herkunft" konfrontiert zu haben. Der Verein erklärte, er habe einem Interviewtermin mit den Journalisten zunächst zugestimmt, diesen aber kurzfristig wieder abgesagt. Als Grund nannte Union, dass der Fragenkatalog zwischenzeitlich bereits an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und den BFV geschickt worden sei. Daniel Drepper, Chefredakteur von Buzzfeed News Deutschland, reagierte am Dienstag auf Twitter und erklärte, es sei eine "journalistisch übliche Praxis, dass man sich auch von anderen Beteiligten (in diesem Fall BFV und DFB) Kommentare holt".

Sendung: rbb UM6, 11.05.2021, 18:00 Uhr

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