Interview | Alba-Manager Marco Baldi - "Platz zwei nach der Hauptrunde war das Optimum"

Alba-Manager Marco Baldi (Quelle: imago images/isslerimages)
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Trotz kräftezehrender Dreifachbelastung hat Basketball-Bundesligist Alba Berlin die Hauptrunde als Zweiter abgeschlossen. Manager Marco Baldi zieht im Interview ein Zwischenfazit, spricht über ein Luxusproblem und die nächsten schwierigen Gegner.

rbb|24: Herr Baldi, Alba hat die Hauptrunde in der Basketball-Bundesliga (BBL) auf dem zweiten Platz abgeschlossen. Wie würden Sie das bewerten? Ist das bei allen Umständen ziemlich nah am Optimum, was man hätte erreichen können?

Marco Baldi: Ich glaube, das war das Optimum. Wir haben von 34 Spielen sechs verloren. Dazu kommen nochmal 34 Euroleague-Spiele, unfassbare Reisen und ein unfassbarer Spielplan. Unser Team war ja auch eine Zeit lang komplett in Quarantäne. Das heißt, wir mussten in sehr kurzer Zeit sehr viele Spiele durchführen. Dafür ist das ein fantastisches Ergebnis.

Sie haben die Dreifachbelastung und die Reisestrapazen angesprochen - gerade in Zeiten einer Pandemie. Muss man dann schon fast damit rechnen, dass daraus Umstände entstehen, die das Risiko von Verletzungen erhöhen?

Jetzt nicht mehr. (lacht). Aber wir hatten das Thema, und nicht nur wir. Ich glaube alle, die die Doppelbelastung mit dem europäischen Wettbewerb hatten, hatten so eine hohe Belastung, dass es da zu mehr Verletzungen kam als üblich. Jetzt haben wir das schöne Problem, dass unser Kader erstmalig in der Saison komplett ist, was uns vor eine ganz neue Aufgabe stellt - vor allem die Trainer und Spieler. Bei jedem Spiel müssen jetzt zwei draußen bleiben und die Kompaktheit, die wir durch die Verletzung hatten, geht jetzt etwas verloren. Dennoch ist es natürlich schön, wenn man mit voller Kapelle in die entscheidende Phase der Saison gehen kann. Aber es wird sehr interessant, wie wir jetzt in diesen völlig anderen Playoff-Rhythmus kommen.

Nachdem der Spielplan vorher so eng war, haben Sie auch erst jetzt die Möglichkeit, mal richtig zu trainieren, oder?

Ja, ich hoffe, da geht jetzt nichts schief. (lacht) Wir hatten in diesem Jahr wirklich praktisch nie Gelegenheit, zu trainieren. Es gibt die Shootarounds, das heißt, man baut am Tag des Spiels morgens in der Halle ein bisschen das Gefühl für den Ball auf und geht ein paar Spielzüge durch. Viel mehr kann man da aber eigentlich nicht tun. Ansonsten haben wir praktisch kaum richtig trainiert. Jetzt haben wir die Gelegenheit dazu und ich hoffe, dass das nichts kaputt macht. (lacht)

Nach der Trainingswoche steht am Wochenende das Final Four im Pokal an. Wie schätzen Sie den Halbfinal-Gegner Göttingen ein, der beim ersten Termin zwei Corona-Fälle hatte, woraufhin das Turnier verschoben wurde?

Wir haben insgesamt nur noch Spiele, wo es um alles geht. Es sind jetzt immer K.o.-Spiele. Göttingen ist die ganze Saison über eine Wundertüte. Die haben gerade völlig überraschend haushoch in Bamberg gewonnen. Es kann aber auch gut sein, dass sie das nächste Spiel genauso überraschend gegen einen Underdog verlieren. Wir sind gewarnt und wissen, was die können. Beim Pokal kommt es auf das Momentum genau in dieser Sekunde an. Das müssen wir unbedingt auf unsere Seite kriegen. Natürlich sind wir der Favorit, das nehmen wir auch gerne an. Aber wir wissen, dass das auf keinen Fall ein Selbstgänger ist.

Bald starten dann auch die Playoffs in der Bundesliga. Vieles hat sich aufgrund der Corona-Pandemie verändert, zum Beispiel der Modus. Es wird erst zwei Heimspiele geben, dann zwei Spiele auswärts und anschließend ein mögliches fünftes Spiel wieder zu Hause. Ist das etwas, was okay ist?

Das ist absolut okay und macht auch total Sinn. Jetzt unnötig durch die Gegend zu reisen, wenn man auch zwei Spiele, die man sowieso spielen muss, an einer Stelle spielen kann, ist auf jeden Fall sinnvoll. Was nicht so schön ist, ist, dass wir gegen Hamburg spielen. Gegen die haben wir von den sechs Spielen, die wir insgesamt verloren haben, zwei Mal verloren. Das ist eine Mannschaft, die mit einer sehr besonderen Energie und Intensität spielt. Da haben wir uns immer sehr schwergetan und das wird eine schwierige Aufgabe.

Die haben auch gegen die Bayern gewonnen. Es ist zwar der Zweite gegen den Siebten, aber doch ein Duell auf Augenhöhe?

Ja, ich glaube insgesamt die Playoffs in diesem Jahr. Natürlich gibt es immer irgendwelche Favoriten, aber insgesamt werden die Playoffs zumindest eine große Wahrscheinlichkeit für Überraschungen mitbringen. Ich hoffe, dass wir in dem Sinne keine Überraschung sind, weil Hamburg eine Mannschaft ist, die jeden schlagen kann. Die sind frischer als wir. Wir haben fast 70 Spiele in den Knochen, das macht sich auch irgendwo bemerkbar. Gleichzeitig haben wir natürlich eine gewisse Breite, Erfahrung und Qualität im Team und auf die müssen wir setzen.

Sie haben ja gerade schon ein paar Argumente genannt, warum eine negative Überraschung möglichst nicht passieren sollte.

Wir leben am Ende von unserer Geschlossenheit. Wir haben ein Team, das sehr harmoniert. Ich sage immer, die mögen sich und haben Freude miteinander. Das hört sich jetzt so nach Pfadfindergruppe an, so meine ich das nicht, aber es ist eine wichtige Voraussetzung für die Art und Weise wie wir spielen. Wir spielen einen sehr mannschaftlichen Basketball, der ist nicht auf einzelne zugeschnitten. Wenn das zum Tragen kommt, wird der Weg an die Spitze für Alba absolut möglich sein.

Das heißt, man könnte das Double wiederholen?

Das wäre das Schönste, aber wir wissen, dass das eine Riesenherausforderung ist.

In dieser Phase der Saison gelten die Gedanken auch schon mal der kommenden Saison. Was wird da besonders wichtig sein?

Besonders wichtig ist, dass die Fans kommen. Wir sind ein Klub, der da emotional als auch wirtschaftlich eine hohe Abhängigkeit hat. Wir sind kein Klub, der irgendwelche Spezialförderungen erhält. Diese Verbindung mit und zu unseren Fans auf jeder Ebene ist für uns essentiell. Das hat sehr wehgetan in diesem Jahr. Das ist die große Hoffnung und der Wunsch, dass das wieder auf gutem Wege stattfinden kann und unsere Fans auch an unserer hoffentlich guten Wettbewerbsfähigkeit teilnehmen können und ihren Teil dazu beitragen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Torsten Michels, rbb Sport.

 

Sendung: rbb24, 09.05.2021, 21:45 Uhr

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