Interview | Wasserspringer Hausding in Tokio - "Frischluft ist bei uns hier momentan Mangelware"

Wasserspringer Patrick Hausding (Quelle: dpa/Bernd Thissen)
Audio: Inforadio | 01.05.2021 | Interview mit Patrick Hausding | Bild: dpa/Bernd Thissen

Wasserspringer Patrick Hausding kämpft derzeit in Tokio mit seinen Team-Kollegen um Startplätze für Olympia. Im Interview spricht der Berliner über die strengen Corona-Maßnahmen in Japan, seine vierten Spiele und das Karriereende.

rbb: Herr Hausding, wo sind Sie denn in Tokio untergebracht?

Patrick Hausding: Wir wohnen hier in einem ganz guten Hotel, relativ zentral, soweit ich weiß, wobei ich noch nicht die Möglichkeit hatte, Tokio zu sehen. Man kümmert sich hier gut um uns, wir können nur leider das Hotel nicht verlassen.

Sie haben dem Sportinformationsdient gesagt, der Wohlfühlfaktor wäre schon nach der Ankunft am Flughafen nahe null gesunken. Was ist so furchtbar?

Wir haben über drei Stunden gebraucht, um aus dem Flughafen rauszukommen, weil die Maßnahmen wirklich sehr, sehr scharf sind. Es gab ganz viel Schreibkram und ich habe zwei oder drei Apps auf mein Handy runterladen müssen, damit man uns verfolgen kann. Wir müssen jeden Tag angeben, wo wir sind. Aber gegenüber der Regierung, nicht gegenüber dem Veranstalter des Wettkampfs. Das sind schon ganz schön gut verfolgbare Maßnahmen. Ich glaube, in Deutschland würde das mit dem Datenschutz nicht vereinbar sein.

Aber wenn es hilft, ist es ja möglicherweise auch eine Maßnahme, die man nachvollziehen kann - oder wie sehen Sie und Ihre Teamkollegen das?

Doch, das kann man schon nachvollziehen. Man muss ja auch sagen, dass ich nicht in Tokio bin, um mir die Stadt anzugucken, sondern um Startplätze für Olympia zu holen. Ich würde natürlich gerne wenigstens eine kleine Stadtrundfahrt machen oder einen Spaziergang, aber das wird uns alles verwehrt. Da ist es vielleicht hier und da ein bisschen überspitzt, aber es soll ja zu unserem Besten sein.

Derzeit sind ein paar Hundert Wasserspringer in Tokio. Im Sommer werden dann ein paar tausend Sportler erwartet. Was glauben Sie, kann das dann auch so funktionieren?

Das weiß ich nicht genau. Wir sind hier 400 bis 500 Menschen, die an der Veranstaltung teilnehmen. Das funktioniert wohl bis jetzt ganz gut. Ich habe erst von einem Fall gehört, ein Trainer wurde positiv getestet. Ansonsten sieht es hier erstmal sehr stabil aus. Ob man das dann mit 20.000 Menschen so schafft, das weiß ich nicht. Da ist dann glaube ich die Regierung gefragt, ob sie diese Maßnahmen, die sie hier anwenden, so potenzieren können, dass man sie mit dem 30- oder 50-fachen an Menschen durchführen kann. Und ob nicht irgendwelche Länder da Revolte machen, weil man wirklich nicht mal außerhalb des Hotels stehen darf. Man wird gebeten, in den Bus zu steigen, zur Halle zu fahren und direkt in die Halle zu gehen. Frischluft ist bei uns hier momentan Mangelware.

Nach Peking, London und Rio werden es in Tokio Ihre vierten Olympischen Spiele sein. Das Olympische Dorf wird natürlich einiges von seinem Flair verlieren. Sie dürfen anderen Sportlern nicht näher als einen Meter kommen und zum Beispiel nicht auswärts essen. Was können Sie als erfahrener Athlet und Athletensprecher den Jüngeren mit auf den Weg geben?

Ich habe bei den letzten Spielen auch nicht so viel außerhalb gemacht. Gerade beim Wasserspringen, wo sich die Wettkämpfe fast über die gesamten Olympischen Spiele ziehen, ist man einfach so fokussiert, dass man kaum aus dem Olympischen Dorf rausgegangen ist. Man hat da eigentlich alles. Das ist ja wie eine kleine eigene Welt. Ansonsten muss man sich einfach daran erinnern, wofür man hierherkommt. Wir sind keine Touristen, sondern Profis, die in dieses Land kommen, um die beste Leistung abzurufen und sportliche Träume zu erfüllen. Auch wenn es Olympia unter anderen Bedingungen ist, ist es immer noch Olympia.

Es dürften auf jeden Fall unvergessliche Spiele werden. Jetzt sprechen wir aber nochmal über die Qualifikation. Wie läuft denn der Wettkampf?

Einen Olympia-Startplatz habe ich schon vor zwei Jahren geholt. Am Samstag hatte ich meinen ersten Wettkampf, also den ersten weiteren Versuch, der ist leider nicht geglückt. Wir sind mit 1,3 Punkten an einem Startplatz im Synchronspringen vom Turm vorbeigesprungen. Das ist traurig und bitter, aber so ist der Sport. Am Sonntag habe ich die nächste Möglichkeit, noch einen weiteren Startplatz zu holen.

Im Moment geht es um Tokio und Ihre vierten Spiele. Gibt es eventuell auch noch die fünften Spiele für Patrick Hausding?

Jetzt würde man sagen, Olympia ist ja schon wieder in drei und nicht in vier Jahren, aber für mich werden es die letzten Olympischen Spiele sein. Nochmal drei Jahre, dazu bin ich dann auch einfach ein bisschen zu alt. Ich erhole mich nicht mehr ganz so schnell und habe mir über die Jahre auch schon viele Gebrechen zusammengesammelt. Wie lange ich noch mache, lasse ich mir offen, aber Paris 2024 werde ich als Zuschauer erleben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Thomas Kroh, rbb Sport. Es handelt sich um eine gekürzte und leicht redigierte Fassung. Das ganze Interview können Sie mit einem Klick ins Titelbild nachhören.

Sendung: Inforadio, 01.05.2021, 17:15 Uhr

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