Berliner Synchronschwimmerin - Olympia statt Studium

Synchronschwimmerin Michelle Zimmer im Wasser / IMAGO / AFLOSPORT
Video: Abendschau | 09.05.21 | Sebastian Meyer | Bild: IMAGO / AFLOSPORT

Michelle Zimmer hatte die sportliche Karriere eigentlich schon an den Nagel gehängt. Doch die Chance auf eine Olympia-Teilnahme mit einer neuen Partnerin war zu verlockend für die Berliner Synchronschwimmerin.

Perfekt synchronisiert, ästhetisch, schwungvoll und gleichzeitig bedächtig winden sich Michelle Zimmer und Marlene Bojer durchs Wasser. So mühelos, man könnte meinen die Performance der beiden Synchronschwimmerinnen sei einfach. Doch dahinter steckt viel harte Arbeit. Acht bis zehn Stunde täglich trainieren sie – für den Traum von Olympia. Die beiden wollen als Duo im Sommer nach Tokio. Für die Berlinerin Michelle Zimmer ist es wahrscheinlich die letzte Möglichkeit, an Olympischen Spielen teilzunehmen. Dabei hatte sie ihre Karriere eigentlich schon beendet.

2018 entschloss sich die heute 24-Jährige, mit dem Leistungssport aufzuhören. Sie zog das Studium und ihre berufliche Karriere der sportlichen Laufbahn vor. Im letzten Spätsommer bot sich ihr dann allerdings die Möglichkeit für ein Comeback – pünktlich zu den gerade erst verschobenen Olympischen Spielen in Tokio. Marlene Bojer brauchte überraschend und dringend eine neue Partnerin. Ihre langjährige Kollegin Daniele Reinhardt hatte plötzlich ihren Rückzug aus dem Synchronschwimmen erklärt.

"Die einzig richtige Entscheidung"

Zimmer stand bereit, sprang ein und träumt seitdem wieder von Olympia – dem wohl größten Ziel für jede Sportlerin und jeden Sportler. "Ich hatte das Gefühl, dass ich noch nicht alles erreicht habe, was ich erreichen wollte", sagt Zimmer lächelnd. "Da kam es mir ganz gelegen, dass Marlene eine neue Duett-Partnerin gesucht hat. Es war für mich die einzig richtige Entscheidung." So habe sich alles zum Guten entwickelt, schwärmt auch Bojer von der "mega Chance" mit einer neuen Partnerin, die zudem einen riesigen Erfahrungsschatz mitbringt.

Zimmer gehörte jahrelang zu den besten deutschen Synchronschwimmerinnen. 2014 feierte sie bei den Europameisterschaften in Berlin ihr internationales Debüt, seit 2013 war sie Teil der deutschen Nationalmannschaft. Zuletzt konzentrierte sich Zimmer allerdings lieber auf ihr Studium. Doch das ruht jetzt vorerst wieder – stattdessen lockt Tokio. "Bei der Entscheidung war mir bewusst, ich muss alles andere zurückstecken. Das ist ein Ziel, bei dem es nur eine Richtung gibt", begründet Zimmer diesen erneuten Karriereschwenk.

Fifty-Fifty-Chance auf Olympia

Seit Ende Oktober trainiert das Duo gemeinsam abwechselnd in München, Berlin und am Stützpunkt in Kienbaum. Zu Beginn musste Zimmer den Trainingsrückstand aufholen. "Die ersten zwei Monate waren schon hart", bekennt sie. Doch das Vertrauen ihrer Partnerin und dem Trainerteam war unerschöpflich. "Sie hat kaum gemeckert und wusste, wo sie hinwill", lobt Bojer.

Am Montag beginnt für das Duo die Europameisterschaft in Ungarn, im Juni wollen sich die beiden in Barcelona dann für die Olympischen Spiele qualifizieren. "Die Chancen sind gut für uns", schätzt Bojer. "In Zahlen ausgedrückt ist es eine Fifty-Fifty-Chance." Bei der EM werden sie sich zum ersten Mal mit der internationalen Konkurrenz messen können. Dann werden sie wissen, wie weit der Weg zum großen Traum von der Olympia-Teilnahme noch ist.

Sendung: rbb Abendschau, 09.05.2021, 19:30 Uhr

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