Neustart der European League of Football - Berlin Thunder und der American Football sind zurück

Berlin Thunder in einem Trainingsspiel 2021 (Quelle:imago/Roberto Seidel)
Audio: Inforadio | 17.06.2021 | Matthias Gindorf | Bild: imago/Roberto Seidel

2007 war Schluss mit Berlin Thunder. Die damalige NFL Europe und das einst erfolgreiche Team wurden aufgelöst. Mit neuer Liga und neuem Konzept wird ab dem Wochenende wieder American Football gespielt. Und Berlin Thunder ist zurück. Von Dennis Wiese

 

Früher lief AC/DC. Thunderstruck. "Nanananananana THUNDER." Der Text, das unglaubliche Gitarrensolo, der Bumms. Ein Lied wie maßgefertigt als Einlaufsong für die Footballer von Berlin Thunder. Jetzt beginnt die Show, jetzt kommen die starken Männer.

Knapp 20 Jahre ist das her. In den späten 90ern und frühen 2000ern gehörte Berlin Thunder zu Europas besten Teams im American Football. Drei Mal gewannen die Berliner den sogenannten World Bowl. Die Liga, die NFL Europe, mit Mannschaften aus Düsseldorf, Frankfurt, Amsterdam oder Barcelona, war ein direkter Ableger der großen NFL in den USA. Die Clubs erhofften sich Werbung in Übersee und Spielpraxis für ihre Talente und Reservisten. 2007, nach fünfzehn Spielzeiten, war Schluss. Mit der Liga und mit Berlin Thunder. Das Engagement in Europa war für die NFL längst zum Verlustgeschäft geworden.

Berlin Thunder feiert den World Bowl-Sieg 2001 (Quelle:imago/Ed Cornejo)
Der erste Triumph: Berlin Thunder gewinnt 2001 den World Bowl | Bild: imago/Ed Cornejo

Thunder spielte vor bis zu 20.000 Zuschauern im Olympiastadion

Nun ist Thunder zurück. Viel mehr als der Name ist nicht geblieben. Heiko von Glahn, General Manager des Teams, drückt das so aus: "Wir sind ein Startup-Unternehmen mit einem 20 Jahre alten Produkt."

Dieses Produkt hatte damals nicht nur sportlichen Erfolg. Die Aufmerksamkeit der Berliner hatte es auch: Im Schnitt lockte Thunder rund 15.000 Zuschauer ins Stadion. Nach zwei Jahren im Jahnstadion war das Olympiastadion Austragungsort für die Heimspiele.

Auf dem Feld kämpften im Trikot mit dem markanten Hammer-Logo vor allen Dingen US-Amerikaner. Hinzu kam mit dem früheren Hertha-Kapitän Axel Kruse einer der wenigen Lokalmatadoren. Kruse war dafür zuständig, das Ei als Kicker zwischen die beiden Torstangen zu schießen.

Beim Neuanfang soll mehr auf deutsche Spieler gesetzt werden

Die US-amerikanische Profiliga NFL begeistert mittlerweile eine große Fangemeinde in Deutschland, der American Football hierzulande bekommt aber wenig Aufmerksamkeit. Die Bundesliga, die German Football League (GFL), findet in der Öffentlichkeit kaum statt. Begeisterung der Zuschauer auf der einen, mangelndes Angebot der anderen Seite, das waren die Zutaten, um mit der European League of Football (ELF) eine neue professionelle Liga an den Start zu bringen.

Acht Teams sind dabei: Neben Berlin Thunder sind das die Frankfurt Galaxy, die Hamburg Sea Devils, Stuttgart Surge, die Leipzig Kings und die Cologne Centurions (Köln), dazu die Barcelona Dragons aus Spanien und die Wroclaw Panthers aus Polen.

Anders als damals sollen vermehrt Spieler aus Deutschland, bei Thunder im Idealfall aus Berlin und Brandenburg zum Einsatz kommen. So wie Nationalspieler Nicolai Schumann. Ein Berliner Junge, groß geworden bei den Berlin Adlern und den Berlin Rebels, zuletzt spielte er für den Deutschen Meister, die New Yorker Lions in Braunschweig. Schumann kommt mit großen Hoffnungen zu Berlin Thunder: "Ich bin ein Fan von diesem Pilotprojekt und möchte Teil der Pioniertruppe sein. Viele Footballer in Deutschland haben von einer größeren Medienpräsenz geträumt. Das war in der GFL schwierig."

Ein Berliner Team für alle

"Pilotprojekt", "Pioniertruppe", das sind Wörter, die sicher nicht jedem gefallen. Vor allen Dingen nicht den eingesessenen Berliner Vereinen, den Rebels und den Adlern. Thunder, so der Gedanke, soll ein Club für die ganze Stadt, die ganze Region sein, so Manager von Glahn: "Wir sind das Football-Produkt aller Football-Teams in Berlin. Insgesamt sind wir als Football zu klein, als dass wir uns leisten könnten, durch Streitereien aufzufallen".

Der neue Thunder-Coach, der Kanadier Jag Bal, trainierte zuletzt die Berlin Adler. Auch einige Spieler haben die Seiten gewechselt.

Start am 20. Juni in Herthas Amateurstadion

Gut möglich, dass es am Anfang etwas ruckelt beim Neustart von Berlin Thunder.

Als Manager von Glahn Mitte Mai übernahm, fehlte es an Vielem, sagt der Mann, der in den 1990er für die Vermarktung der NFL in Europa zuständig war: "Beim ersten Gespräch hieß es: Wir haben kein Stadion, keinen Trainingsplatz, unsere Klamotten hängen im Zoll und die Mannschaft ist auch noch nicht vollständig."

Andere Mannschaften seien sehr viel früher dran gewesen, so von Glahn. Das Team steht zwar mittlerweile, die Anzahl der gemeinsamen Trainingseinheiten hält sich aber in Grenzen, beim so komplexen American Football ist das schwierig. Spielen soll Thunder zunächst im Stadion am Wurfplatz, auch bekannt als Herthas Amateurstadion, und später dann im Jahnstadion. Das Finale findet am 26. September in Düsseldorf statt.

Berlin Thunder ist für viele ein spannendes Projekt, das auch prominente Unterstützer hat. Herthas früherer Nationalspieler Marko Rehmer gehört zu den Geldgebern. Nach und nach scheint es sich zu fügen bei Berlin Thunder. Welche Einlaufmusik am Sonntag (20. Juni, 15 Uhr. Kurzfristig wurden am Donnerstagabend 300 Zuschauer zugelassen) bei der Heimpremiere läuft, ist noch nicht bekannt. Aber mit AC/DCs Thunderstruck liegt ja eine maßangefertigte Hymne bereit.

Sendung: Inforadio, 17.06.2021, 10 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Ich erinnere mich noch an ein Spiel von Thunder. Im Olympiastadion waren die Plätze auf der Gegengeraden mit Kindern der Jugendfeuerwehren aus Berlin und Brandenburg gefüllt. Der Rest war leer.
    Nach einer Stunde fingen die Kinder an quängelig zu werden und das Freilartenpublikum suchte sich eine bessere Alternative.

    Meine Meinung: im Sport sollte erst die Begeisterung und dann das professionelle Umfeld entstehen. So wird der deutsche Ableger der NFL mit zwei Gastteams aus Europa sicher wieder scheitern.

    Für die "traditionellen" Clubs tut es mir leid. Ich hoffe, Adler und Co. werden diese Zeit überstehen.

  2. 3.

    @ Gernreisender: Ich mag die Art und Weise der Übertragung der NFL bei Sat.1 auch sehr gerne. Ich bin durch meinen Sohn zum American Football gekommen und verfolge diesen inzwischen regelmäßig.
    Schade, dass man beim Spiel am Sonntag noch nicht als Zuschauer vor Ort mit dabei sein darf! Aber wir werden uns definitv mal das eine oder andere Spiel der ELF live im Stadion anschauen. Mal schauen, ob es vielleicht für Sonntag irgendwo einen Stream gibt.

  3. 2.

    Yeah Football is back in Berlin. Wird auch Zeit.
    Danke Coach Esume für die tolle Idee und an alle die da mitgemacht haben und alles vor zu bereiten.
    Dann kann man auch die Zeit bis zum NFL Start super überbrücken

  4. 1.

    Dieser Sport verdient definitiv MEHR Aufmerksamkeit! Was dort körperlich, aber auch taktisch geleistet wird, ist beeindruckend. Wer sich darauf einlässt, und zum Beispiel mal die NFL bei den Kollegen von ProSieben und SAT.1 verfolgt hat, wird sicherlich bald auf den Geschmack kommen. Denn hier wird nicht nur im Fachjargon gesprochen und gefachsimpelt, sondern auch für Laien des Sports in lockerer Atmosphäre viel erklärt.

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