Die Prüfer-Brüder vom SC Potsdam - Aus dem Schatten der Hartings

Die beiden Diskuswerfer Henning(rechts) und Clemens Prüfer vom SC Potsdam(Bild: imago images/Chai v d. Laage)
Bild: imago images/Chai v.d. Laage

Henning und Clemens Prüfer zählen zu den besten deutschen Diskuswerfern. Sie hoffen, bei den olympischen Spielen in Tokio dabeizusein - und irgendwann weiter als ihre Vorbilder Robert und Christoph Harting zu werfen. Von Johannes Mohren und Friedrich Rößler

Robert und Christoph Harting haben den Diskus lange Zeit weiter als alle anderen geworfen und standen jahrelang an der Weltspitze. Die Brüder, geboren in Cottbus, haben zusammen zwei olympische Goldmedaillen, drei Mal WM-Gold und zwei Mal EM-Gold gewonnen. Der ältere von beiden, Robert, hat seine sportliche Karriere vor mehr als zwei Jahren beendet. Der jüngere Harting, Christoph, kämpft noch um ein Ticket für Tokio, denn qualifizieren konnte sich der 31-jährige Diskuswerfer noch nicht für die olympischen Spiele.

Die drei Startplätze belegen aktuell der Deutsche Meister Daniel Jasinski (TV Wattenscheid 01), gefolgt von Clemens Prüfer (SC Potsdam) und David Wrobel (SC Magdeburg). Während Jasinski und Wrobel zu den Etablierten im Diskuswurf zählen, kommt Clemens Prüfer eher als Neuling daher. Allerdings nur für Außenstehende, denn der 23-jährige Sportsoldat hat auch schon einige Medaillen gesammelt, auch wenn diese alle noch aus den Jugendbereichen stammen. Im letzten Jahr holte der gebürtige Rostocker sich den Titel Deutscher Meister und hat diese Saison die geforderte Olympianorm von 66 Metern mit 67,41 Metern vor einem Monat in Halle(Saale) längst erreicht.

Vita Clemens Prüfer

Diskuswerfer Clemens Prüfer vom SC Potsdam(Bild: imago images/Chai v.d. Laage)
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- geboren am 13. August 1997 in Rostock

- Sportsoldat

- beim SC Potsdam seit 2014

- Disziplin Diskus

- Deutscher Meister 2020

- Silber U23-EM 2019

- Deutscher U23-Meister 2019

- Deutscher U23-Meister 2017

- Silber Olympische Jugendspiele 2014

Olympische Spiele für beide Brüder?

"Meine Chancen stehen sehr gut, die Hoffnung ist groß, es kommen ja nur noch ein paar Wettkämpfe", sagt Clemens Prüfer, angesprochen auf eine mögliche Olympia-Teilnahme. Bis Ende des Monats bleibt den deutschen Diskuswerfern noch Zeit, den einen Wurf raus zu hauen, der mindestens die Olympia-Norm von 66 Metern erreicht.

Darauf hofft neben Christoph Harting auch Clemens' älterer Bruder Henning. "Das war mein Ziel bei den Deutschen Meisterschaften, als Erster wäre ich ja automatisch dabei gewesen", sagt dieser. Als Vierter mit genau 63 Metern hatte der 24-Jährige keine Chance auf ein Olympiaticket, mit seiner Saisonbestleistung von 65,26 m auch nicht.

"Von der Leistung her ist Henning sehr stabil, aber es fehlt mal der Ausreißer nach oben," sagt sein Trainer Jörg Schulte. Der Übungsleiter vom SC Potsdam trainiert die Prüfer-Brüder schon seit 2013 zusammen und kennt die beiden Athleten ganz genau. "Henning ist eher die Urgewalt. Der Typ, der über die Kraft kommt. Clemens kommt eher über die Schnellkraftschiene." Beide seien von den Anlagen her unterschiedlich, wie Robert und Christoph Harting.

Vita Henning Prüfer

Diskuswerfer Henning Prüfer vom SC Potsdam(Bild: imago images/Chai v.d. Laage))
imago images/Chai v.d. Laage)

- geboren 1996 in Rostock

- Sportsoldat

- beim SC Potsdam seit 2014

- Bronze U20 EM 2015

- Silber U20 EM 2014

- Silber U18 WM 2013

 

Ein eingeschworenes Trainingsteam

Zwischenmenschliche Differenzen herrschen aber nicht vor bei den Diskus-Brüdern Prüfer, da unterscheiden sie sich sehr von den Hartings. Zusammen mit der Diskuswerferin Kristin Pudenz bilden sie mit ihrem Trainer Jörg Schulte in Potsdam ein eingeschworenes Team, das sich unterstützt und gegenseitig motiviert. Eigentlich waren die olympischen Spiele in Paris 2024 das große Ziel von Clemens und Henning. Da Tokio aber zum Greifen nahe gerückt ist, wollen am besten beide schon jetzt daran teilnehmen. "Ich freue mich sehr darauf, wenn es denn klappt und möchte dann wertvolle Erfahrungen sammeln", sagt Clemens.

Die Weltspitze sei noch zu weit entfernt. Für seinen Bruder Henning stellt das sportliche Vorbeiziehen des Jüngeren kein Problem dar. "Da gibt es kein böses Blut. Zu zweit bei Olympia wäre aber ein enormer Ansporn, denn im Wettkampf möchte man schon besser als der andere sein."

"Besser sein als seine Vorbilder"

"Der größte Fehler, den man mit so talentierten Jungs machen kann, ist, sie zu verheizen, damit sie in der Jugend möglichst weit werfen", sagt ihr Trainer Schulte. Wenn beide gesund blieben, dann seien nach oben keine Grenzen gesetzt, was ihre Entwicklung angehe. Er sehe noch Reserven beim Krafttraining als auch bei der Technik. "Aber im Männerbereich mal ganz vorne zu sein, da wollen wir hin."

Als sportliche Vorbilder nennen die beiden Prüfer-Brüder natürlich Robert und Christoph Harting. Für Clemens reiche es, sagt er, "wenn wir irgendwann mal in einem Atemzug mit ihnen geahnt werden". Henning Prüfer geht die Sache wettkampforientierter an: "Als Sportler will man immer besser sein als seine Vorbilder und Vorgänger. Das ist mein Ziel, irgendwann mal aus dem Schatten der Hartings heraus zu treten." Mit einem Wurf über 67 Meter bis zum Ende des Monats bei einem Leichtathletik-Wettkampf irgendwo in Deutschland hätte der Potsdamer schon jetzt die Chance, einen ersten kleinen Schritt dafür zu machen. Sein jüngerer Bruder hat das schon erledigt.

Beitrag von Johannes Mohren und Friedrich Rößler

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