Mitgliederversammlung bei Energie Cottbus - Tiefrote Zahlen und ein Vertrauensvorschuss

Bei der Mitgliederversammlung des FC Energie Cottbus im Stadion der Freundschaft stimmen die Anwesenden gegen die Entlastung des alten Präsidiums. (Quelle: imago-images/Steffen Beyer)
Audio: Antenne Brandenburg | 26.06.2021 | Andreas Friebel | Bild: imago-images/Steffen Beyer

Es ist ein Novum in der Geschichte des FC Energie: Erstmals in der Vereinsgeschichte haben die Mitglieder dem Präsidium die Entlastung verweigert. Die fast dreistündige Sitzung brachte auch noch weitere Erkenntnisse mit sich. Von Andreas Friebel

Da prasselte am Freitagabend im Stadion der Freundschaft eine Menge auf die gut 500 anwesenden Mitglieder von Energie Cottbus ein. Die wichtigste Erkenntnis des Abends: Der Fußball-Regionalligist stand unmittelbar vor der Pleite.

Nur die Tatsache, dass sich der Klub neu aufstellte, dürfte das endgültige Aus des ehemaligen Bundesligisten verhindert haben. Präsident Sebastian Lemke, seit Dezember im Amt, sprach davon, dass "die Lage im Februar dramatisch war".

Unterdeckung von 2,4 Millionen Euro

Damals erwartete Cottbus zum 30. Juni 2021 einen Fehlbetrag von 2,4 Millionen Euro. Lemkes Vorgänger Matthias Auth war offenbar mit einer massiven Unterdeckung in die Saison 2020/21 gegangen. Durch Corona-Hilfen des Landesportbundes und der Zwangspause in der Regionalliga Nordost konnte das Defizit verringert werden - in welcher Höhe ist unklar. Im Jahresabschluss 2020 steht aber ein Fehlbetrag von 130.000 Euro, der darauf hindeutet, dass ein Teil der Lücken geschlossen werden konnte.

Diese tiefroten Zahlen hatten auch Einfluss auf die Abstimmung zur Entlastung des alten Präsidiums. Ein Großteil der anwesenden Mitglieder stimmte dagegen. Das ist ein Novum in der Klubgeschichte. Das neue Präsidium kann trotzdem weiterarbeiten, das alte ist aber noch nicht aus seiner Verantwortung entlassen.

Mitglieder stimmen für Sonderumlage

Der schonungslosen Aufarbeitung der Vergangenheit ist es wohl zu verdanken, dass der umstrittenste Tagesordnungspunkt erstaunlich geräuschlos durchgewunken wurde. Energie Cottbus wird von seinen erwachsenen Vereinsmitgliedern eine Sonderumlage von 120 Euro erheben. Mit dem Geld sollen Lücken in der Finanzierung des Nachwuchsleistungszentrums am Südstadion geschlossen werden. Dabei soll es sich um rund 250.000 Euro handeln. Lemke versprach, dass "dieses Präsidium in seiner Amtszeit zu diesem Mittel nicht mehr greifen wird."

Auf der Mitgliederversammlung spielten auch drei Personalien eine wichtige Rolle. Andreas Kretzschmar, Geschäftsführer vom FCE-Sponsor Spree-Gas, und Gunnar Winkler, Leiter der Dekra-Niederlassung in Cottbus, wurden in den Verwaltungsrat gewählt. Außerdem gibt es auch im Regionalliga-Kader einen Zuwachs. Energie einigte sich mit Stürmer Erik Engelhardt. Er kommt von Zweitliga-Aufsteiger Hansa Rostock.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.06.21, 17:30 Uhr

Beitrag von Andreas Friebel

3 Kommentare

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  1. 3.

    Oh man, welch schlechte Nachrichten.
    Aber bekanntlich ohne Moos nix los,
    da packen es Dutzende Vereine aus den Speckgürteln ohne echte Mitglieder- und Fanbasis in den ProfiFussball.

  2. 2.

    Es ist traurig zu sehen, was aus dem einstigen Vorzeigeverein wurde. Delitanten und Möchtegernmanager. Keiner ist natürlich verantwortlich. Man kann den Verein nur noch belächeln. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zu letzt. Kopf hoch und mehr Verstand ist zu wünschen.

  3. 1.

    Gute Beschlüsse. Der Verein wächst wieder zusammen. Ich wünsche Energie Cottbus, mit diesen tollen Fans, alles Gute für die neue Saison!
    PS: was hat der BAK bzw. der Berater , mit dem Burschen Kauter gemacht? Peinlicher geht’s nicht. Junge, pack Dein Herz selbst in die Hände und erfülle Deinen Vertrag!!! Eine echte Chance!

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