Interview | Hockeyspieler Martin Häner - "Es muss sich keiner Sorgen um den deutschen Hockeysport machen"

Hockeyspieler Martin Häner am Ball (Quelle: imago images/Brauer-Fotoagentur)
Bild: imago images/Brauer-Fotoagentur

Auf Hockeyspieler Martin Häner warten in diesem Sommer noch zwei große Turniere. Am Freitag beginnen die Europameisterschaften in den Niederlanden. Dort will die Mannschaft zum Team zusammenwachsen und um den Titel mitspielen, bevor es nach Tokio geht.

Die Feldhockey-Europameisterschaften der Männer und Frauen finden vom 4. bis 13. Juni im niederländischen Amstelveen statt. Die Vorrunde wird in zwei Vierergruppen bestritten. Deutschland spielt in Gruppe B. Alle Spiele der deutschen Mannschaft werden live über die digitalen Angebote der ARD Sportschau gezeigt [sportschau.de].

rbb|24: Herr Häner, in der Vorrunde warten Wales, die Niederlande und Frankreich auf die deutsche Mannschaft. Halten Sie das für eine machbare Aufgabe?

Martin Häner: Das Ziel ist definitiv, unter die ersten zwei zu kommen, um ins Halbfinale zu kommen. Wales ist sicher als der schwächste Gegner in der Gruppe einzuschätzen. Holland ist ein absolutes Weltklasseteam und Frankreich ist in den letzten Jahren eine Mannschaft geworden, die sehr aufkommend ist. Wir haben letzte Woche zwei Testspiele gegen sie gemacht. Wir haben einmal verloren und einmal gewonnen, was zeigt, dass man Frankreich nicht unterschätzen darf. Aber wenn wir selbstbewusst sind, dann muss man klar sagen, dass es ein Gegner ist, den wir eigentlich schlagen sollten.

Zur Person

Der Berliner Martin Häner (Jahrgang 1988) durchlief die Jugendmannschaften des Deutschen Hockey Bunds und wurde 2005 Teil der Herren-Nationalmannschaft. Für den Großteil seiner Karriere spielte er für den Berliner Hockey-Club. Er wurde 2009 Juniorenweltmeister und 2011 Europameister. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London holte die Mannschaft Gold. In Rio erreichte die Mannschaft den dritten Platz. Häner plant seine Karriere nach den Olympischen Spielen in Tokio zu beenden.

Was haben Sie aus den Testspielen gegen Frankreich mitgenommen?

Man sieht, dass es sehr schwer ist, gegen Frankreich zu spielen, wenn man nicht 100 Prozent da ist. Das letzte Spiel war direkt vor der Nominierung für die Olympischen Spiele und man hat gemerkt, dass das Nervenkostüm in der Mannschaft nicht zu 100 Prozent da war. Und wenn man die Franzosen nicht zu 100 Prozent wahrnimmt, dann ist es verdammt schwer, gegen sie zu gewinnen.

Als Turnierfavoriten gelten die Titelverteidiger aus Belgien. Mit wem müssen Sie besonders rechnen, wenn die Vorrunde überstanden ist?

In der anderen Gruppe wird sicherlich Belgien der Topfavorit sein. Die verfolgen nach den letzten Jahren sicherlich auch den Titel. Mit Spanien und England gibt es zwei Teams, die relativ gleich stark sind und wahrscheinlich den zweiten Platz ausspielen werden. Das ist wahrscheinlich sehr abhängig von der Tagesform.

Der Bundestrainer hat kürzlich gesagt, dass die Mannschaft auf 60 bis 65 Prozent hochgefahren ist und sich bis Tokio noch steigern wird. Was sind die letzten 40 Prozent?

Vor der Nominierung für die Olympischen Spiele hatten wir noch 28 Spieler im Kader. Dass man jetzt mit einem Team von 18 Spielern schon eingespielt ist, davon kann wirklich nicht die Rede sein. Gerade nach so einer Olympia-Nominierung, die für uns Hockeyspieler das Größe ist, fällt bei denjenigen, die dabei sind, eine große Last vom Herzen. Und da muss man natürlich aufpassen, dass man danach trotzdem den Fokus auf die Europameisterschaften hat.

Im athletischen Bereich sind wir, glaube ich, gut aufgestellt, aber das Teamgefüge war bisher noch nicht eingespielt, weil wir dafür zu viele waren.

Wie wichtig und auch richtungsweisend ist die EM als Test für die Olympischen Spiele?

Natürlich ist es ein Turnier, das auf dem Weg zu den Olympischen Spielen ist. Es ist aber nichtsdestotrotz ein großes Turnier. Deswegen haben wir hier auch sicherlich den Anspruch, um den Europameistertitel mitzuspielen. Gleichzeitig ist es eine WM-Qualifikation. Mit einem Halbfinalticket ist man sicher bei der WM dabei und das wollen wir auf jeden Fall.

Ihre Bundesligakarriere haben Sie schon vor Kurzem beim Berliner Hockey-Club beendet. Wie ist es für Sie, sich jetzt auch international zu verabschieden?

Ich glaube, es war ein sehr langer Prozess und ich bin sehr glücklich mit dieser Entscheidung, dass es nach diesen Turnieren zu Ende ist. Deswegen ist es jetzt nicht so, dass ich wehmütig bin, sondern ich weiß, was ich danach habe: Familie und Beruf. Ich freue mich auch auf die Zeit danach. Je dichter das letzte Spiel rückt, ist man natürlich auch traurig, dass die schöne Zeit vorbei ist, aber es gibt auch andere schöne Sachen.

Können Sie mit dem guten Gefühl gehen, dass in der Mannschaft Spieler sind, die dann die Führungspositionen übernehmen können?

Auf jeden Fall. Gerade beim Berliner Hockey-Club, meinem Heimatverein, habe ich gesagt, dass ich mit dem Gefühl aufhören möchte, dass da eine Mannschaft ist, die weiter mit oben in der Bundesliga spielt. Wir haben eine sehr gute Mannschaft und uns nach 2012 endlich mal für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Von daher bin ich natürlich froh, dass ich weiß, dass der Verein gut aufgestellt ist. Und in der Nationalmannschaft haben wir immer wieder gute junge Spieler, die nachkommen. Da muss sich keiner um den deutschen Hockeysport Sorgen machen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lynn Kraemer, rbb sport.

Sendung: rbb24, 03.06.2021, 21:45 Uhr

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