Saisonrückblick Füchse Berlin - Ende gut, alles gut

Paul Drux (Mitte) schwört sein Team, die Füchse Berlin, vor dem Spielbeginn ein(Bild: imago images/Foto Lächler)
Audio: Inforadio | 27.06.2021 | Karsten Steinmetz | Bild: imago images/Foto Lächler

Mit einem furiosen Endspurt sichern sich die Füchse Berlin Platz 4 - das letzte Saisonziel ist erreicht. Am Anfang der kräftezehrenden Saison wollten die Handballer von Cheftrainer Jaron Siewert allerdings höher hinaus. Von Friedrich Rößler

Die Füchse Berlin können endlich die Handballsaison 2020/21 abhaken. Mit einem starken Endspurt haben die Berliner aus eigener Kraft ihr Saisonziel Platz 4 erreicht, das hatte dem Team von Cheftrainer Jaron Siewert keiner mehr zugetraut. In seiner ersten Saison als Oberfuchs erlebte der 27-jährige Berliner Siewert eine Spielzeit, die es so noch nie gegeben hatte. "Wir haben allen Widrigkeiten getrotzt und am Ende ein gelungenes Resultat abgeliefert", sagte der Füchse-Coach nach dem 29:27-Heimsieg gegen den Bergischen HC am Telefon.

Da wegen der Corona-Pandemie die Saison 2019/20 abgebrochen wurde, gab es keine Absteiger. Zum Start in die Bundesliga 2020/21 gesellten sich aber die beiden Aufsteiger Essen und Coburg ins Handball-Oberhaus dazu, sodass mit 20 statt mit 18 Mannschaften begonnen wurde. Das bedeutete für die Füchse vier Spiele mehr in einer Saison, die durch einen sehr eng getakteten Spielplan (Bundesliga, European League und DHB-Pokal) und mehr als 40 Spielverlegungen wegen Corona-Fällen geprägt werden sollte.

Platz 2 vor der Winterpause

"Bis zur Winterpause lief es überragend für uns, der zweite Tabellenplatz damals ließ uns träumen", berichtete Jaron Siewert. Die sehr gute Platzierung sollte sich aber als trügerisch für die Füchse erweisen. "Da waren bisher keine großen Kaliber dabei", erinnerte sich der Füchse-Trainer.

Zum Anfang des Jahres 2021 lief es schlecht für die Füchse, mit der vermeidbaren Niederlage im Februar beim 27:30 in Erlangen begann eine lange Durststrecke mit vielen vermeidbaren und knappen Niederlagen: 27:28 gegen Leipzig, 24:25 in Göppingen, 27:25 in Wetzlar. Dazu kamen die Ausfälle einiger Stammkräfte.

Finalniederlage gegen Magdeburg, historischer Sieg in Flensburg

Kapitän Paul Drux zum Beispiel wurde im März am Knie operiert, die beiden dänischen Nationalspieler Hans Lindberg und Jacob Holm positiv auf Corona getestet. Beide mussten in Quarantäne. "Die Ausfälle taten uns sehr weh, erst mit der Rückkehr von unseren Stammkräften holten wir wieder bessere Ergebnisse", blickte Siewert zurück. In der Liga rutschten die Füchse immer weiter ab und liefen Gefahr, sich nicht mehr für die European League qualifizieren zu können, von Champions League wie am Beginn der Saison sprach im Fuchsbau keiner mehr.

Einziger Lichtblick zu dieser Zeit: das Erreichen des Finalspiels im EHF-Cup. Doch nach einer schlechten ersten Halbzeit verloren die Füchse gegen den SC Magdeburg dieses so wichtige Spiel am 23. Mai 2021 mit 28:25(15:8). Doch das Berliner Team glaubte an sich und kam in der Liga so richtig in Fahrt. Die Füchse starteten eine furiose Aufholjagd und holten tatsächlich zehn Siege in zehn Spielen, schlugen auswärts mit 33:29 den Titelaspiranten SG Flensburg-Handewitt und beendeten die Saison auf Platz 4, sicherten sich damit die direkte Qualifikation für die European League.

Breiter Kader dank Jugendspielern

"Im letzten Viertel der Saison hat jeder seine Rolle im Team gefunden und gut gespielt, Kompliment an die ganze Mannschaft!", freute sich Füchse-Trainer Jaron Siewert. Die Füchse schafften dieses spektakuläre Comeback auch dadurch, dass sie ihre Ausfälle kompensieren konnten. Den vielen Spielen in kurzen Zeitabständen entgegneten sie mit der vollen Nutzung ihres 16-Mann-Kaders plus acht Jugendspielern. Die jahrelange und viel gelobte Nachwuchsarbeit der Berliner Handballer zahlte sich aus. Wie gut der Nachwuchs spielen kann, hatte er mit der Doppel-Meisterschaft der A- und B-Jugend bewiesen.

Über die kommende Saison mochte Jaron Siewert noch nicht sprechen, die Akkus seien leer und er freue sich, zwei Wochen Abstand von allem zu genießen. Die Füchse müssen dann ohne ihren Abwehrchef Jakov Gojun und Nationalspieler Simon Ernst auskommen. Wegen wirtschaftlicher Zwänge müssen die Berliner ihren Kader verkleinern und hoffen darauf, dass wieder mehr Zuschauer in die Max-Schmeling-Halle zu den Spielen kommen dürfen. "Der Fuchsbau soll wieder brennen und 9.000 Fans in der Halle geben uns immer ein paar Extra-Körner", schwärmte Siewert im Hinblick auf die kommende Handball-Spielzeit. Saisonfazit 2020/21: Ende gut, alles gut.

Sendung: Inforadio, 27.06.2021, 17:24 Uhr

Beitrag von Friedrich Rößler

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